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PulverlackeFührung in Farbe

Frau zu sein ist ein Vorteil...
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Pulverlacke: Führung in Farbe
...und eine Chance – auch und gerade in der Führungsebene, meint Heike Grimm-Bareiß. Sie ist Geschäftsführerin der Grimm Pulverlack GmbH in Schwäbisch Gmünd, die sie vor 15 Jahren selbst gegründet hat. Ein Porträt.

Ihre Arbeitswelt ist bunt – sie selbst liebt kräftige Farben mit Tiefe. Das passt zu ihr. Obwohl ihre Erscheinung Ruhe und Souveränität ausstrahlt, sprüht Heike Grimm-Bareiß vor Elan und Spaß an der Arbeit. Wer sie mit ihren Mitarbeitern im Gespräch erlebt, beim Rundgang durch das Prüflabor oder beim Erläutern des neuen Depalettiersystems, gewinnt den eindeutigen Eindruck: Diese Frau ist hier an der richtigen Stelle. Die Diplom-Ökonomin weiß, wovon sie spricht. „Und ich habe eine kindliche Freude daran, wie alles funktioniert!“

„Das hat sich auf mich zubewegt“

Mit Lacken ist sie aufgewachsen, und wie die Geschäftswelt funktioniert, erfuhr sie schon als Kind: Ihr Vater, Wolfgang Grimm, leitete ein Unternehmen in Schwäbisch Gmünd, das Nasslacke vertrieb. Mit ihm war sie oft im Außendienst unterwegs und hat früh begriffen, wie der Markt funktioniert. Während der achtziger Jahre verbreitete sich zunehmend die Technologie der Pulverlackbeschichtung. Was im Hause Grimm zunächst nur ein kleines Parallelfeld in der väterlichen Firma war, eroberte sich Heike Grimm-Bareiß schließlich zum eigenen Terrain. „Mit Pulverlack habe ich mich freigeschwommen. Meine künftige Aufgabe hat sich allmählich auf mich zubewegt“. Sie gründete schließlich 1993 ihre eigene Firma, die Grimm Pulverlack GmbH.

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Sie war keine „Übernehmerin“, sondern Gründerin. Sie hat klein angefangen und am Anfang jedes Angebot selbst geschrieben. Der Erfolg gab ihr Recht – das Unternehmen floriert seit 15 Jahren, heute hat sie 25 Mitarbeiter in Büro, Lager und Außendienst. Auch die Zukunftsaussichten haben schöne Farben, denn alle erdenklichen Gegenstände und Komponenten aus Metall benötigen nicht nur aus Schutz vor Korrosion einen Lacküberzug – auch Marken und Firmen haben für jegliches Zubehör eigene Farben. Pulverlacke sind im Vergleich zu herkömmlichen Nasslacken eine saubere Sache – sie sind umweltfreundlich, kommen ohne Lösungsmittel aus und haften sich im elek- trostatischen Feld dem Material an. In allen Industrie- und Consumer-Bereichen sind sie zunehmend nachgefragt.

„Selbst die Fäden ziehen“

„Ich habe früh die Faszination der Lacke und Farben erfahren und bin einfach ins Thema hineingewachsen“, resümiert die attraktive 44-Jährige. Es gab durchaus auch den Gedanken, Lehrerin oder Rechtsanwältin werden zu können. „Aber mir war schnell klar, dass ich selbst die Fäden ziehen statt gezogen werden wollte“. Heike Grimm-Bareiß studierte Wirtschaftswissenschaften und schloss ihr Studium Ende der 80er Jahre ab. Nicht nur eine Führungsposition war für sie selbstverständlich. Auch den Spagat zwischen Familie und Beruf fand sie „banal“. Immerhin ist sie bei starken Frauen aufgewachsen, die in der Arbeitswelt ihren Mann standen. „Ich habe eine Tante als Vorbild und meine Mutter“. Edith Grimm war Ende der 60er Jahre Prokuristin einer Baufirma und wechselte dann zu ihrem Ehemann Wolfgang in das Nasslackgeschäft. Dass beide Frauen keineswegs frustrierte Emanzen gewesen waren, sondern selbstbewusste und fleißige Familienmütter mit Kindern, betont Heike Grimm-Bareiß besonders: Die Anforderungen, die an Kinder in einem solchen Umfeld gestellt werden, stärkten sie und rüsteten sie für das Leben, ist Heike Grimm-Bareiß überzeugt. Auch sie selbst ist Mutter und hat mit ihrem Ehemann einen 18jährigen Sohn. Die Vereinbarkeit der Familienpflichten mit der Führungsrolle im Beruf sei schwierig, aber machbar, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. „Ich sehe mich durchaus als privilegiert, denn ich hatte immer Hilfe in der Kinderbetreuung durch die Familie, immer Hilfe im Haushalt“. Anders sei die Aufgabe nicht zu bewältigen.

Allein Leistung zählt

Den Lageralltag hat sie en detail selbst durch Anpacken studiert. „Ich muss die Abläufe kennen und wissen, worauf es ankommt“. Den hohen Anspruch an sich selbst legt sie auch an andere an. „An jeder Stelle brauchen wir den Bestmöglichen“. Ob Frau oder Mann, das ist nicht ausschlaggebend. „Bloß keine Quote, das ist kontraproduktiv“. Was allein zählt, ist Qualifikation, Können und Leistung. „Es genügt nicht, nur einen Punkt auf einem bestimmten Niveau zu erreichen, sondern dort auch zu schwimmen“, gibt sie zu bedenken. Da geht es auch ums Kämpfen. Das allerdings liege Frauen nicht immer. Einmal oben angekommen lasse der Elan zuweilen nach, hat Heike Grimm-Bareiß beobachtet. Dabei sei es kein Nachteil, Frau zu sein, auch nicht in einer Führungsposition – vielmehr eine Chance. Frauen haben ganz andere Antennen für „weiche Faktoren“, die im Berufsalltag zunehmend wichtiger werden.

„Für mich sind in meiner Position drei Dinge wichtig“, zählt Heike Grimm-Bareiß auf: „Meine Arbeit funktioniert, sie macht Freude und ich bleibe Frau dabei“. Sie führt ihren Betrieb kooperativ und vermittelnd – es herrscht ein freundliches, warmes Klima. Vertrauen schaffen, Verständnis, Zugehörigkeitsgefühl: „Das ist mir wichtig“. Schließlich kennt man sich über viele Jahre, gemeinsames Wissen hat sich aufgebaut, und man muss sich aufeinander verlassen können. „Ein basisdemokratischer Verein sind wir aber nicht“. Was entschieden werden muss, wird entschieden. Heike Grimm-Bareiß führt mit klarer Linie – auch das passt zu ihr. Petra Born

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