Systemintegration

"System in kürzerer Zeit aufsetzen"

SCM-IT: Probleme lösen, bevor sie erkannt werden.
Jürgen Tekautschitz, Commerce Solutions bei IBM Deutschland, sieht Standardisierung und Flexibilität als Grundvoraussetzungen für schnelle IT-Systeme in der Kontraktlogistik.

Die Kontraktlogistik fordert Effizienz und Flexibilität der Dienstleister. Die Branche wächst nach einer Studie der TU Berlin jährlich um zehn bis 15 Prozent. Hier entstehen die Standards für die Logistik von morgen – ob es sich nun um interne oder externe Prozesse handelt.

Jürgen Tekautschitz, Senior Account Executive für den Bereich Commerce Solutions bei IBM Deutschland, über neue IT-Lösungen, mit denen die Dienstleister die Anforderungen effizienter und kostengünstiger umsetzen können:

handling: Wie wirkt sich der hohe Optimierungsdruck in der Kontraktlogistik auf die IT-Bedürfnisse der Logistik-Unternehmen aus?

Jürgen Tekautschitz: Die Kontraktlogistik ist ein wachsender Markt, weil sie Auftraggebern wie Auftragnehmern große Vorteile bietet. Die Kunden - Händler und Hersteller - geben Aufgaben ab, die nicht zu ihren Kernkompetenzen gehören, wie Rücknahme-, Austausch-, Reparatur- oder Ersatzteillogistik. Die Dienstleister nutzen ihre Kernkompetenz - Logistikprozesse schnell, sicher und wirtschaftlich zu organisieren und auszuführen. Doch die Ansprüche sind hoch: Die Lieferbeziehungen zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern werden immer komplexer. Dabei ist die Qualität der Leistung vielfach in Service-Level-Agreements festgehalten. Werden die Kennzahlen nicht erreicht, folgen zum Teil erhebliche Vertragsstrafen. Die vertraglich vereinbarten Services dauerhaft wirtschaftlich zu erbringen und sich zugleich auf die sich immer wieder verändernden Anforderungen der Kunden einzustellen - das ist nur möglich mithilfe leistungsfähiger IT-Plattformen und Management-Systeme.

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handling: Wie begegnen Logistik-Unternehmen derzeit den technologischen Herausforderungen?

Tekautschitz: Wir sehen zwei Arten des Umgangs damit in der Branche. Die meisten Logistikanbieter richten für jeden Neukunden derzeit noch eine eigene IT-Plattform ein. Die Unternehmen können auf diese Weise die vertraglich festgelegten Kennzahlen erreichen, aber der Aufwand ist enorm. Mit der Zahl der Kunden werden die Prozesse zudem immer unübersichtlicher und die Wirtschaftlichkeit leidet. Unternehmen wie IBM bieten aber inzwischen Lösungen an, mit denen die Integration der vielfältigen Datenströme deutlich einfacher und damit auch schneller geht als bisher. Das bedeutet natürlich entscheidende Vorteile im Wettbewerb: Es kann sich eigentlich kein Logistik-Unternehmen mehr erlauben, mehrere Monate für die Integration der IT-Systeme eines Neukunden zu brauchen. In der Zwischenzeit ist das Geschäft des Auftraggebers Veränderungen unterworfen, die ihrerseits integriert werden müssen. Ganz zu schweigen von den Wettbewerbern: Ein wachsender Anteil der Logistikdienstleister weltweit nutzt bereits die Lösungen der neuen Generation und bietet dem Kunden an, das Supply-Chain-Management-System in deutlich kürzerer Zeit aufzusetzen.

handling: Die Zahl der für die Kontraktlogistik relevanten Daten in der Lieferkette bleibt aber gleich, egal welche Plattform ein Unternehmen benutzt. Wie kann man trotzdem das Tempo der Integration erhöhen?

