Zur Sache

Ohne Seilschaft

Chefinnen im Topmanagement sind selten – wieso eigentlich?
Von den insgesamt 4.080.000 Selbstständigen in Deutschland sind 1.288.000 Frauen – also rund 28 Prozent. Mehrheitlich sind die selbstständigen Frauen im Bereich Dienstleistungen (763.000) tätig, gefolgt von Handel, Gastgewerbe und Verkehr (329.000), Produktion und Baugewerbe (94.000) sowie Land- und Forstwirtschaft (42.000). Darüber hinaus gibt es etwa 400.000 Freiberuflerinnen. Quelle: VdU
Frauen in Spitzenpositionen sind rar: Nur elf Prozent der deutschen Topmanager sind weiblich. Es gibt verschiedene Gründe – und über sie unterschiedliche Auffassungen. Eine davon: Es fehlen Netzwerke.

Frauen sind in führenden Positionen nach wie vor unterrepräsentiert. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland mit elf Prozent Frauen in Führungspositionen nur einen mittleren Rang. Auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits mehr Frauen in den Chefetagen angemahnt. Einige wenige haben die Chance, in ein Familienunternehmen einsteigen zu können. Und die anderen – stoßen sie an die vielgenannte „gläserne Decke“, die angeblich Frauen den Weg nach oben versperrt?

Technik ist kein Lieblingsfach

Weniger Frauen als Männer studieren Wirtschaftswissenschaften, Natur- und Ingenieurwissenschaften – die Fächer Germanistik und Medizin sind deutlich beliebter. Folglich ist die Riege der Frauen, die potenziell für eine führende Rolle in der Wirtschaft in Frage kommen, kleiner als die der Männer. Dabei würden Frauen gerade in technischen Berufen dringend gebraucht, so die ehemalige Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU), Regina Seidel. Denn Frauen haben eine andere, neue Sicht auf Dinge. Sie seien kritisch und unangepasst; das allerdings mögen männliche Vorgesetzte eher selten.

Anzeige

Frauen und Technik – das ist ein Thema; Programme wie zum Beispiel der „Girl´s Day“ sind mögliche Bemühungen, Mädchen zunehmend auch für Technik und Wissenschaft zu begeistern. Viele Frauen haben andere Lieblingsfächer. Frauen und Führung – das ist unterdessen ein anderes Thema. Sind „Kind oder Karriere“ wirklich einander ausschließende Lebensinhalte?

Karrierefrauen leben anders

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergab, dass die Lebenssituation von Karrierefrauen anders aussieht als der ihrer männlichen Kollegen. Führungsfrauen leben weniger häufig in einer Familie als Männer, sie sind häufiger Single. Karrieremänner haben häufiger Kinder als Karrierefrauen. Wollen die Frauen das – oder können sie nicht anders? Haben die Männer ihre Familie stützend im Rücken – und Frauen haben sie im Nacken?

Kinderbetreuung muss klappen

Es ist unstrittig, dass eine verlässliche und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung Grundlage dafür ist, Frauen eine breitere Tür für Führungspositionen zu öffnen. Der Haushalt muss organisiert werden, der Familienalltag muss klappen. Denn auch der Tag von Frauen in Führung hat nur 24 Stunden. Selbstredend, dass das viel Geld kostet. Ob Teilzeitkarrieren möglich sind, sei indes dahingestellt: Teilzeit und Karriere kann man nicht vereinbaren, sagen die einen. Weil eine Führungsposition die ganze Person und den ganzen Tag einfordere. Teilzeitarbeitskräfte sollten verstärkt leitende Funktionen übernehmen können, meinen hingegen andere. Das empfiehlt zum Beispiel die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Drei gute Gründe

Auch eine McKinsey-Studie hat die Aufstiegschancen weiblicher Führungskräfte untersucht und sich mit der Frage befasst, wie sich die Zahl von Frauen in Führungspositionen erhöhen lässt. Das Ergebnis: Erstens behindern fehlende flexible Arbeitsmodelle Frauen-Karrieren. Flexibilität werde häufig als Teilzeitarbeit missverstanden. Dazu zählen aber auch unterschiedliche Aufgaben und Verantwortungsbereiche, variierende Einsatzorte oder unproblematische Wiedereinstiegsmodelle nach der Elternzeit. Künftig sollten Auszeiten für Kinderbetreuung und Phasen von Teilzeitarbeit für alle Erwerbstätigen – Mann und Frau gleichermaßen – selbstverständlich möglich, aber nicht von Dauer sein. Dies sei zentraler Aspekt bei dem Bemühen, den Anteil weiblicher Führungskräfte langfristig deutlich zu erhöhen. Zweitens erschwert das Fehlen von Angeboten an guter und gesicherter Kinderbetreuung den Aufstieg weiblicher Führungskräfte. Drittens schließlich unternehme die Wirtschaft nach Ansicht von McKinsey immer noch zu geringe Anstrengungen, weibliche Talente zu gewinnen und systematisch zu entwickeln. „Talentmanagement von Frauen muss Chefsache sein“, heißt es in der Studie.

