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Zur SacheZeitbombe Generationenwechsel

Viele Ingenieurstellen bleiben unbesetzt, weil es keine Bewerber gibt
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Zur Sache: Zeitbombe Generationenwechsel
Deutschland leidet unter einem Mangel an Ingenieuren, der sich durch den demografischen Wandel in den kommenden Jahren noch verschärfen wird. Ändert sich nichts, droht Technikdeutschland international ins Hintertreffen zu geraten.



Jedes fünfte Unternehmen muss in den kommenden fünf Jahren Ingenieure ersetzen, die altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Doch die Neubesetzung der vakanten Stellen droht zu scheitern. Grund: Ingenieure sind auf dem Arbeitsmarkt Mangelware – selbst in wirtschaftlich schlechten Zeiten wie diesen. Ein Blick zurück ins Jahr 2008 zeigt, dass mindestens 64.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden konnten. Knapp die Hälfte der offenen Stellen waren im Maschinen- und Fahrzeugbau zu finden. Dem gegenüber standen rund 20.000 arbeitslose Ingenieure – ein historischer Tiefstwert seit der Wiedervereinigung. Geht man von einer jährlichen Pro-Kopf-Wertschöpfung eines Ingenieurs von 104.000 Euro aus, verursachte die Ingenieurlücke im vergangenen Jahr einen gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungsverlust in Höhe von 6,6 Milliarden Euro, errechnete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Freilich, die Unternehmen spüren die aktuelle Krise, und so verkleinerte sich die Lücke im März 2009 auf 44.000 und im April auf 40.000. Bei einer Arbeitslosenquote von rund zwei Prozent, so das IW, könne man jedoch nach wie vor von Vollbeschäftigung sprechen.

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Die meisten Unternehmen scheinen sich der Problematik hinter diesen Zahlen nicht bewusst zu sein, wie eine aktuelle Umfrage von VDI und IW zeigt. So schätzen 75 Prozent der insgesamt 3.900 befragten Unternehmen, dass die demografische Entwicklung einen allenfalls schwachen Einfluss auf die eigene Personalsituation haben wird. Die eingangs erwähnten Unternehmen, die in den kommenden fünf Jahren Ingenieure in den Ruhestand verabschieden müssen, ahnen schon eher, dass die Bewerberauswahl nicht allzu üppig ausfallen wird. IW und VDI konnten hier die höchste demografische Sensibilisierung erkennen.

Ein Baustein im Kampf gegen die Ingenieurlücke ist neben der Nachwuchsförderung die Beschäftigung älterer Ingenieure: Um diese möglichst lange zu halten, führen drei von vier Unternehmen entsprechende Maßnahmen zu deren Förderung und Unterstützung durch. Dazu gehören die gezielte Übertragung von Projektverantwortung und berufliche Weiterbildungsmaßnahmen, seltener auch therapeutische Gesundheitsmaßnahmen. Tatsächlich starten auf diese Weise geförderte und geforderte Mitarbeiter durchschnittlich zwei Jahre und vier Monate später ins Rentnerleben als andere. Jedes fünfte Unternehmen, so ergab die Umfrage weiter, hat in den letzten fünf Jahren zudem gezielt ältere Ingenieure eingestellt. Die Arbeitslosigkeit sank in der Altersgruppe „50Plus“ zwischen den Jahren 1999 und 2008 von 42.400 auf 8.900. Lohnkosten- oder Eingliederungszuschüsse der Bundesagentur für Arbeit sollen laut Angaben der Befragten keine bedeutende Rolle gespielt haben. Weit verbreitet ist auch die Beschäftigung so genannter Silver Workers oder Senior Experts. Das sind Ingenieure, die das Rentenalter zwar längst erreicht haben, jedoch im Rahmen von Projekten oder Beratungstätigkeiten zeitlich begrenzt in die Unternehmen zurückkehren. Vor allem in der Elektrobranche und im Fahrzeugbau, im Maschinenbau, in der Chemieindustrie und in der Branche der unternehmensnahen Dienstleistungen, zu der vor allem Ingenieurbüros zählen, sind Silver Workers laut Umfrage beliebt.

Dennoch: Irgendwann will auch der aktivste Oldie seinen wohlverdienten Ruhestand genießen. Daher gilt es, das Problem Ingenieurmangel an der Wurzel zu packen. 85.000 Studienanfänger an technischen Hochschulen wurden im vergangenen Jahr gezählt. Erfahrungsgemäß wird gerade einmal die Hälfte das Ingenieurstudium beenden. Heutige Erstsemester stehen dem Arbeitsmarkt überdies frühestens in vier bis fünf Jahren zur Verfügung. VDI und Unternehmen fordern von der Politik daher seit langem die flächendeckende Einführung von technisch-naturwissenschaftlichem Unterricht an den allgemeinbildenden Schulen, verstärkte Investitionen in qualifiziertes Hochschulpersonal, die Überarbeitung der Lehrpläne sowie öffentliche Stipendienprogramme für Ingenieurstudierende. Passiert sei bislang jedoch nicht viel, kritisiert der Verband. Den Verantwortlichen, so heißt es weiter, mangele es an der nötigen Weitsicht. Denn spätestens, wenn der Konjunkturmotor wieder anspringt, werde sich die Ingenieurlücke wieder vergrößern. Wer dann Auftragseingänge auf Grund fehlender Spezialisten nicht bedienen könne, müsse deutliche Wettbewerbsnachteile verkraften. kf

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