Tekautschitz: Dafür sind zwei Voraussetzungen entscheidend, die beide durch die Plattformen erfüllt werden, die wir heute anbieten können: erstens Standardisierung, zweitens Flexibilität. Eine einzige Supply-Chain-Management-Plattform integriert die Datenströme aller Kunden und Geschäftspartner des Logistik-Unternehmens. Ausnahmslos alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette werden eingebunden. Damit ist die Grundlage für Applikationen geschaffen, mit der das Logistik-Unternehmen auch hochkomplexe Prozesse - wie etwa Reverse-Logistics - sicher und wirtschaftlich in den Griff bekommt.

handling: Als zweite Voraussetzung haben Sie Flexibilität genannt.

Tekautschitz: Die Plattform muss hohe Flexibilität bieten um Neukunden ohne unnötigen Aufwand zu integrieren und auf veränderte Bedingungen bei den Bestandskunden reagieren zu können. Logistik-Prozesse ähneln sich. Dennoch bringt jeder Kunde seine speziellen Bedingungen mit, von seiner Infrastruktur und Sonderprozessen bis zu seinen Endkunden und regionalen Gegebenheiten. Die standardisierte Applikationsumgebung muss die Spezifika eines jeden Kunden abbilden. Vor allem aber muss sie Änderungen schnell aufnehmen und umsetzen. Unsere Supply-Chain-Management-Systeme bieten einen Echtzeit-Überblick über alle relevanten Informationen in der erweiterten Lieferkette, alle Prozesse lassen sich über die Plattform kontrollieren und steuern und Anpassungen und Veränderungen geschehen ebenfalls in Echtzeit. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn ein Lieferant ausfällt, merkt der Betreiber der Plattform das sofort und kann ihn durch einen anderen Partner ersetzen - das Problem ist gelöst, bevor die Kunden seines Auftraggebers gemerkt haben, dass es eines gegeben hat.

handling: Wie sind die Plattformen aufgebaut?

Tekautschitz: Die Lösungen von IBM basieren auf einer so genannten Software Oriented Architecture, kurz SOA, die dem Benutzer ein Web-Frontend bietet - das heißt: einen Bereich, den er selbst bearbeiten kann. Die kopierbaren Geschäftsprozesse werden darin angepasst, die Anwendung stellt dafür eine umfangreiche Bibliothek von Referenzprozessen in Form von grafisch leicht anpassbaren Diagrammen zur Verfügung. Die Applikationen sind ausschließlich auf die Logistik-Prozesse fokussiert, es ist daher kein aufwändiger Datenaufbau nötig - wie es der Fall wäre, wenn die Funktionalitäten eines kompletten ERP-Systems wie SAP bedient werden müssten. Daher ist das Projekt mit dem Kopieren der Geschäftsprozesse und der raschen Anpassung der Spezifika eines Neukunden fertig. Neuerungen und Veränderungen können integriert werden - im Normalfall von den Mitarbeitern des Logistik-Dienstleister selbst, ohne die Unterstützung durch IT-Berater.

handling: Und den Aufbau der Plattform übernehmen auch die hauseigenen Mitarbeiter?

Tekautschitz: Alle Unternehmen, die im Wettbewerb der Kontraktlogistik-Anbieter bestehen wollen, brauchen eher früher als später ein Supply-Chain-Management, das schnell und ohne unnötigen Aufwand eine Vielzahl von Datenströmen integriert und Änderungen und Reaktionen in Echtzeit ermöglicht. Wie das genau aussieht, hängt aber von der Unternehmensgröße ab. Für große Logistik-Unternehmen mit eigener IT-Abteilung bieten sich standardisierte B2B2C-Integrationsplattformen an, die so benutzerfreundlich sind, dass die firmeneigenen Fachleute die Datenströme in den meisten Fällen selbst integrieren können. Für kleinere und mittlere Dienstleister empfiehlt es sich, den Aufbau und auch die Pflege und Erweiterung des Systems auszulagern. IBM hat eine Cloud-basierte Lösung geschaffen. Kleine und mittlere Unternehmen können darüber sämtliche Daten der erweiterten Lieferkette automatisiert mit ihren Auftraggebern austauschen. bw

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