Unternehmensberatung

Mit Best Practice zum Marktführer?

Professionelle Qualitäts- und Leistungssteigerung. Für viele Managementfragen und bei Themen rund um die Qualität und Produktivität steht oft Best Practice als Allheilmittel im Fokus. Was aber bedeutet Best Practice konkret?

Die erfolgreichsten Unternehmen sind die Unternehmen, die es verstehen, ihr individuelles System und Vorgehensweisen zu entwickeln und diese konsequent in der Praxis umzusetzen.

Best Practice bedeutet aus Sicht des TQU, bewährte Vorgehensweisen, technische Systeme und Geschäftsprozesse, die sich in der Vergangenheit als sinnvoll erwiesen haben, zu erkennen und diese für zukünftige Herausforderungen einzusetzen. In diesem Ansatz „liegt auch schon der Hund begraben“: Es wird versucht, mit bisherigem erfolgreichem Handeln zukünftige Herausforderungen zu bewältigen. Deshalb ist Best Practice nicht alles, und vor allem ist Best Practice nicht übertragbar. Best Practice kann nur eine Basis oder Empfehlung sein, auf die aufgebaut wird, um den individuellen Weg zu definieren und umzusetzen.

Erfolgreiche Weltklasse-Sportler und Mannschaften heben sich von ihren Wettbewerbern durch individuelle beziehungsweise kollektive Spitzenleistungen ab. Sie streben nicht nach Best Practice, sondern setzen Benchmarks. Aufbauend auf einer fundierten Basis – bestehend aus Talent, entwickeltem Material, erprobten Trainingsmethoden und dem absoluten Willen zur Leistung – schaffen es diese Sportler, sich von ihren Mitbewerbern abzusetzen. Das ist einleuchtend und erscheint jedem logisch. Warum also gehen Unternehmen davon aus, dass es sinnvoll sei, Best-Practice-Lösungen zu installieren?

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Die Erfahrung zeigt, dass nicht die Unternehmen, die versuchen, Marktführern nachzueifern, zu den Erfolgreichsten zählen. Die erfolgreichsten Unternehmen sind die Unternehmen, die es verstehen, ihr individuelles System und Vorgehensweisen zu entwickeln und diese konsequent in der Praxis umzusetzen und zu verfolgen, das alles auf einer fundierten fachlichen und wissenschaftlichen Basis. Erfolgreiche Unternehmen haben ihr eigenes, spezifisches Betriebssystem, bestehend aus der Handlungs-DNA und entsprechendem Entscheidungsverhalten. Das heißt, es gibt ein kollektives Verhalten und Handeln, welches sich an gemeinsamen Werten und darauf abgestimmten Kriterien orientiert, anhand derer Entscheidungen getroffen werden. Dies können beispielsweise sein: Technologieführerschaft geht vor Second-Follower, operativer niedriger Lagerbestand geht vor Auslastung der Infrastruktur und Mitarbeiter, oder Lieferfähigkeit geht vor Kapitalbindung. Ein konkretes Umsetzungsbeispiel kann sein, dass im Fall eines Stopps beim Verkauf die Mitarbeiter nicht weiterproduzieren. Ein solches Betriebssystem ist individuell und nicht kopier- oder adaptierbar.

Best Practice war gestern. Das bedeutet, dass Best Practice durchaus bekannt sein muss, um eine Orientierung für den eigenen Weg zu haben. Es bedarf einer Menge Aufwand, Best-Practice-Lösungen zu identifizieren und zu verstehen. Die meiste Kreativität und Energie werden jedoch benötigt, um den eigenen Weg zu finden und umzusetzen.

Inwiefern betrifft das auch die Qualitätsmanager und was heißt das nun konkret für die Qualitätsarbeit? Die Qualität seiner Produkte unterscheidet ein Unternehmen von Wettbewerbern. Qualität wird individuell vom Kunden unterschiedlich wahrgenommen. Also sollte es das oberste Ziel eines Unternehmens sein, den Kunden mit seiner für den Kunden spezifischen und wahrnehmbaren Produkt-und Dienstleitungsqualität zu begeistern. Dies kann ein Unternehmen erreichen, indem es einen Konsens herstellt und das notwendige Know-how aufbaut sowie die Methoden identifiziert, welche dazu notwendig sind. Konkret kann ein Wasserkocher für den Einen ein Hilfsmittel sein, um Wasser möglichst schnell zu erhitzen (Design folgt Funktion). Für den Anderen ist ein Wasserkocher ein Designelement der Küchenausstattung (Funktion folgt Design). So unterschiedlich die Produktspezifikationen sind, so unterschiedlich können die Lösungswege dafür sein, auch, wenn die Stellhebel – wie Kundennutzen stiften, Verfügbarkeit sicherstellen, Zuverlässigkeit sicherstellen, Erwerbbarkeit ermöglichen – meist die gleichen sind. Hier heißt es dann, die notwendigen Anforderungen entsprechend der Zielgruppe und des Produktes oder der Dienstleistung so aufeinander abzustimmen und in die Organisation, die Prozesse und das Know-how auf einem gemeinsamen Verständnis bezüglich der Stellhebel einzubetten und konsequent zu verfolgen.

Wenn die Produktqualität kein Differenzierungsmerkmal, sondern niedriger Preis oder die schnelle Verfügbarkeit eines Produkts oder Dienstleistung das Differenzierungsmerkmal ist, heißt es, Vorgehen und Methoden zu wählen, welche diese für das Unternehmen wichtigen Differenzierungsmerkmale unterstützen. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, nicht auf die „zu hohe“ Produktqualität zu pochen, sondern die notwendige Produktqualität zu liefern. Dieser Ansatz bringt mit sich, die Prozesse zu befreien und bewusst auf Methoden und Prüfstellen zu verzichten. Dies kann sich von Produktgruppe zu Produktgruppe unterscheiden, je nachdem welches Qualitätsniveau gewünscht und notwendig ist. Überlegen Sie einmal, was einen Kugelschreiber von einem Schreibgerät unterscheidet und welche Differenzierungsmerkmale die höhere spezifische Bedeutung haben.

Dipl.-Ing. (FH) Helmut Bayer, TQU GROUP /pb


TQU GROUP
Das TQU wurde 1986 von Prof. Dr. Jürgen P. Bläsing gegründet und als Steinbeis-Transferzentrum Qualität und Umwelt in mehr als 25 Jahren als anerkannte Marke TQU etabliert. Geschäftsführer der TQU GROUP mit sieben beteiligten und miteinander vernetzten Steinbeis-Unternehmen ist Helmut Bayer. TQU steht für Tradition – Qualität – Unternehmertum. Zum Angebot gehören Unternehmensberatung, Umsetzungsbegleitung, Weiterbildung, Akademie, Personalzertifizierung sowie Information, Verlag und Shop. Die Gruppe selbst steht im Wissensverbund der Steinbeis-Stiftung mit etwa 800 Dienstleistungs- und Hochschulzentren und 730 engagierten Professoren, über 6.000 Mitarbeitern sowie mit internationalen Partnern in gut 50 Ländern.

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