Zur Sache

Know-how für neue Anwendungen

Interview mit Joachim Rohwedder, Vorstands- vorsitzender der Rohwedder AG, Bermatingen
Der Maschinenbau steuert in diesem Jahr auf stürmische Zeiten zu. Dennoch zeigt sich die Branche Robotik und Automation, für die Joachim Rohwedder sprechen kann, noch unbeeindruckt von den dunklen Wolken. Rohwedder, der gleichzeitig Vizepräsident des VDMA und Vorstandsmitglied des VDMA Robotik + Automation ist, hat sein Unternehmen strategisch ausgerichtet und kann nach der Übernahme des finnischen Unternehmens JOT Automation gestärkt an die großen Aufgaben herangehen.

Herr Rohwedder, wie sehen Sie die Branchenentwicklung im Bereich Robotik und Automation für dieses Jahr?
Die Hersteller von Robotik + Automation spüren derzeit aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage eine Zurückhaltung vor geplanten Investitionen. Der VDMA Robotik + Automation rechnet deshalb für die Branche 2009 mit einer Stagnation auf dem – bisher höchsten – Umsatzniveau von 9,15 Milliarden Euro.

Wie sieht es in der industriellen Bildverarbeitung aus?

Auch in dieser Teilbranche werden im aktuellen Jahr keine Zuwächse erwartet, aber das hohe Umsatzvolumen von 1,2 Milliarden Euro soll gemäß der Prognose gehalten werden. Man muss bedenken, dass diese Branche ihren Umsatz in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht hat.

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Zur Mikrosystemtechnik: Welche allgemeinen Trends sehen Sie?

Der Markt der Mikrosystemtechnik wächst seit einigen Jahren stetig. Die hohe Dynamik des Marktes führt zu immer kürzeren Produkt- und Innovationszyklen, zunehmenden Produktvarianten – bei uneingeschränkten Anforderungen an die Produktqualität und Wirtschaftlichkeit.
Darauf haben wir bei der Rohwedder AG mit unserer Familie von Mikromontagezellen des Typs MicRohCell in verschiedenen Ausprägungen reagiert: zum einen mit der „MicRohCell_compact“, die aufgrund ihres flexiblen Konzepts leicht kundenspezifisch anpassbar und für die kostengünstige Montage präziser Baugruppen und Produkte mit hoher Variantenzahl optimal ist, zum anderen mit der weiterentwickelten „MicRohCell_modular“, die sich besonders für die Präzisionsmontage in hohen Stückzahlen bei sehr kurzen Taktzeiten anbietet.

Bei der Konzeptfindung wurde in jedem Fall besonderer Wert auf die Modularität und Flexibilität der Plattform gelegt – und damit auf die Wiederverwendbarkeit aller Komponenten bei häufigen Produktänderungen.


Wie stellt sich der Automotive-Bereich von Rohwedder dar, und wie entwickelt sich der Umsatz anteilsmäßig?

Der Rohwedder-Konzern realisiert 36 Prozent seiner Umsatzerlöse mit der Automotive-Industrie, so dass dieser Markt neben der Telekommunikations-, der Elektronik- und der Medical-Branche zu unseren Hauptabnehmern gehört. Die derzeit schwache Konjunktur – speziell in der Automobilbranche – wirkt sich auch auf unsere Geschäftstätigkeit aus.

Aber wir sehen, dass die Automobilhersteller in Europa zunehmend in kraftstoffsparende Produkte investieren, und unsere Kunden fragen bereits nach den passenden Automatisierungslösungen. Das ist eine gute Chance für uns, denn Rohwedder hat das Know-how für innovative Technologien, mit Hilfe derer sich Produkte fertigen lassen, die einer optimierten Kraftstoffversorgung dienen.
Ich bin davon überzeugt und es gibt Anzeichen, dass speziell auch die Automobilhersteller in den USA zukünftig in solche Technologien investieren müssen. Deshalb erkenne ich dort das Potenzial für Rohwedder, mittelfristig neue Aufträge zu akquirieren.

Zurzeit sind wir bestrebt, zunehmend auch Projekte für andere Branchen zu realisieren. Da sind wir zum Beispiel im Medical-Bereich erfolgreich, was sehr positiv ist, weil sich dieser dynamische Wachstumsmarkt als relativ unabhängig von der allgemeinwirtschaftlichen Lage erwiesen hat.


Nach der Akquisition von JOT Automation in Finnland: Welche Auswirkungen hat die neue Tochter auf das Unternehmen?

Der administrative Hauptsitz von JOT Automation ist zwar in Finnland, und ein Kernbereich ist dort sicher auch der Bereich Forschung und Entwicklung. Was unsere Wertschöpfungskette bei JOT betrifft, ist es jedoch so, dass wir die Produktion an unserem Standort in Peking stark ausgebaut haben. Und das weniger wegen des steigenden Kostendrucks in Europa, sondern auch, weil die asiatischen Märkte mit ihrem hohen Bedarf in der Telekommunikationsindustrie und anderen Branchen eine gute Möglichkeit für Rohwedder bieten, an dem dortigen starken Wachstum teilzuhaben.
Insgesamt haben wir durch den Zukauf von JOT Automation in jeder Hinsicht hinzugewonnen. So sind wir jetzt international stärker vertreten als zuvor, und auch unser Produkt- und Lösungsportfolio wurde entscheidend optimiert.

Die Fragen stellte Georg Dlugosch.

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