Studie Karrierehindernisse für Führungsfrauen

Was hindert sie?

Sie haben es nach wie vor schwer: Frauen an der Spitze
Wie eine Schere: Der berufliche Erfolg von Frauen und Männern unterscheidet sich.
Unabhängigkeit, Wissen, Anerkennung und Netzwerke sind für Frauen mehr von Belang als bewusste Karriereplanung. Die empirische Studie „Karrierehindernisse für Frauen in Führungspositionen“, eine Kooperationsarbeit des Steinbeis-Transferzentrums „Unternehmen und Führungskräfte“ und der Hochschule Furtwangen, beleuchtete die Ursachen, warum nur wenige Frauen Top-Managerinnen sind.

Den Frauen, die an der Studie teilgenommen haben, war es vor allem wichtig, über Beruf und Karriere finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen. Neue Erkenntnisse und neues Wissen zu gewinnen sowie persönliche Unabhängigkeit standen an zweiter Stelle. Diese Aspekte waren Frauen ohne festen Partner wichtiger als Frauen in fester Partnerbeziehung; bei letztgenannten spielten gesellschaftliche Anerkennung, soziale Kontakte und Selbstverwirklichung eine größere Rolle.

Als Frauen in Führungspositionen wurden solche im Bereich des Top-Managements und des Middle-Managements definiert. 300 Frauen haben die 50 Fragen beantwortet. Die befragten Frauen waren überdurchschnittlich gut qualifiziert. 17,5 Prozent hatten einen Fachhochschulabschluss, mehr als 70 Prozent hatten einen Universitätsabschluss, waren promoviert oder habilitiert. Zwei Drittel der Frauen hatten ihre Karriere nicht bewusst ge-plant. Nur in der jüngsten Altersgruppe von 25 bis 35 Jahren lag der Anteil mit bewusster Karriereplanung bei mehr als 50 Prozent. Besonders hoch war der Anteil ohne bewusste Karriereplanung im Bereich der Öffentlichen Verwaltung mit 76,3 Prozent.

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Frauenstudiengänge nein – Netzwerke ja

Das Einrichten spezieller Frauenstudiengänge scheint keine gute Idee: 80 Prozent der Antworten zu diesem Punkt fielen ablehnend aus. Karriere-Netzwerke unterdessen erachten die Frauen als wichtig; besonders Frauen mit bewusster Karriereplanung sehen in Netzwerken ein wichtiges Instrument, um voranzukommen. Allerdings verblüfft es, dass vor allem ältere Frauen zum Zeitpunkt ihres beruflichen Aufstieges nichts von Netzwerken wussten. Die Ergebnisse der Studie warf schließlich auch die Frage nach der Effizienz vorhandener Netzwerke auf.

Die befragten Frauen in Führungspositionen gaben hohe wöchentliche Arbeitszeiten an; jene ohne festen Partner und ohne Kinder arbeiten durchschnittlich länger als Frauen mit Partner und Kindern. Aber auch Frauen mit Familie arbeiten wöchentlich 41 bis 60 Stunden in ihrem Beruf. Interessant ist, dass Frauen mit Kindern nicht seltener geschäftlich unterwegs sind als kinderlose Frauen. Frauen in Führungspositionen fehlen wesentlich seltener als andere Frauen – auch das ist ein Ergebnis der Studie. Am häufigsten fehlen geschiedene beziehungsweise getrennt lebende Frauen.

Etwa 80 Prozent der befragten Frauen in Führungspositionen lebten in einer festen Partnerschaft mit oder ohne Trauschein. 42 Prozent hatten eigene Kinder, bei fast 60 Prozent waren es sogar zwei bis vier Kinder. Das Alter der Frauen bei der Geburt des ersten Kindes stieg dabei in den letzten Jahren weiter an. Am häufigsten hatten die Frauen Kinder, die in Bildungs- und Forschungseinrichtungen arbeiten. Unter den Frauen aus der Öffentlichen Verwaltung gab es nicht mehr Mütter als unter den Frauen aus Industrie- beziehungsweise Dienstleistungsgewerben. Nur 17 Prozent der kinderlosen Frauen waren grundsätzlich gegen eine Familiengründung.

Angebotsmix für Kinderbetreuung

Fast alle Frauen mit Kindern waren der Meinung, dass eine umfassende Kinderbetreuung nur durch die Kombination verschiedener Angebote möglich sei. Dem Partner, Großeltern, privat organisierten Tagesmüttern, Kinderfrauen, Au-Pairs und Haushälterinnen maßen sie eine besondere Bedeutung bei. Weniger als ein Viertel der Frauen konnte auf eine Kindertagesstätte oder einen Hort zurückgreifen. Betriebliche Einrichtungen seien nicht in ausreichendem Maße vorhanden, meinten die Befragten. Die Mehrzahl mahnte flexiblere Arbeitsbedingungen bezüglich Ort und Zeit für Eltern an; gleichzeitig sahen viele befragte Frauen flexiblere Arbeitsbedingungen wiederum als unvereinbar mit den Anforderungen an eine Führungsperson. Anmerkungen war zu entnehmen, dass offenbar viele Arbeitgeber erwarten, dass Führungskräfte das Angebot flexibler Arbeitszeiten nicht in Anspruch nähmen.

Zwei wichtige Karrierehindernisse

Ein Karriereverzicht war für die meisten Frauen nur aus gesundheitlichen Gründen denkbar. Aber auch der Kinderwunsch, zu viel Stress im Beruf, Mobbing und zu große Mobilitätserwartungen seitens des Arbeitgebers waren weitere Gründe, einen Karriereverzicht zu erwägen.

Nach Auffassung der Probandinnen gibt es in Deutschland vor allem zwei wichtige Hindernisse für Frauen beim Aufstieg vom Middle- ins Top-Management: Die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Karriere sowie die Bevorzugung männlicher Mitbewerber. Als weitere Faktoren sahen sie aber auch mangelnde Durchsetzungsfähigkeit der Frauen, häufiges Fehlen gradliniger Karrieren - bedingt durch familiäre Ausfallzeiten - und fehlende Unterstützung durch Frauen-Netzwerke.

Frauenpräsenz nimmt in der Unternehmensführung mit jeder Ebene und bei zunehmender Unternehmensgröße ab. In Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten liegt der Frauenanteil in der obersten Führungsebene bei vier Prozent. Das Ergebnis der Studie zeigt verschiedene Gründe differenziert auf. Das Steinbeis Transferzentrum „Unternehmen und Führungskräfte“ resümiert: Wichtig wäre ein möglichst frühes Ansetzen schon im Kindergarten, um Mädchen an Technik und Naturwissenschaften heranzuführen und ihnen damit einen Arbeitsbereich zu eröffnen, der zu den finanziell lukrativsten und einflussreichsten der Wirtschaft gehört. Weil es in Deutschland offenbar sowohl in der Gesellschaft als auch in Unternehmen noch zu wenig Unterstützung für Führungskräfte gibt, die Karriere und Familie miteinander vereinbaren möchten, wäre auch der Ausbau staatlicher und betrieblicher Kinderbetreuungsmöglichkeiten mit längeren und flexibleren Öffnungszeiten bis hin zu Ganztagsschulen hilfreich.

Die Studie ist über das Steinbeis Transferzentrum unter stz952@stw.de erhältlich. pb

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