Kunststoff Recyclingbehälter

Durchgeboxt

An der Spitze einer erfolgreichen Transportlogistikfirma steht eine Frau
Christel Wintrich, Leiterin Marketing und Vertrieb und Mitglied der Geschäftsführung bei KTP Kunststoff Palettentechnik in Bous.
Behälter sind ihre Welt. Christel Wintrich ist Vertriebsleiterin und Mitglied der Geschäftsführung von KTP Kunststoff Palettentechnik. Familie und Führungsaufgabe bringt sie in Einklang – mit vollem Einsatz und der richtigen Balance.

Sowohl Geschäftspartner als auch Wettbewerber dürften anfangs nicht schlecht gestaunt haben: Eine Frau in der Welt der Verpackung und Transportlogistik auf leitendem Posten. Das war neu. „Frau, Technik und blond – na, die soll mal machen“, hieß es damals, erinnert sich Christel Wintrich. Seit elf Jahren wirkt Sie in dem vom Schwiegervater gegründeten und seit 1999 von Ihrem Mann geführten Unternehmen. Als studierte Betriebswirtschaftlerin mit Schwerpunkt Marketing und Auslandserfahrung brachte sie damals frischen Wind in den Familienbetrieb. Der hat offenbar gutgetan: „Es boomt“, erklärt die attraktive 42-Jährige. KTP Kunststoff Palettentechnik ist seit 1999 Standardlieferant für Volkswagen im Bereich Leicht-Großladungsträger – und neuerdings auch Lieferant standardisierter Behälter bei Fiat. Es boomt, weil die Firma innovative, umweltschonende Produkte hat und weil der Logistikmarkt wächst, die Wege länger werden und die zu transportierenden Teile komplexer und empfindlicher.

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Auch wenn die Akzeptanz von Anfang an da war, führte sie zunächst eine Art Schattendasein, räumt Christel Wintrich ein. Sie begann als Assistentin der Geschäftsführung, kniete sich mit Elan ins Thema und machte sich über die Technik schlau. Ehrgeizig und wissbegierig sei sie schon immer gewesen, sagt sei. „Und ich kann beißen“. Ausbildung und Sprachkenntnisse prädestinierten sie, sich für die Firma im Ausland umzusehen, Messen zu besuchen und Neuland auf dem Markt zu erobern. Der jüngste Erfolg in Italien bestätigt ihre Strategie.

Seit 2002 ist Christel Wintrich Mitglied der Geschäftsführung und Vorgesetzte von 100 Mitarbeitern. Nicht nur das: Sie ist Mutter zweier Töchter, zehn und elf Jahre alt. Familie zu haben und mit vollem Einsatz eine Führungsaufgabe zu erfüllen – wie geht das? „Nur mit der richtigen Organisation“. Und nur mit der Familie. Christel Wintrich hat das große Glück, sich Entlastung durch eine Haushaltshilfe schaffen und sich auf zwei Omas verlassen zu können. „Aber oft schreit das Mutterherz“, gesteht sie. „Meine Aufgaben im Unternehmen vollumfänglich zu erledigen gelingt mir nur, weil ich mich auf die Familie verlassen kann“. Im Familienbetrieb zu arbeiten schafft ihr einerseits Vorteile und Freiräume, andererseits auch zusätzlichen Druck, weil es um die Erhaltung der eigenen Existenz geht. „Eine Halbtagsstelle und Führungsposition in Marketing und Vertrieb – das geht nicht“. Die Chefin unterstützt deshalb all jene Frauen im Betrieb, die in Teilzeit arbeiten wollen oder vorübergehende Entlastung benötigen, wenn eins der Kinder erkrankt ist. „Ich habe da viel Verständnis, weil ich weiß, welche Leistung dahintersteckt, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen“.

Oder besser gesagt, in eine Box, so wie bei Christel Wintrich. Für sie muss nicht nur die Organisation im Alltag stimmen, sondern auch die Balance. Die ehemalige Springreiterin sorgt für Ausgleich durch bewusst gesunde Ernährung, Ausspannen und Kochen am Wochenende, Unternehmungen mit der Familie, Gartenarbeit, Golf, Joggen und Malen. Die Frau, sportlich, gescheit, erfolgreich und blond, hat nicht nur frischen Wind in die Firmenräume in Bous gebracht, sondern auch großformatige, abstrakte Bilder in warmen Farbtönen. Petra Born

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