Zur Sache - Frauen in Führung

Chancengleichheit für die Leistungsgesellschaft

„Ich war schon auf Veranstaltungen, an denen ich als einzige Frau teilnahm und auf denen mich sämtliche Männer anstarrten, als ich zur Tür hereinkam. Ein Teil von ihnen entsetzt, der andere verwundert. Eine Frau als Verhandlungspartnerin – das ist immer noch kein Alltag“, berichtet Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin der Hewlett-Packard GmbH und „Managerin des Jahres 2005“. Sie setzt sich für die berufliche Förderung von Frauen und Eltern ein. handling sprach mit ihr über

handling: Frau Stachelhaus, 2005 wurden Sie als „Managerin des Jahres“ ausgezeichnet. Wofür bekommt man diesen Preis verliehen?

Stachelhaus: Die Unternehmensgruppe Mestemacher verleiht den Preis „Managerin des Jahres“ zur Förderung der Gleichstellung von Frau und Mann in der Wirtschaft. Bewertet wurde meine Leistung als Managerin und weil es mir gelang, eine Führungsposition in der Wirtschaft mit der Familie zu vereinbaren. Anders als beispielsweise in Frankreich entscheiden sich in Deutschland viele beruflich engagierte Frauen leider gegen Kinder. Die Intention dieses Preises ist, zu zeigen, dass Kinder und Beruf vereinbar sind.

handling: In meinem Elektrotechnik-Studium gab es höchstens zehn Prozent Frauen. Warum findet man in Deutschland vergleichsweise wenige Frauen in technischen Berufen und dort noch seltener in Führungspositionen?

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Stachelhaus: Weil zu wenige Frauen technische Studiengänge wählen. In den USA gibt es gute Erfahrungen mit reinen Frauenstudiengängen. Mädchen werden in dem Alter, in dem sich die Interessen herausbilden, oft von Jungen dominiert. Wenn sie in diesem Lebensalter unter sich bleiben, trauen sie sich mehr zu und entscheiden sich auch häufiger für technische Ausbildungen.

handling: Gibt es auch Unterschiede im Berufsalltag für Frauen?

Stachelhaus: Ja, bei den Amerikanern gibt es viele private „Child Care“-Einrichtungen, in denen Mütter ihre Kinder zu einem vertretbaren Preis unterbringen können. Als ich zusammen mit einigen Frauen von HP vor bald 20 Jahren versuchte, einen Betriebskindergarten einzurichten, stießen wir seitens der Behörden auf eigentlich unüberwindbare bürokratische Auflagen. So mussten wir eine geprüfte Säuglingsschwester einstellen. Wenn die Kosten der Betreuung höher sind als der Verdienst der Mutter, hat das Ganze keinen Sinn.

handling: Was fiel Ihnen in den Vereinigten Staaten noch auf?

Stachelhaus: In den USA ist es gesellschaftlich akzeptiert, dass Mütter berufstätig sind. Als ich hier erzählte, dass mein Mann das Kind betreut, wurde ich immer wieder gefragt, ob das denn für das Kind wirklich gut sei. Als ich Berufsanfängerin war, hat man geradeheraus gesagt: „Diesen Job kann keine Frau machen.“ Heute sagt man so etwas nicht mehr, weil es politisch nicht korrekt ist. Man denkt aber noch so.

Nicht nur aus meiner Tätigkeit beim US-Mutterkonzern weiß ich, dass Frauen über hervorragende Führungseigenschaften verfügen. Es ist wichtig, diese auch für die deutsche Leistungsgesellschaft zu nutzen. Daher unternehmen wir bei HP Deutschland einiges, damit Frauen hier gern arbeiten: Wir haben Frauenförderprogramme, flexible Arbeitszeiten und bieten auch Halbtagspositionen an. Zurzeit sind bei uns etwa 15 Prozent Frauen in Führungspositionen – das liegt über dem deutschen Durchschnitt.

handling: Am Standort Böblingen sollen über 400 Stellen gestrichen werden. Geht es HP so schlecht? Soweit ich weiß, betrug der Umsatz der Hewlett-Packard GmbH im abgelaufenen Geschäftsjahr weit über fünf Milliarden Euro.

Stachelhaus: Der Wettbewerb und ein immenser weltweiter Kostendruck zwingen uns dazu. Im Inland verzeichnen wir einen starken Preisdruck und verhaltene Investitionsbereitschaft. Informationstechnik und Unterhaltungselektronik wachsen immer weiter zusammen. Damit stehen uns plötzlich ganz neue Wettbewerber gegenüber. Diese unpopulären Maßnahmen dienen dazu, unsere Wettbewerbsfähigkeit und auch das Gros der Arbeitsplätze zu erhalten. Das Gespräch führte Gunthart Mau.

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