Forschung und Beratung

„Frauen sind keine kleinen Männer“

Geschlechtsspezifische Produktentwicklung
„Unterschiede zwischen Männern und Frauen bergen große Innovations- und Marktpotenziale“, erläutert Susanne Bührer, Projektleiterin in der Abteilung Innovationssysteme und Politik.
Diese Erkenntnis klingt trivial. Tatsache jedoch ist, dass Frauen andere Bedürfnisse haben als Männer. Das wird aber bei der Entwicklung von Produkten noch viel zu wenig berücksichtigt. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, entwickelte einen Fragenkatalog, mit dem Unternehmen geschlechtsspezifische Aspekte früh in der Entwicklung berücksichtigen können.

Werden die speziellen Bedürfnisse von Frauen bei der Entwicklung von neuen Technologien, Produkten und Dienstleistungen genügend berücksichtigt? Nein, sagt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe. Oft werden ganz einfache Dinge nicht beachtet, zum Beispiel dass Frauen andere Körpermaße haben, anders auf Geräusche reagieren und vieles mehr. So gelten Frauen bei der Entwicklung von Autos oder bei der Dosierung von Medikamenten lediglich als „kleine Männer“ ohne besondere Bedürfnisse. „Dabei bergen Unterschiede zwischen Männern und Frauen große Innovations- und Marktpotenziale“, erläutert ISI-Projektleiterin Dr. phil. Susanne Bührer.

Das Fraunhofer ISI entwickelte gemeinsam mit der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft im Projekt „Gender-Aspekte in der Forschung“ 16 Leitfragen, mit denen Unternehmen geschlechtsspezifische Aspekte in ihren Produkten und Dienstleistungen aufspüren können. Einige Fallbeispiele untersuchten die ISI-Experten selbst, unter anderem Lebensmittel mit gesundheitsfördernden Eigenschaften, neue Technologien zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung und sogar den Handel mit Emmissionsrechten zum Klimaschutz. Überall fanden die Spezialisten Unterschiede in den Ansprüchen von Männern und Frauen, die ein differenziertes Vorgehen im Entwicklungsprozess sinnvoll erscheinen lassen – manchmal auch anders als man denkt: Bei der Planung einer dezentralen Abwasserentsorgung in einer Wohnsiedlung waren die Frauen sogar die treibende Kraft.

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Die Untersuchungsergebnisse wurden als Buch publiziert unter dem Titel „Wie können Gender-Aspekte in Forschungsvorhaben erkannt und bewertet werden“. Es enthält die 16 Leitfragen sowie 13 Fallbeispiele. Unternehmen finden darin auch Hinweise, wie sie in ihrer Forschung und Entwicklung eine Kultur aufbauen können, die auf Unterschiede der Geschlechter Rücksicht nimmt. (gm)

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