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Im Topmanagement von Großunternehmen haben Frauen den kleinsten Anteil
Die Hoppenstedt-Auswertung liefert ein klares Bild: Im deutschen Topmanagement haben Männer das Sagen. Erst recht in Großunternehmen sind Frauen außen vor. (Quelle: Hoppenstedt)
Eine Hoppenstedt-Auswertung zeigt: Frauen im Management sind weiter auf dem Vormarsch – aber im Topmanagement bleibt die Luft dünn.

Die Auswertung „Frauen im Management 2008“ von Hoppenstedt liefert einige interessante Fakten zur anhaltenden Diskussion um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen. Die Analyse nutzt einen Datenbestand von mehr als 600.000 Managern der ersten und zweiten Führungsebene bei den 250.000 größten deutschen Unternehmen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist dabei die Entwicklung weitgehend positiv: So ist der Frauenanteil im Management insgesamt auf 17,48 Prozent gestiegen – das sind mehr als zwei Prozent Zuwachs gegenüber 2007. In den 13 Jahren seit der ersten Hoppenstedt-Auswertung von 1995 hat sich der Anteil sogar mehr als verdoppelt. Auch in fast allen Teilbereichen ist der Frauenanteil im letzten Jahr weiter gestiegen – mit einer Ausnahme: Im Topmanagement von Großunternehmen gibt es mit 5,45 Prozent deutlich weniger Frauen als noch vor einem Jahr.

Sind sie nicht der richtige Typ?

Sicherlich gibt es eine gewisse Schwankungsbreite bei dieser relativ kleinen Gruppe von Managern, dennoch zeigt sich in der Zeitreihe deutlich: Im Topmanagement von Großunternehmen haben Frauen nicht nur den kleinsten Anteil – er ist auch deutlich schwächer gewachsen als bei kleineren Unternehmen. Jetzt, so vermuten viele Experten, ist dieses schwache Wachstum an seine Grenzen gestoßen. Denn in vielen großen Unternehmen gibt es unsichtbare, inoffizielle Barrieren auf dem Weg nach ganz oben – die sogenannte gläserne Decke unterhalb der Vorstandsetagen. Sie kann oft nur passieren, wer dem Typus des existierenden Topmanagements (und Aufsichtsrates) entspricht. Frauen, Ausländer oder Homosexuelle bleiben hier leider oft außen vor. Da verwundert es nicht, dass es bei den DAX30-Unternehmen nur ein einziges weibliches Vorstandsmitglied gibt.

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Es sind zu wenige

Auch wenn bei kleineren und mittleren Unternehmen der Gesamttrend weiter positiv ist – überall gibt es im Topmanagement immer noch deutlich weniger Frauen als im mittleren Management. Bei mittelständischen Unternehmen stehen 30 Prozent Frauen im mittleren Management zehn Prozent Frauen im Topmanagement gegenüber. Auch hier stellt sich die Frage nach den Ursachen. Schnell kann man hier mit dem Ausleseprinzip argumentieren: Chef(in) kann meist nur eine(r) werden – und da scheinen sich eben oft die Männer durchzusetzen. Liegt es aber wirklich am mangelnden Ellenbogeneinsatz der Frauen? Vielleicht ist es eher die Schwierigkeit, eine Topkarriere mit der Familie zu vereinbaren: Die Altersstatistik zeigt, dass von den 20- bis 30jährigen Führungskräften bereits mehr als 25 Prozent Frauen sind. Aber zwischen 30 und 40 sackt der Anteil auf 15 Prozent ab und zwischen 40 und 50 liegt er nur noch bei elf Prozent. Das lässt den Schluss zu, dass viele Frauen ihre Karriere mit Anfang 30 beenden oder unterbrechen, um eine Familie zu gründen. Doch gerade aus dem Pool der 35- bis 45jährigen Führungskräfte der zweiten Ebene rekrutiert sich das spätere Topmanagement. Hier stehen in Deutschland einfach zu wenige potenzielle Topmanagerinnen zur Verfügung.

Künftig auf Frauen angewiesen

Dass es auch anders geht, zeigt eine Unternehmensgruppe: Bei Verbänden und Behörden stellen Frauen annähernd 15 Prozent des Topmanagements und 13 Prozent der Aufsichtsratsmandate – beides Spitzenwerte. Zwar ist der Frauenanteil im mittleren Management bei den Verbänden und Behörden etwas niedriger als in der Wirtschaft insgesamt, aber dafür schaffen deutlich mehr Frauen den Sprung nach ganz oben. Dies liegt neben Quotenregelungen auch daran, dass hier sehr viel stärker auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geachtet wird und Frauen gezielt gefördert werden. Hier hat der Rest der Wirtschaft noch deutlichen Nachholbedarf, denn im internationalen Vergleich hinkt Deutschland beim Anteil weiblicher Manager deutlich hinterher. Angesichts eines sich abzeichnenden Fachkräftemangels und geburtenschwacher Jahrgänge, die auf den Arbeitsmarkt kommen, sind Unternehmen künftig auf Frauen angewiesen – auch in den Führungsetagen. Schließlich sind bereits 56 Prozent der Abiturienten und rund 50 Prozent der Studenten Frauen.
Florian Schleicher, Leiter Unternehmenskommunikation Hoppenstedt, Darmstadt

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