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WissensmanagementWissen braucht Freiräume

Wissensmanagement im Spannungsfeld zwischen Fachkräftemangel und Innovationsdruck
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Wissensmanagement: Wissen braucht Freiräume
Zwei Themen werden die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland mitbestimmen: der zunehmende Fachkräftemangel und die Herausforderung, aus vielversprechenden Ideen erfolgreiche und profitable Produkte und Dienstleistungen am Markt zu platzieren. Praktiziertes Wissensmanagement kann dabei helfen, die Herausforderungen zu meistern.

In den nächsten Jahren wird der Bedarf an Akademikern aufgrund des Innovationsdrucks und des Beschäftigungsstrukturwandels steigen. In den Jahren 2010 bis 2024 werden nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zirca vier Millionen zusätzliche Akademiker benötigt. Das sind zehn Prozent aller jetzigen Erwerbstätigen.

Eine aktuelle Studie der Kultusminister schreibt, 2010 haben aber nur etwa 20 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland zwischen 30 und 65 Jahren einen Hochschulabschluss. Somit wird bis 2024 nach heutigem Stand fast die Hälfte der Akademiker frisch von den Hochschulen kommen und in das Arbeitsleben einsteigen. Das heißt im Umkehrschluss, dass 50 Prozent der heutigen Know-how- und Erfahrungsträger in zehn Jahren anfangen in Rente zu gehen.

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Eine weitere Studie der Ruhr-Universität Bochum besagt, dass die Deutschen die wirklichen „Big Ideas“ oft nicht erkennen. Von 100 Produktideen, die für verfolgungswürdig erachtet werden, schaffen es gerade einmal 13 bis zur Markteinführung. Die Hälfte davon verschwindet auch relativ schnell wieder vom Markt, weil sie nicht erfolgreich sind.

Die Gründe: Es werden vielversprechende Ideen nicht erkannt, Ressourcen in Projekte gesteckt, die wenig zukunftsträchtig sind, und es fehlt den Führungskräften die Zeit, um sich mit den kreativen Ideen Ihrer Mitarbeiter auseinanderzusetzen. Professor Dr. Martin Kaschny von der Fachhochschule Koblenz geht sogar noch weiter: Die Probleme und Hemmnisse bei der Umsetzung von Ideen sind vielfältig, angefangen bei Quantität und Qualität des Personals, über fehlende Strategie, unzureichende technische Ressourcen, fehlende finanzielle Mittel, suboptimale Prozesse bis hin zu einer innovationskritischen Unternehmenskultur, die wenig offen ist für Neuerungen und in der Fehler nicht als Chancen gesehen werden. Er empfiehlt daher: „Ein Innovationsaudit könnte hier Abhilfe schaffen“.

Vor dem Hintergrund, dass die geburtenstarken 60er-Jahrgänge in nicht allzu ferner Zukunft in den Ruhestand gehen, muss es das Ziel sein, das vorhandene Know-how weiterzugeben. Sind die Mitarbeiter erst einmal weg, ist in der Regel auch das Wissen verloren. Der Mitarbeiter muss aber nicht einmal das Unternehmen verlassen. Eine banale Krankheit kann schon dafür sorgen, dass sein Wissen temporär nicht verfügbar ist.

Unternehmenskultur als Basis des Transfers

Wissensmanagement lässt sich nicht allein durch den Einsatz eines Tools praktizieren. So können gemeinsame Gruppenlaufwerke zwar erste Ansatzpunkte sein, um Wissen zu teilen. Aber üblicherweise werden wichtige Informationen oft doch nur lokal gespeichert. Viel wichtiger sind die Unternehmenskultur und damit auch die persönliche Kommunikation unter den Mitarbeitern. Wissensaustausch oder Wissenstransfer kann aber nur stattfinden, wenn die Mitarbeiter auch über die notwendigen Freiräume verfügen. Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass oft wichtige Informationen an der Kaffeemaschine ausgetauscht werden. Nur, wenn der Arbeitsdruck so groß ist, dass für eine gelegentliche Kaffeepause keine Zeit ist, können diese Informationen nicht fließen.

Ganz wichtig in diesem Zusammenhang sind auch Netzwerke. Diese können die Wissensnutzung und die eigenen Fähigkeiten entscheidend fördern. So zeigen die Ergebnisse des Fraunhofer-Projekts IMP3rove eindeutig, dass die „Wachstumschampions“ ihren Erfolg einer offenen Wertschöpfung verdankt: Stark vernetzte Vorreiter, die diverse Partner über den gesamten Innovationsprozess hinweg einbinden, machen mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes aus Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, die jünger sind als drei Jahre. Im Vergleich dazu sind es nur etwa zehn Prozent bei den weniger vernetzten Unternehmen.
Dieser Vorsprung wirkt sich direkt auf ein mehr als doppelt so schnelles Wachstum aus: Die Umsatzsteigerung im Durchschnitt der letzten vier Jahre liegt bei sieben Prozent bei stark vernetzten Unternehmen beziehungsweise bei nur drei Prozent bei weniger stark vernetzten Unternehmen. Bei allen Themen ist es so, dass Verbesserungen erst dann zielgerichtet angegangen werden können, wenn Ausgangspunkt und Ziel bekannt sind. Genauso verhält es sich auch beim Thema Innovationsfähigkeit. Wo steht das Unternehmen beim Thema Innovationen, wo sind die Stärken und wo die Schwächen?

Um dies festzustellen gibt es Innovationsaudits. Wichtig ist, dass in einer solchen Untersuchung nicht nur die üblichen Themen wie Technologie, Patente und Entwicklungsprozesse untersucht werden, sondern auch die Themen Markt und Wettbewerb, Budgets für Innovationen sowie Unternehmenskultur, Einsatz von Wissensmanagement und Motivation/Ausbildung der Mitarbeiter. Erst dadurch erhalten diese einen umfassenden und ganzheitlichen Überblick über ihre Unternehmensaktivitäten.

Ebenso wichtig ist, dass ein Innovationsaudit eine aussagekräftige und nachvollziehbare Bewertung der aktuellen Bemühungen aufzeigt. Nur so besteht die Chance, mit eigenen Ressourcen und/oder mit externer Unterstützung die Verbesserungspotenziale zu erkennen und umzusetzen. Eine Methodik für ein solches Innovationsaudit hat der Autor selbst entwickelt. In diesem Ansatz werden alle o.g. Themen behandelt und untersucht. Somit entsteht eine umfassende und ganzheitliche Bestandsaufnahme.
Aufgrund der Methodik ergeben sich schon bei der Durchsprache eines strukturierten Fragebogens konkrete Ansatzpunkte und Handlungsvorschläge. Dabei ist die Struktur des Fragebogens so angelegt, dass die Analysephase einfach und mit wenig Aufwand abläuft. Letztendlich basieren die Fragestellungen auf langjährigen Erfahrungen mit diversen Unternehmen in Bezug auf die Innovationsfähigkeit. Matthias Nolden/bw

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