Technische Due Diligence

In den Büchern steht viel mehr

Erfolgreichere Unternehmens-Transaktionen durch Bewertung der technischen und organisatorischen Aspekte.
Michaela Fertl: Die Vorteile verschiedener Diligence-Modelle wurden geclustert. (Alle Abb.: Ingenics)

Jede zweite Unternehmensfusion oder -übernahme erweist sich zumindest in Teilen als Werte vernichtend.

Obwohl sie in zwei Dritteln aller Fälle Geld für Wertgutachten ausgeben, tun sich Unternehmer und Investoren mit dem Mergers & Acquisitions (M&A) Geschäft schwer. Eine Erklärung: Die „klassischen“ Due Diligence (DD) Untersuchungen vernachlässigen oft organisatorische und technische Aspekte. Die Folge sind Fehler beim Integrationsmanagement. Die technische Unternehmensberatung Ingenics hat einen neuen Ansatz entwickelt: das Produkt „Ingenics Due Diligence“.

Die Ingenics DD ist sowohl als Ergänzung der herkömmlichen Unternehmensbewertung in Kooperation mit einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen als auch als eigenständiges Beratungsprodukt – im Rahmen von Ertragssteigerungs-, Veränderungs- und Sanierungsprojekten – gedacht und geeignet. Da nicht der Anspruch erhoben wird, ein Unternehmen komplett abzubilden, treten die Berater nicht in Konkurrenz zu den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WPG). Im Gegenteil ist das neue Produkt bestens geeignet, kooperierende WPG zu unterstützen.

Ziel der meisten M&A-Transaktionen ist es, Wettbewerbspositionen zu stärken und neue Märkte zu erschließen. Obgleich die umfangreiche Untersuchung des Zielunternehmens, wie es im Zuge einer DD erfolgt, als wichtiger Erfolgsfaktor gilt, wird – um die Transaktionskosten niedrig zu halten – der Prüfung oft zu geringe Bedeutung beigemessen. So ist die DD zwar gängige Praxis, aber sie beschränkt sich in der Regel auf die „klassischen“ Bereiche Finanzen, Steuern und Recht, während die – für Banker und Investoren schwerer zu fassenden – operativen Bereiche vernachlässigt werden. Genau hier setzt Ingenics mit der Entwicklung eines neuen Beratungsprodukts an.

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Was von einer DD üblicherweise erwartet wird, ist ein Gesamteindruck von der wirtschaftlichen Lage, den Zukunftsaussichten und dem Chancen- und Risikoprofil eines Unternehmens – ihr Potenzial ist jedoch wesentlich umfassender. Um die Kaufpreisfindung und Vertragsgestaltung zu unterstützen, sind Transparenz, die Identifizierung von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken sowie die Nutzbarmachung aller benötigten Informationen über das Unternehmen und seine relevante Umwelt erforderlich. Da keines der etablierten Modelle geeignet ist, ein Zielunternehmen vollständig und zufriedenstellend abzubilden, haben wir die Vorzüge verschiedener Modelle kombiniert, die Untersuchungsfelder neu geclustert und zwölf Felder definiert:

  • Financial DD (Ertragslage/Potenziale),
  • Tax DD (steuerliche Situation/Risiken),
  • Legal DD (Rechtsbeziehungen, Haftungsrisiken, wettbewerbsrechtliche Situation),
  • Market DD (Risiken/Synergiepotenziale/Wachstums- und Ertragspotenziale, Exit-Optionen),
  • HR DD (Analyse Humankapital nach arbeitsrechtlichen und finanziellen Aspekten, Qualifikation und Motivation),
  • Cultural DD,
  • Produktion (Technical DD/Commercial-Technological DD),
  • Supply Chain (alle Wertschöpfungsstufen, vor-/nachgelagerte Wertketten, Einkauf/Materialbeschaffung, Lieferanten, After Sales),
  • Forschung und Entwicklung,
  • Environmental DD,
  • Organisation sowie
  • IT.