Talentmanagement sehen Frauen als ihre eigene Sache: Manche begrenzen ihren Karriereweg bewusst – setzen andere Schwerpunkte, verfolgen andere Werte und werden ihre eigene Chefin.

Verwirklichung statt Macht

Nicht Einfluss und Macht steht bei ihnen im Vordergrund, sondern Verwirklichung und eine vielseitige, erfüllende Arbeit. 28 Prozent der Selbständigen sind weiblich. Sie verlassen nicht die Arbeitswelt, sondern schaffen sich ihre eigene. Mit einem maßgeschneiderten Arbeitsplatz, der ihnen den Weg dafür ebnet, berufstätig zu sein und trotzdem ein Privatleben zu haben – einen Partner, Kinder und Hobbys. Allerdings entscheiden sich vergleichsweise wenige Unternehmerinnen für einen produzierenden oder technologischen Betrieb – viel häufiger sind therapeutische, Handels- und Dienstleistungsbetriebe.

Frauen setzen auf Sicherheit

Nicht selten sind es weniger profitträchtige Wirtschaftszweige. Das wiederum mag begründen, dass Frauenunternehmen im Durchschnitt langsamer wachsen, weniger groß sind und weniger Gewinn abwerfen. Außerdem haben Frauen eine höhere Risikoaversion – sie setzen auf Sicherheit, was nicht gegen sie spricht. Offenbar gehen die, die selbst auf eignen Füßen stehen, lieber einen soliden, bedachten Weg. Allerdings wird Frauen mit einer Bank an ihrer Seite bescheinigt, sehr zuverlässige Kreditnehmerinnen zu sein.

Netzwerke ausbauen

Frauen können also gut wirtschaften. Und sie sind gut in Wirtschaft und Technik. Das beweisen die vielen eindrucksvollen Lebens- und Berufswege, die handling in der Serie „Zur Sache – Frauen in Führung“ aufzeigt. Es sind Frauen, die ihre Topposition samt Führungsaufgabe mit der Familie in Einklang bringen. Dass dies kein Problem sei, bestätigen auch andere: Nur jede zwölfte deutsche Managerin betrachtet die Doppelbelastung als Top-Hindernis für den eigenen Aufstieg, wie eine Umfrage ergab. Darauf bezog sich auch die ehemalige VdU-Präsidentin im November 2007 bei einem Vortrag: Nicht die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie hindere Managerinnen in Deutschland am Aufstieg, sondern fehlende Netzwerke. Frauen sollten sie effizient ausbauen und sich außerdem in die gut funktionierenden „Old Boys-Netzwerke“ einklinken. Petra Born

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Anlagenmodernisierung

Wandel mit Potenzial

Optimierung von internen Abläufen. Moderne Produktionsabläufe, die gesteigerte Bedeutung der Mitarbeiterzufriedenheit und zahlreiche Digitalisierungsstrategien – neue Trends effektiv umzusetzen, stellt Unternehmen vor immer neue Herausforderungen.

mehr...
Anzeige

DDoS-Abwehr

Schutz für eine vernetzte Welt

Cyberkriminalität. DDoS-Attacken werden größer, häufiger und komplexer – das ergibt der zwölfte Sicherheitsbericht von Arbor Networks. Dabei sind fast alle Unternehmen täglich auf das Internet angewiesen und bieten Cyber-Kriminellen...

mehr...

Field-Service-Software

Auftrag kommt per App

Digitalisierte Serviceprozesse. Wolffkran, Hersteller und Vermieter von Turmdrehkränen, koordiniert komplexe Serviceeinsatzpläne mithilfe von mobilem, cloudbasiertem Außendienst-Management von Coresystems.

mehr...

Vertriebsstrategie

Der persönliche Draht zählt

Die Rolle eines pro-aktiven Vertriebsinnendienstes wird häufig unterschätzt. Dabei kann der Innendienst mit dem richtigen Wissen um Verkaufs- und Gesprächstechniken erfolgreich Quer- und Höherverkäufe erzielen und so die Umsätze innerhalb des...

mehr...