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Druckluft- und VakuumtechnikOhne Berührungsangst

Mit Kompetenz und Wissen an die Spitze gelangt: Ein Interview mit Petra Damm, Geschäftsführerin der airkom Druckluft GmbH in Wildau.
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Druckluft- und Vakuumtechnik: Ohne  Berührungsangst



Frau Damm, wie geht es Ihnen als Chefin eines technischen Unternehmens?
Gut. Manchmal geht es hier auch witzig zu. Zum Beispiel, wenn ich am Telefon für die Sekretärin des Geschäftsführers gehalten werde oder jemand nach einem „kompetenten“ Berater fragt. Das kommt schon öfter mal vor.

Die Oskar-Patzelt-Stiftung hat Sie zur Unternehmerin des Jahres 2007 gekürt – die handling-Redaktion gratuliert Ihnen zu dieser Auszeichnung! Welche Anstrengungen oder Prozesse in Ihrem Unternehmen haben die Stiftung auf Sie aufmerksam gemacht?
Es ist wohl die eher ungewöhnliche und harte Branche, in der wir seit unserer Gründung ein permanentes Umsatz- und Mitarbeiterwachstum und sehr gute betriebswirtschaftliche Kennzahlen nachweisen konnten. Als Dienstleister für die Industrie in einer so spezialisierten Branche wie der Drucklufttechnik und Industriekühlung gibt es wohl – soweit mir bekannt ist – kein weiteres, von einer Frau geführtes Unternehmen in Deutschland. Seit 2004 haben wir ein Tochterunternehmen im Anlagen- und Rohrleitungsbau, das samt Mutterfirma unseren Kunden viele Synergien bietet. Zurzeit beschäftigen wir insgesamt 43 Mitarbeiter, davon fünf Auszubildende bei einem Gesamtumsatz von fast sieben Millionen Euro. Ich habe mich sehr gefreut, dass das auffällt.

Warum bekleiden Ihrer Meinung nach relativ wenige Frauen Führungspositionen in technischen Betrieben?
Als Frau hat man es nachweislich schwerer, in eine Führungsposition in männerdominierten Branchen zu gelangen. Deshalb kann man ausschließlich mit ausgesprochen hoher Kompetenz und ausgezeichnetem Fachwissen punkten. Bei einem Mann wird das als selbstverständlich vorausgesetzt, als Frau legt man bis zur Akzeptanzschwelle erst einmal eine „Prüfung“ ab. Es gibt aus meiner Sicht auch zu wenige Frauen, die technische Fächer studieren und eine Führungsposition über diesen Weg anstreben. Das war in der ehemaligen DDR, woher ich komme, eher der Fall; mein Dipl.-Ing. Maschinenbau und davor meine Ausbildung als Maschinenbauer (heute Maschinen- und Anlagenmonteur/Mechatroniker) waren nicht so selten; Mädchen und Frauen wurden hier mehr für technische Berufe interessiert und an sie herangeführt.

Was ist nach Ihrer Auffassung der Grund dafür, dass das Top-Management in diesem Land männerdominiert ist?
Natürlich spielt auch der biologische Aspekt aus meiner Sicht eine Rolle. Obwohl sich das Bild in Deutschland langsam wandelt, sind es immer noch vorrangig Frauen, die die Hauptaufgaben in der Familie, im Haushalt und bei der Kindererziehung übernehmen. Es ist immer noch nicht einfach, Familie und einen anspruchsvollen und zeitintensiven Job unter einen Hut zu bringen. Man traut auch Frauen nicht zu, dieses Thema für sich zu organisieren und beides miteinander zu vereinbaren, da entscheidet man üblicherweise dann doch für einen Mann, denn hier werden hundertprozentige Verfüg- und Belastbarkeit vorausgesetzt. Vielleicht haben die Herren auch ein wenig Angst vor der Konkurrenz – Frauen agieren und regieren anders und mit anderen, auch weichen Mitteln. Das lässt sich ja auch bei unseren Damen in der Politik beobachten, etwa bei Frau Merkel und Frau von der Leyen. Ich habe festgestellt, dass man sehr gut mit Männern zusammenarbeiten kann, wenn man gegenseitig auf Augenhöhe ist.

Sind Sie von der Männerwelt als Chefin voll akzeptiert? Haben Sie sich vorkämpfen müssen?
Bei meinen Mitarbeitern und Kunden denke ich auf jeden Fall, dass ich akzeptiert und anerkannt bin. Ich bin ja nicht als Chefin geboren, sondern meinen Weg von der „kleinen Vertriebsmitarbeiterin“ über Vertriebsleiterin, angestellte Geschäftsführerin und dann selbstständige Unternehmerin gegangen. Das haben die meisten miterlebt. Ab einer bestimmten Ebene, eben als Geschäftsführung, muss man jedoch manchmal ganz schön strampeln. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass insbesondere die Herren in den alten Bundesländern ab und zu ein kleines Problem mit einer Frau in einer Führungsposition haben. Aber das war nach kurzer Kennenlernphase gleich wieder vorbei. Wie gesagt, man muss den Herren einfach die Berührungsangst nehmen.

Wir vereinbaren Sie persönlich Familie und Führungsposition?
Ich bin alleinerziehende Mutter von jetzt zwei Studentinnen (21 und 23 Jahre alt). Zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung waren die beiden aus dem Gröbsten schon heraus – wobei die auch aus heutiger Sicht wichtige Zeit ja erst begann. Priorität in meinem Leben haben immer meine Kinder und meine Familie. Meine Erfahrung und Einstellung ist, nicht alles immer allein bewältigen zu wollen. Möglich waren meine Entwicklung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie nur durch die Unterstützung einer aus heutiger Sicht einmalig intakten und großen Familie samt Freundeskreis – Lebensgefährte, Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen, die alle füreinander da sind und sich gegenseitig unterstützen. Das ist aus meiner Sicht nicht nur Garant für die Entwicklung Einzelner, etwa für mich. Von meinen Erfahrungen und Erlebnissen im Beruf haben sowohl meine Töchter als auch alle anderen Familienangehörigen und Freunde profitiert. Ich denke, für meine Mitarbeiter ist es gut zu spüren, dass auch der Unternehmer nur ein Mensch ist mit alltäglichen Problemchen, die er bewältigen muss. Ich finde es schrecklich, wenn Menschen auf der Arbeit anders funktionieren oder meinen, anders sein zu müssen als daheim, zum Beispiel keine Schwäche zeigen, und so nicht authentisch ist – letztlich wird man dadurch nur unzufrieden und dann auch erfolglos. Für mich war es eigentlich nie ein Problem, und ich habe daraus auch keins gemacht; es war immer ein Geben und Nehmen auf beiden Seiten, der Familie und der Firma.

Was raten Sie anderen Frauen mit Ambitionen auf den Chefsessel in einem technisch orientierten Unternehmen?
Frau bleiben.
Die Fragen stellte Petra Born

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