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BerufsverbandFrauen zum Führen motivieren

Interview mit Sylke Pageler, Vorsitzende des VDI-Bereichs „Frauen im Ingenieurberuf“
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Berufsverband: Frauen zum  Führen motivieren
Gerade im Ingenieurberuf haben es Frauen schwer, weiß Sylke Pageler. Als langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin im Verein Deutscher Ingenieure und seit Anfang 2008 als Vorsitzende des Bereichs „Frauen im Ingenieurberuf“ des VDI setzt sie sich für ein Umdenken in Unternehmen, Gesellschaft und Politik ein.


Frau Pageler, müssen Frauen in Führungspositionen mehr kämpfen als Männer?

Frauen werden von Unternehmen als Führungskraft eingesetzt, weil sie die notwendige soziale und fachliche Kompetenz besitzen. Wie jede neue Führungskraft muss man sich dann die Akzeptanz erarbeiten. Sicherlich wird bei Frauen etwas genauer hingesehen. Hat man sich schließlich den nötigen Respekt verschafft, wird man in den meisten Fällen von den Kollegen und Mitarbeitern geschätzt. Wer als Führungskraft kämpfen muss, vergeudet sehr viel Energie, die an anderer Stelle wirkungsvoller eingesetzt werden kann.

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Gibt es Ihrer Meinung nach einen typisch weiblichen Führungsstil?

Nein, den gibt es aus meiner Sicht nicht. Sicher ist die sozialkompetente Seite bei Frauen ausgeprägter als bei Männern. Aber diese Eigenschaft ist nur eine von vielen, die den Führungsstil einer Person ausmachen. Die meisten von ihnen haben auf ihrem Weg in eine leitende Position verschiedene Trainings durchlaufen, in denen ihre Fähigkeiten als Führungskraft gestärkt wurden.


Einer Umfrage des Forsa-Instituts für die Initiative „Generation CEO“ zufolge fühlt sich der überwiegende Teil der Frauen in Führungspositionen gegenüber vergleichbar qualifizierten Männern benachteiligt. Sehen sie das genauso?

Das liegt sicher daran, dass die Erziehung von Kindern heute noch vielfach als reine Frauensache gesehen wird und dass Frauen bis zu 22 Prozent weniger verdienen als Männer in gleicher Position. Hier muss umgedacht werden! Wie der Arbeitsmarkt für Ingenieure zeigt, haben wir heute einen Ingenieurmangel. Viele Unternehmen haben dieses Problem erkannt und die richtige Konsequenz daraus gezogen: Sie fördern Frauen mit gezielten Maßnahmen und verschiedenen Arbeitszeitmodellen.


Wie sieht diese Förderung konkret aus?

Unternehmen können spezielle Programme auflegen, die Frauen motivieren, in den Ingenieurberuf einzusteigen. Sie können zeigen, dass Frauen in Führungspositionen gewünscht sind. Sie können vor allem deutlich machen, dass für beide Partner Elternzeit möglich ist. Darüber hinaus muss der Wiedereinstieg gewünscht sein: Mit flexiblen Arbeitszeiten, reduzierten Vollzeitjobs und Home-Office-Plätzen sollten Möglichkeiten angeboten werden, Familie, Beruf und Karriere zu verbinden.


Leider gestaltet sich der Wiedereinstieg für Mütter nach der Babypause vor allem im Ingenieurberuf immer noch schwierig. Was sind die Gründe?

Das große Problem ist aus meiner Sicht, dass viele Mütter den Kontakt zu ihren Unternehmen nicht halten. Darüber hinaus fordern zu wenige von ihnen, dass ihr Arbeitgeber Teilzeitarbeitsplätze einrichtet. Viele Unternehmen sehen erst heute, welches Erfahrungspotenzial und welche Fachkompetenz ihnen verloren geht, wenn sie ihren Mitarbeiterinnen mit geeigneten Anreizmodellen und Hilfsmitteln nicht ermöglichen, frühzeitig wieder ins Unternehmen zurückzukehren. Besonders erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang noch folgende Problematik: Je länger man in Elternzeit war, desto schwieriger ist der Wiedereinstieg. Laut der VDI-Studie zum Thema „Beruf – Familie – Karriere“ bewerten 50 Prozent der befragten Unternehmen eine Auszeit ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von mehr als zwölf Monaten als negativ für das Unternehmen.


Was muss passieren, damit es Mütter in Zukunft einfacher haben, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Meiner Meinung nach müssen sich nicht nur Unternehmen der Problematik annehmen. Es muss auch ein Umdenken in Politik und Gesellschaft stattfinden. Solange sich Frauen noch dafür rechtfertigen müssen, dass sie sowohl Karriere als auch Familie wollen und es nicht genügend Kinderbetreuungsplätze gibt, wird ein Wiedereinstieg in den Beruf nicht einfacher.


Einer statistischen Erhebung zufolge waren im Jahr 2005 in Deutschland 12,9 Prozent Ingenieurinnen beschäftigt. Damit lag Deutschland im europäischen Vergleich an vorletzter Stelle hinter Belgien, Dänemark und Norwegen. Warum sind uns die Skandinavier und Belgier hier einen Schritt voraus?

In Skandinavien werden seit dem letzten Jahrhundert gezielt Frauen und Männer gleichermaßen gefördert. Diese Förderung umfasst sowohl den beruflichen Sektor als auch die Gleichbehandlung bei der Kinderbetreuung. Hier haben wir in Deutschland sicher Nachholbedarf. Die ersten Schritte dazu sind bereits eingeleitet. Am 17.06.2008 wurde der nationale Pakt für Frauen in Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) unterschrieben. Initiator ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung, der VDI ist ein wichtiger Partner.


Welche Maßnahmen müssen aus Ihrer Sicht ergriffen werden, damit Frauen in Führungspositionen unterstützt werden?

Es müssen umsetzbare Modelle in Unternehmen geschaffen werden, damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie realisierbar wird – und zwar für Frauen und Männer. Darüber hinaus muss in den Unternehmen ein Kulturwandel eingeleitet werden. Auch die Politik muss hier unterstützend eingreifen, indem sie Best Practice fördert und Ideen für Unternehmen entwickelt, die Eltern unterstützen und Ingenieurinnen nachhaltig einbinden wollen. Denn eines steht fest: Absolventen wünschen sich heute Karriere und Kinder, 50 Prozent davon streben eine Führungsposition an und wollen in Babypause gehen. Unternehmen werden heute von Absolventen danach ausgewählt, ob sie flexible Arbeitszeiten und eine betriebliche Kinderbetreuung bieten und auch die Möglichkeit von Erziehungszeit für Väter fördern.

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