Nachhaltigkeitsindex im Maschinenbau

Nachhaltig belegt

Der Maschinenbauer Beumer validiert Anlagen und Technologien
Mit dem Sustainability Index hat Beumer ein einheitliches Validierungssystem eingeführt. Jeder der drei Bereiche wird in fünf Kategorien mit bis zu fünf Punkten bewertet. Die Summe wird im jeweiligen Kreis im Uhrzeigersinn eingetragen. Für die Gesamtbewertung werden die einzelnen Werte addiert. (Fotos: Beumer)
Nachhaltigkeit spielt für den langfristigen Erfolg von Unternehmen eine wesentliche Rolle. Die Beumer Group legt deshalb bei ihren Entwicklungen besonderen Wert darauf und bewertet jetzt die Nachhaltigkeit jedes bestehenden Produkts sowie jeder Neuentwicklung systematisch mit einem Validierungssystem. Das Ergebnis erhält der Anwender schwarz auf weiß.

Wie hoch sind die Betriebskosten? Wie hoch ist der Energieverbrauch? Wie viele und welche Rohstoffe werden verbraucht, wie sind die Arbeitsbedingungen für den Bediener der Anlage? Fragen nach der Nachhaltigkeit werden für Unternehmen immer wichtiger, um langfristig erfolgreich zu sein. Gerade jetzt bei immer weiter steigenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie vor dem Hintergrund der aktuellen Klimadebatte. Das Thema Nachhaltigkeit stellt für die Intralogistik eine ganz besondere Herausforderung dar. Doch wie nachhaltig ist eine Anlage, eine Maschine oder ein Antrieb wirklich? Um auf diese Fragen eine klare Antwort zu finden, hat die Beumer Group mit dem hauseigenen Sustainability Index (BSI) ein Validierungssystem entwickelt für die systematische und kontinuierliche Messung der Nachhaltigkeit an neuen Maschinen wie auch an Bestandslösungen.

„Unser Anspruch ist es, Produktleistung und Verantwortung für Mensch und Umwelt miteinander zu verknüpfen und damit einen neuen Qualitätsstandard zu setzen“, erklärt Dr. Christoph Beumer, Vorsitzender der Geschäftsführung und Geschäftsführender Gesellschafter der Firmengruppe. Um das zu erreichen, hat sich die Unternehmensgruppe verpflichtet, ihre Produkte ganzheitlich auf drei Ebenen zu bewerten: Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung. Der BSI ist ein Punktesystem, das die Nachhaltigkeit der Produkte in Bezug auf diese drei Ebenen erfasst. „Ökonomische Leistungsfähigkeit, Marktpräsenz, finanzielle Chancen und Risiken sind bekannte Parameter. Ökonomisch nachhaltig werden unsere Produkte und Anlagen aber erst, wenn wir sie und die zugehörigen Produktionsprozesse am langfristigen Kundennutzen ausrichten“, sagt Dr. Beumer. Bisher standen meist die Total Costs of Ownership (TCO) im Mittelpunkt unternehmerischen Handelns. Nachhaltigkeit wurde damit ausschließlich aus ökonomischer Perspektive definiert. „Uns geht es darum, auch ökologische und soziale Aspekte mit einzubeziehen. Wir verfolgen daher den Ansatz des Total Value of Ownership (TVO). Das heißt, wir betrachten das jeweilige Produkt in seiner Gesamtheit, nicht nur von seiner Kostenseite.“
Knappe Rohstoffe müssen mit Bedacht eingesetzt werden. Alle Anstrengungen müssen der kontinuierlichen Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs im Produktionszyklus und beim Betrieb der Anlage gelten. „Deshalb müssen wir Materialverbrauch, Abfälle und Emissionen auf ein Minimum reduzieren, Transportwege und Verpackungen optimieren“, erklärt der Geschäftsführer. Soziale Verantwortung ist der dritte wesentliche Punkt, auf den der Maschinenbauer bei seiner Nachhaltigkeitsstrategie achtet. „Denn nur wenn Sozialfaktoren wie Gesundheit, Arbeits- und Produktsicherheit, Beschäftigungs- und Fertigungsbedingungen stimmen, ist eine langfristige und erfolgreiche Marktpräsenz zu erzielen. Dieser Zusammenhang spiegelt sich in unseren Produkten wider“, meint Dr. Beumer. „Wir möchten den Begriff Nachhaltigkeit nicht als Modeschlagwort verstanden wissen, sondern in seiner ureigensten Bedeutung: in der Ausgewogenheit, dem Gleichgewicht zwischen ökologischem Anspruch, ökonomischem Erfolg und sozialer Verantwortung.“ Um Nachhaltigkeit in der Organisation und in den Prozessen umzusetzen, wendet Beumer die Managementsysteme ISO 9001 Qualitätsmanagementsystem, ISO 14001 Umweltmanagementsystem und das OHSAS 18001 Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystem an. Die Beumer-Strategie vereint diese drei Normen und bündelt sie.

