Motek

Reif und griffig

Arena of Innovation bringt umsetzfähige Konzepte: Jetzt ist die Industrie am Zug
Dr. Günter Hörcher, Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA: „Mut und Kreativität in den Entwürfen sprechen für sich und die Ausbildung im Land. Die Vernetzung zwischen den Kreativteams, den professionellen Unterstützern und den Ausstellern hat funktioniert.“
Unter Zeitdruck, unter Beobachtung, unter unvorhersehbaren Bedingungen: Die Arena of Innovation verlangte den Teilnehmern als Entwicklungsnetzwerk während der Motek viel ab. Im Ergebnis sind die drei Veranstalter stolz auf das Erreichte.

Keinen geringen Anspruch hatten die Initiatoren im Sinn, als das Konzept „Arena of Innovation“ aus der Taufe gehoben wurde: Knifflige Aufgaben sollten von interdisziplinären Entwicklungsteams live und vor Ort auf der Motek gelöst werden. Gemeinsame Urheber dieser neuartigen Innovationsschmiede sind das Messeunternehmen P.E. Schall als Veranstalter der Messe, das Kompetenznetzwerk Mechatronik BW und das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.

Eine Expertenjury entschied innerhalb eines Ideenwettbewerbs über die Aufgaben, die es zu lösen galt. Die Wahl fiel auf eine Türöffnungshilfe für Rollstuhlfahrer, Lösungen für die automatisierte Mehrhandmontage, ein Erinnerungstool beziehungsweise „GPS“ für leicht zu vergessende persönliche Gegenstände und ressourceneffiziente, alternative Antriebe, die bis zur Marktfähigkeit live auf der Motek entwickelt werden beziehungsweise – im Bereich der Antriebstechnik – längerfristig bearbeitet werden sollten, um zur Veranstaltung 2011 eine Bilanz zu ziehen. Direkt auf der Messe wurde an die Tüftler-Teams dann noch eine weitere Aufgabenstellung herangetragen: Für die Sicherheits-Checks von Achterbahnen sollte ein neuartiger Messwagen entwickelt werden, der in regelmäßigen Abständen die Schienen abfährt und dabei mögliche Sicherheitsrisiken aufzeigt.

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Die Entwicklungsteams setzten sich aus Tüftlern, Denkern und Experten verschiedener Disziplinen zusammen. In einer bisher beispiellosen Generationen und Fachgebiete übergreifenden Form arbeiteten etwa Studenten der Hochschule Esslingen mit Ingenieuren im Ruhestand sowie aktiven Geschäftsführern und Wissenschaftlern an einem Tisch zusammen. Mit im Boot befanden sich neben dem Fraunhofer IPA noch zahlreiche weitere Institutionen, unter anderem das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, das Steinbeis Europazentrum, das Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen, das Netzwerk „Senioren helfen Junioren“ sowie die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart. Gemeinsam erarbeitete jedes Team Lösungsansätze und Umsetzungsvorschläge zu den gestellten Aufgaben.
Im Rahmen der Abschluss-Präsentation skizzierte Volker Schiek, Geschäftsführer des Kompetenznetzwerks Mechatronik, die Entwicklung der Veranstaltung: „Mit der Arena of Innovation betraten wir völliges Neuland. Wir starteten ohne Budget oder existierende Vorbilder. Alles, was wir zunächst hatten, war eine Präsentationsfläche, leidenschaftliche Tüftler und kompetente Ansprechpartner. Es war absolut faszinierend zu sehen, wie sich aus dem anfänglichen kreativen Chaos schon bald Strukturen bildeten, wie die Mitwirkenden eine Begeisterung zeigten, die sie Tag und Nacht an den gestellten Aufgaben weitertüfteln ließ.“ Mit Blick auf die beteiligten Studenten ergänzte Prof. Dr.-Ing. Rainer Würslin von der Hochschule Esslingen: „Besser kann man Studierende gar nicht von der Richtigkeit eines Ingenieurstudiums überzeugen.“

Begleitet vom Beifall der Besucher präsentierten die Kreativ-Team ihre Lösungen: Für die elektronische Türöffnungshilfe für Rollstuhlfahrer wurden zwei Konzepte vorgelegt, die auf der Messe bereits Konstruktionsreife erlangt haben. Auch der Achterbahn-Messwagen hat dieses Stadium erreicht und kann nun gebaut werden. Für das „GPS-System zum Auffinden persönlicher Gegenstände“ sind griffige Konzepte entstanden, die derzeit noch weiterentwickelt werden. Dies gilt auch für die automatisierte Mehrhandmontage.

Weitergetüftelt wird wie geplant auch in der Arbeitsgruppe „Antriebstechnik“, einem Projekt, das aufgrund seiner Komplexität bereits von Anfang an auf eine längerfristige Teamarbeit angelegt war. „Mut und Kreativität in den Entwürfen sprechen für sich und die Ausbildung im Land“, lobte Dr. Günter Hörcher vom Fraunhofer IPA die Ergebnisse. Auch der Mit-Initiator und Messe-Veranstalter Paul Eberhard Schall zeigte sich von den Resultaten der ersten Arena of Innovation begeistert: „Ich bin sehr beeindruckt von der Innovationskraft, die hier unter dem Dach der Motek innerhalb kürzester Zeit zu greifbaren Ergebnissen geführt hat.“
Was den Arena-Beteiligten bei der Abschluss-Präsentation besonders am Herzen lag, war der Kontakt zur Industrie und das Finden geeigneter Paten-Unternehmen, die sich bereit erklären, zügig in die Umsetzung der Projekte einzusteigen. Die Vorbereitungen zur zweiten Arena of Innovation sollen nun lückenlos in Angriff genommen werden. Volker Schiek: „Wir sind dermaßen positiv überrascht vom Gelingen dieses Experimentes, dass wir spontan beschlossen haben, sofort in die nächste Runde zu starten.“ bw

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