Arbeitsmarktforschung

An der Spitze ist die Luft dünn

Frauen in der Unternehmensführung
Im öffentlichen Dienst beträgt der Frauenanteil fast zwei Drittel. Sie sind zu 41 Prozent in der ersten Führungsebene vertreten.
Die Leitung einer Firma ist in Deutschland immer noch männliches Terrain. Im öffentlichen Dienst und in Kleinbetrieben sind „Führungsfrauen“ dagegen etwas häufiger anzutreffen. Das zeigte eine Studie des BfA-Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, an der fast 16.000 Unternehmen beteiligt waren.

Etwa 45 Prozent aller Beschäftigten in deutschen Betrieben der Privatwirtschaft sind Frauen. In der obersten Führungsebene haben sie allerdings durchschnittlich nur rund ein Viertel der Positionen inne. Weitaus öfter sind Managerinnen eine Ebene unter der Geschäftsleitung anzutreffen: In dieser zweiten Führungsebene sind Frauen mit einem Anteil von 41 Prozent vertreten.

Der Ost-West-Vergleich zeigt, dass in den neuen Bundesländern der Frauenanteil in der ersten Führungsebene mit knapp 30 Prozent höher ist als in den alten (drei Prozent). Einerseits liegt dieser Unterschied an der Dominanz der kleineren Betriebe, wo Frauen häufiger als Leiterinnen tätig sind. Andererseits kann der Effekt auf die historisch gewachsenen, höhere Erwerbsorientierung der Frauen zurückgeführt werden, die auch anderthalb Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung noch ausgeprägt ist.

Betrachtet man nicht die Frauenanteile in den Betrieben, sondern die Verteilung der Unternehmen mit unterschiedlichen Frauenanteilen in Führungspositionen, so zeigt sich, dass nur in rund 30 Prozent der Firmen im gesamten Bundesgebiet Frauen in der obersten Führungsebene zu finden sind. Dabei leiten sie 20 Prozent der Betriebe allein und bei knapp zehn Prozent stehen gemischte Teams an der Spitze. Etwa 70 Prozent der deutschen Unternehmen werden also ausschließlich von Männern geführt. Bei 55 Prozent aller Betriebe sind Frauen in der zweiten Führungsebene anzutreffen.

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Kleinere Betriebe von Frauen geführt

Weibliche Chefs sind vorwiegend in Betrieben des Gesundheits- und Sozialwesens und bei privaten Dienstleistungen anzutreffen. Der Groß- und Einzelhandel ragt ebenfalls durch einen hohen Frauenanteil in Führungspositionen heraus. Anders sieht es im Baugewerbe und im Kfz-Handel aus. Hier sind nur wenige Leitungspositionen mit Frauen besetzt. Im Kredit- und Versicherungswesen zeigt sich ein gespaltenes Bild: Obwohl der Anteil der beschäftigten Frauen in dieser Branche mit 53 Prozent relativ hoch ist, sind – vor allem in den alten Bundesländern – vergleichsweise wenig Frauen in Führungspositionen zu finden: ganze acht Prozent.

Über fast alle Wirtschaftszweige hinweg steigt der Frauenanteil mit abnehmender Hierarchiestufe deutlich. An der Rangordnung der Branchen ändert sich jedoch nur wenig. Die starke Trennung von Frauen und Männern in unterschiedliche Berufe und Branchen spiegelt sich demnach auch in der Besetzung von Führungspositionen wieder.

Karriere im öffentlichen Dienst

Vergleicht man die Privatwirtschaft und den öffentlichen Sektor, so zeigen sich Unterschiede: In der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil an den Beschäftigten bei rund 45 Prozent, während ihr Anteil im öffentlichen Dienst fast zwei Drittel beträgt. Das spiegelt sich auch in der Besetzung von entscheidenden Positionen in der ersten Leitungsebene wider – Frauen haben hier 41 Prozent der Posten inne. So viele Frauen finden sich in den Unternehmen der Privatwirtschaft erst auf einer Hierarchiestufe darunter. Dort wird der Vorsprung des öffentlichen Dienstes deutlich kleiner: Auf der zweiten Führungsebene sind 47 Prozent der Führungskräfte weiblich.

Für die Studie wurden die Betriebe in fünf Klassen unterteilt: Betriebe mit einem mittleren Frauenanteil zwischen 30 und 70 Prozent gelten als geschlechtsintegriert, Unternehmen mit zehn bis 30 Prozent Frauen werden als männerdominiert und Firmen mit 70 bis 90 Prozent Frauen als frauendominiert bezeichnet. Wenn der Frauenanteil weniger als zehn Prozent beträgt, handelt es sich um Männerbetriebe, Frauenbetriebe beschäftigen umgekehrt über 90 Prozent Frauen. Überraschendes Ergebnis: Gerade die Männerbetriebe werden in der Privatwirtschaft häufiger von Frauen geleitet als im öffentlichen Dienst. In den männerdominierten und den geschlechtsintegrierten Firmen der Privatwirtschaft sind die Frauen in der obersten Führungsebene nur geringfügig stärker vertreten als im öffentlichen Dienst. In frauendominierten Unternehmen ändert sich das Bild: Hier weisen die Betriebe der Privatwirtschaft einen deutlich geringeren Frauenanteil in den Leitungspositionen auf.

Zu einer noch stärkeren Diskrepanz kommt es bei so genannten Frauenbetrieben, die in der Privatwirtschaft nur zu 37 Prozent, im öffentlichen Dienst jedoch zu 84 Prozent von Frauen geführt werden. Der Frauenanteil an Leitungspositionen im öffentlichen Dienst korrespondiert folglich weitaus stärker als in der Privatwirtschaft mit dem Anteil der Frauen, die insgesamt im Betrieb beschäftigt sind. Dieser Unterschied könnte damit zu erklären sein, dass interne Karriereleitern im öffentlichen Dienst wichtiger sind als in der Privatwirtschaft, wo Leitungsstellen häufiger von außen besetzt werden. Auch die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten könnte im öffentlichen Dienst dazu beigetragen haben.

Fazit

In Deutschland sind Frauen in der obersten Führungsebene von (größeren) Betrieben unterrepräsentiert. Das gilt sowohl für die Privatwirtschaft als auch für den öffentlichen Sektor. Auch die Branche hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss darauf, wie eine Unternehmensspitze besetzt ist: Frauen leiten eher Betriebe im sozialen oder im Dienstleistungsbereich, Männer eher im gewerblichen Bereich. Im öffentlichen Dienst sind weitaus mehr Frauen beschäftigt als in der Privatwirtschaft. Das spiegelt sich auch in höheren Frauenanteilen auf der obersten Leitungsebene wider.

Generell sollte der Fokus nicht nur auf die erhöhte Beteiligung von Frauen im Erwerbsleben gerichtet werden. Wichtig sind auch Maßnahmen, die Frauen Aufstiege in hohe Positionen ermöglichen und damit auf Karriereentwicklungen angelegt sind. Bei der Unterstützung dieses Prozesses wären unter anderem Mentoring-Programme, formalisierte Karrierenetzwerke und eine geschlechtersensible Förderung des Führungsnachwuchses hilfreich.

Vor allem solche Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern und eine längere Unterbrechung im Job verhindern, würden die Partizipation von Frauen an beruflichen Karrieren erhöhen. Dazu sind sowohl bessere Möglichkeiten der Kinderbetreuung notwendig als auch betriebliche Arbeitsbedingungen, die den Flexibilisierungswünschen der Familien stärker entgegen kommen.
Doris Brader, Julia Lewerenz (Quelle: IAB Kurzbericht Nr. 2)

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