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Nach dem Höchsten streben

Zur Bewertung der Nachhaltigkeit mit dem BSI wird jede der drei Ebenen in fünf Kategorien unterteilt. Darunter fallen zum Beispiel „Effizienz und Effektivität“, „Lebensdauer“, „produktionsbedingter Rohstoffverbrauch“ oder auch „Schulungs- und Ausbildungsstandards“. Diese Kategorien werden mit bis zu fünf Punkten bewertet. Aus deren Summe ergibt sich dann die Einstufung in die Level „ausgezeichnet“, „sehr gut“ und „optimierungsfähig“. Wird ein Produkt als optimierungsfähig klassifiziert, unterzieht das Unterenehmen es einem Reengineering-Prozess, damit es einen höheren Level erreicht.

Mit einem „ausgezeichneten“ Sustainability Index bieten die Beckumer zum Beispiel mit der neuentwickelten Hochleistungsverpackungsanlage stretch hood i Nachhaltigkeit in der höchsten Klasse an. Der hohe Ökonomiewert basiert unter anderem auf der Einsparung von 30 Prozent Druckluft, einem geringeren Folienverbrauch und dem hohen Durchsatz von 115 Paletten pro Stunde. Das verbesserte Mensch-Maschine-Schnittstellen-Konzept ermöglicht ein ergonomischeres Arbeiten, und die Menüführung der Maschinensteuerung erfolgt einfach und intuitiv. Zum Vergleich: Die vorangegangenen Maschinentypen S und M konnten eine minimale Folienstärke von 60 Mikrometer verarbeiten – der stretch hood i ist dagegen in der Lage, Folien mit einer Stärke von 40 Mikrometer zu handhaben. Das verringert die Verbrauchskosten signifikant und reduziert die Umweltbelastung. Weiterhin konnte der Energieverbrauch um 12,5 Prozent im Vergleich zu den beiden anderen Versionen gesenkt werden; der Stromverbrauch der Maschine beträgt nur noch 0,02 Kilowattstunden pro Palette.

Nachhaltigkeit als Wahlspruch

Nachhaltigkeit ist für Beumer kein Trend, sondern ein langfristiges Thema; es war schon immer Teil des unternehmerischen Denkens und Handelns. „Nicht der kurzfristige Gewinn, sondern der langfristige Erfolg ist unser Ziel“ lautet der Wahlspruch. Deshalb hat der Maschinenbauer von Anfang an stark in das eigene Unternehmen investiert und zum Beispiel auch viel für seine Mitarbeiter getan. Nachhaltigkeit ist für die Unternehmensgruppe auch den Nachwuchs zu fördern. „Nur so können wir Lücken schließen und sind für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet“, ergänzt Dr. Beumer. „Um als Familienunternehmen langfristig profitables Wachstum zu erreichen, brauchen wir gute Mitarbeiter, in deren Aus- und Weiterbildung wir permanent investieren. Wir verankern den Nachhaltigkeitsgedanken von Anfang an bei unseren Auszubildenden.“ Beumer wird damit weiterhin alles tun, um Produkte, Services und das eigene Unternehmen stets nachhaltig weiterzuentwickeln. „Immer unter der Prämisse, der Verantwortung gegenüber unseren Kunden, Mitarbeitern sowie der Umwelt gerecht zu werden“, betont Dr. Beumer. bw

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