Zur Sache

Erfolgsfaktor Innovation

Interview mit Christian Wolf, Leiter Corporate Marketing und Prokurist der Hans Turck GmbH & Co. KG, Mülheim.

handling: Wo steht Turck heute und wie ist die Marschrichtung für die Zukunft?

Wolf: Wir sind und bleiben ein Komponentenanbieter, und wir glauben extrem stark an Innovation. Wir haben momentan etwa 2.000 Mitarbeiter, davon die Hälfte in Deutschland. Weltweit unterhalten wir sechs Fertigungsstandorte und setzen dabei auf eigenes Fertigungs-Know-how. Mit der Turck duotec haben wir darüber hinaus die Möglichkeit, auch für andere Unternehmen Elektronikbaugruppen zu entwickeln und zu fertigen. Das befruchtet letztlich auch die eigenen Produkte. Dabei wollen wir möglichst viel Know-how im eigenen Hause haben, das heißt die Elektronik beherrschen und innovativ sein. Statt „Made in Germany” sollte es heute besser heißen „Engineered in Germany“.

handling: Wie regieren Sie auf die aktuelle Marktsituation?

Wolf: Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir antizyklisch handeln können. Das heißt, während absatzschwacher Zeiten in die richtigen Produkte für morgen zu investieren. Das wäre in einer Aktiengesellschaft nicht ohne weiteres möglich. Turck ist ein Familienunternehmen, das zwei wichtige Merkmale aufweist: Liquidität sowie eine Gesellschafterstruktur, die das zulässt.

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handling: Was meinen Sie damit?

Wolf: Dass heißt, das die Gesellschafter große Teile des Unternehmensgewinns wieder in die Firma einbringen. So haben wir für das BL67, unser IP67-Feldbussystem, etwa 3,5 Millionen Euro Entwicklungskosten investiert – und das zu einer Zeit, in der viele Unternehmen ihre Entwicklungsbudgets gekürzt oder sogar eingefroren haben.

handling: In anderen Unternehmen würde bei derartigen Summen sicherlich das Controlling sehr hellhörig, mit Blick auf RoI und Aktienkurs.

Wolf: Natürlich muss – im Durchschnitt von drei bis fünf Jahren – ein Wachstum klar erkennbar sein. Aber zu kurze Zeiträume, das ist nichts wert! Wir versuchen, längere Zeiträume zu betrachten: Dabei muss man – auch in guten Zeiten – strategisch denken. Neben professionellen Businessplänen braucht man auch Notfallpläne. Hat man die nicht, wird im Fall der Fälle meist an der Personalschraube gedreht, sprich entlassen. Viele Unternehmer haben meines Erachtens einen zu kurzfristigen Blick auf Umsatz und Produktionszahlen, was oftmals nicht förderlich ist für die langfristige Unternehmensentwicklung.

handling: Was kennzeichnet Ihre Unternehmenskultur?

Wolf: Wir konnten ein gesundes Unternehmen ohne wirtschaftliche Not verändern. Nachdem die erste und zweite Führungsebene die Verantwortung an jüngere abgab, setzte auch ein Mentalitätswechsel ein. Wir verstehen uns als Innovationsführer und wollen einen zeitlichen Vorsprung generieren – schnell, innovativ, offen. Wir haben eine hohe Streitkultur – im positiven Sinn. Jeder hat seine Ansicht, jeder will das Wohl des Unternehmens. „Das ist mein Bereich, damit hast Du nichts zu tun.“ – So etwas gibt es bei uns nicht.

handling: Welche Rolle spielt die Mitarbeiterführung bei Turck und wie wird die Arbeit älterer Arbeitnehmer (Stichwort „handling Jobinitiative“) bewertet?

Wolf: Der eigentliche USP eines Unternehmens sind die Menschen, die im Unternehmen arbeiten. Das Entscheidende ist nicht jung oder alt, sondern gut oder schlecht. Ich würde jederzeit auch einen 52- oder 55-jährigen einstellen, wenn das Know-how und die fachliche Eignung passt. Wichtig ist das unternehmerische Selbstverständnis und eine gelebte Unternehmenskultur, die die Mitarbeiter verinnerlichen und von der sie überzeugt sind. Denn die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen ist der eigentliche Motivations- und Erfolgsfaktor. Das Gespräch führte Gunthart Mau.

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