Keine Angst vor KI

Keine Angst vor Industrie 4.0

Künstliche Intelligenz. Hans-Jürgen Heitzer ist als Head of Division für Kardex Mlog in der Kardex Gruppe verantwortlich und kennt daher die Zukunftschancen, die Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz für die Intralogistik mit sich bringen. Im Interview erläutert er, warum Industrie 4.0 eine Chance ist und die Beschäftigten keine Angst um ihre Arbeitsplätze haben müssen.

Hans-Jürgen Heitzer sieht dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Intralogistik optimistisch entgegen und fürchtet auch den Wettbewerb mit China nicht.

handling: Welche neuen Freiräume bei der Konzeption von Lagerlösungen bietet Künstliche Intelligenz? Wie muss man sich ein zeitgemäßes Lager in 15 Jahren vorstellen?
Bis in 15 Jahren wird die KI ungefähr um den Faktor 1000 leistungsfähiger sein als heute. Die KI wird bis dorthin Zugriff auf alle Daten der gesamten Wertschöpfungskette aller gelagerten Produkte haben und in der Lage sein, den kompletten Lieferprozess von der Produktion bis zur kundenindividuellen Lieferung auf kürzesten Wegen zu geringsten Kosten mit dem geringsten ökologischen Fußabdruck zu realisieren.

Und andersherum gefragt: Wo sehen Sie die Grenzen der KI bei der Intralogistik?
Wenn gigantische Datenmengen und viele Faktoren zusammenkommen, ist künstliche Intelligenz der menschlichen Intelligenz überlegen, weil KI in der Lage ist, aus gigantischen Datenmengen von unterschiedlichen Quellen in kurzer Zeit Beziehungen zu ermitteln, um daraus einen Mehrwert zu schöpfen. Aber nur der Mensch kann logisch denken und nützliche von wertlosen KI-Ratschlägen unterscheiden. Begrenzt ist das maschinelle Denken, weil ein Computer eben nur Muster ermittelt. Die Sinnhaftigkeit und die Logik dahinter erkennt allein der Mensch.

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Die Entwicklung der Automatisierungstechnologie hat sich durch Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz beschleunigt. Wo geht allgemein die Entwicklung hin?
Industrie 4.0 und alles, was sich dahinter verbirgt, ist in aller Munde. In der Digitalisierung sind wir heute weit fortgeschritten und wir machen kaum noch etwas analog. Roboter und die Schnittstellen zwischen Maschinen und Menschen werden zukünftig eine noch wesentlich größere Rolle spielen. Zudem werden die Roboter zunehmend über eine künstliche Intelligenz verfügen.

Was bedeutet das konkret für die Intralogistik? Nennen Sie doch einmal Beispiele.
Nehmen wir die Kommissionierung. Bisher musste man dem Kommissionier-Roboter exakt beschreiben, an welchem Ort er den zu greifenden Artikel vorfindet. Durch KI können die Roboter sehen und entscheiden, welcher der vielen Artikel in einem Behälter der richtige ist. Wenn dieser Artikel von einem anderen Päckchen blockiert wird, dann kann er dieses mit seinem Greiffinger wegschubsen, um letztlich seinen Auftrag zu erfüllen. Wenn der Roboter diesen Prozess eigenständig beherrscht, dann hat er eine gewisse Intelligenz, weil er auf dem Weg des Greifens unterschiedliche Entscheidungen trifft. Das nennen wir künstliche Intelligenz. Wenn wir das mal weiterdenken, bieten sich hier in der Zukunft noch unbegrenzte Möglichkeiten.

Und für die Arbeitswelt?
Die Arbeitswelt wird sich auch in Zukunft weiter verändern mit allen neuen Technologien. Aber das hat es auch in den letzten 50 Jahren schon gegeben. Vor 50 Jahren waren 65 Prozent aller Arbeitnehmer Arbeiter und heute sind es noch 24 Prozent. Auch hier haben sich die Jobs verändert und die Menschen haben sich daran angepasst. Das wird auch in Zukunft so sein, wobei das Thema HMI stark an Bedeutung gewinnen wird. HMI steht für Human Machine Interface, also das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. Diese wird wesentlich stärker in Kooperation laufen und dabei die körperliche Arbeit immer weiter reduzieren.

Ist es nicht nur noch eine Frage der Zeit, bis der Mensch in der Logistik überflüssig wird?
Grundsätzlich ja, aber …. grundsätzlich ja, denn das ist unser Geschäftsmodell. Wir automatisieren manuelle Prozesse. Damit verdienen wir unser Geld. Damit fallen natürlich Arbeitsplätze weg, beziehungsweise sie verändern sich. Aber zugleich entstehen neue Arbeitsplätze. Auf den Anlagen werden Instandhalter und Anlagenbediener gebraucht. Das sind Arbeitsplätze, die es in den Lägern vorher nicht gab. Das Arbeitsumfeld für Lageristen und Kommissionierer wird sich durch Technik verändern. Hier werden sich die Menschen mit ihren Kompetenzen anpassen müssen, aber die Arbeitsplätze wird es weiterhin geben. Zusätzlich schaffen wir jedoch auch hier Arbeitsplätze mit jeder Automatisierung, die wir verkaufen.

Wo werden denn die Automatisierungslösungen in Zukunft entwickelt werden? Kann sich die westliche Industrie gegen China behaupten?
Wir haben heute gegenüber China noch einen deutlichen Technik- und Qualitätsvorsprung. Für die Zukunft ist es wichtig, diesen Vorsprung zu halten und durch Innovationen und gute Ideen nach Möglichkeit auch noch weiter auszubauen. Wenn es uns in Kombination mit weiterführender Automatisierung gelingt, auch auf der Kostenseite einen Wettbewerbsvorteil aufzubauen, dann sind wir in Europa gut aufgestellt.

Sie kommen viel herum und sehen in der Praxis viele Lösungen. Was war das innovativste Lager, das Sie in den letzten Monaten gesehen haben? Was zeichnet es aus?
Grundsätzlich gibt es von der Grundstruktur der meisten automatischen Lagersysteme keine allzu großen Unterschiede. Das innovativste Lager der letzten Monate habe ich von einem Mitbewerber gesehen, ich sage Ihnen aber verständlicher Weise nicht von wem. Für uns ist es aber immer interessant, auch von unseren Mitbewerbern zu lernen, um kontinuierlich besser zu werden. dsc

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