Im Zusammenhang mit der Restrukturierung und dem Zukauf von Produktionsstätten im In- und Ausland untersuchen Ingenics-Berater regelmäßig vor allem jene technischen Bereiche und internen Abläufe, die sich den WPG nicht ohne weiteres erschließen. Da die Gefahr eines Scheiterns desto geringer ist, je zuverlässiger potenzielle Erträge, Investitionsbedarfe und Investitionskraft prognostiziert werden, wurde auf der Grundlage des praxiserprobten Methodenrepertoires ein Produkt entwickelt, das die umfassende Untersuchung von Chancen und Risiken zuverlässig ermöglicht. Die Perspektive geht dabei weit über die (definitiv unverzichtbaren!) Finanzkennzahlen hinaus und versteht das eigene Angebot als Ergänzung der Finanzkennzahlen aus technischer Sicht. Die Prozessschritte einer fokussierten DD im Sinne von Ingenics umfassen die Informationsbeschaffung, die Analyse und Bewertung sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen.

In fünf Schritten zur verlässlichen Bewertung

Die Erweiterung der Perspektive ist nur konsequent - schließlich kann eine Prüfung und Bewertung auch unter technischen und organisatorischen Aspekten den Wert (beziehungsweise Kaufpreis) erheblich beeinflussen. Indem die Frage nach erforderlichen Veränderungs- beziehungsweise Sanierungsprojekten frühzeitig gestellt und beantwortet wird, lassen sich Risiken reduzieren und falsche Entscheidungen vermeiden. Zum erwünschten realistischen Ergebnis gelangen die Berater über

  • eine Vorbereitungsphase (Definition Umfang, Organisation, Ziele des Projekts),
  • die Initialisierungsphase (Kickoff, Festlegen Schwerpunkte und Soll-Werte),
  • die Analysephase (Informationsbeschaffung, Besichtigungen, Checklisten),
  • eine Bewertungsphase (Soll-Ist-Vergleich, Risikobewertung, Benchmarking) sowie die
  • Abschlussphase (Ergebnisse aufbereitet, Handlungsempfehlungen).

Die Analyse gescheiterter Transaktionen macht deutlich, dass ein falsches Integrationsmanagement während der Post-Merger-Integration-Phase und eine falsche Transaktionsvorbereitung die größten Probleme darstellen. Damit hat die DD das Potenzial, ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine gelungene Transaktion zu sein.

Das Produkt: ein Checklisten-Tool. Während sich keines der etablierten Modelle ohne Einschränkungen für eine DD eignet, die auch technische und organisatorische Aspekte abdeckt, berücksichtigt das erweiterte Bewertungsmodell neben der Identifizierung und Bewertung von Risiken und Kennzahlen auch Werte und Perspektiven, die nicht in der Bilanz aktiviert oder immateriell sind und fasst alle Ergebnisse, insbesondere aus den Bereichen

  • Produktion (Grunddaten, Anlagen/Maschinenpark, Produktionsplanung-/Steuerung, Qualität, Produktionsprozess, Produktionslogistik),
  • Supply Chain (mit Einkauf/Beschaffungslogistik, Lieferantenmanagement, Vertrieb/After-Sales),
  • Standort und Umwelt (Grundstück/Gebäude, Standortfaktoren, Umweltorientierung); F&E (Organisation, Effizienz, Entwicklungsprozess),
  • Organisation (Kultur, Prozessgestaltung, Standardisierung, Selbstorganisation, KVP, Arbeitsorganisation) und
  • IT (Organisation, Bewertung eingesetzter Technologie/Informationssysteme, Kompatibilität) in einer qualitativen Gesamtbewertung zusammen.

Mit der Berücksichtigung des technischen und organisatorischen Bereichs als wichtigem Baustein im Rahmen einer vollständigen DD durch WPG steigt die Wahrscheinlichkeit, dass DD zum Erfolgsfaktor für die nachhaltige Steigerung des Unternehmenswerts wird.

Michaela Fertl und Andreas Ott/bw

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