Zukunftsallianz Maschinenbau

„Wir müssen uns dem Wandel stellen“

Die Zukunftsallianz Maschinenbau kümmert sich um den Mittelstand. Kleine und mittlere Unternehmen des Maschinenbaus und der industriellen Automatisierungstechnik im globalen Wettbewerb fit machen: Das ist das Credo der auf der Hannover Messe gegründeten Organisation. Bernd Waßmann im Interview mit dem Geschäftsführenden Vorstand, Gerald Pörschmann.

Gerald Pörschmann ist der geschäftsführende Vorstand der Zukunftsallianz Maschinenbau, beheimatet auf dem Hannoverschen Messegelände. Die Organisation will Maschinenbauer und Anwender in einen Innovationsdialog bringen. (Foto: Zukunftsallianz Maschinenbau)

Herr Pörschmann, Sie stehen kurz vor dem Kickoff der Zukunftsallianz Maschinenbau, das am 3. September bei Miele in Gütersloh stattfindet. Was braut sich denn da zusammen?
Auf der Hannover Messe im April haben 17 Systemlieferanten, Forschungsinstitute sowie Engineering- und Consultingpartner des Maschinenbaus das Innovationsnetzwerk Zukunftsallianz Maschinenbau e.V. gegründet. Die Partner haben sich das Ziel gesetzt, insbesondere die kleinen und mittelgroßen Unternehmen des Maschinenbaus und der industriellen Automatisierungstechnik im globalen Wettbewerb zu stärken. Mit der Auftaktveranstaltung am 3. September bei Miele starten wir einen Innovationsdialog, in den wir auch die Leitkunden des deutschen Maschinenbaus mit einbinden.

Die Allianz sieht sich als überregional; begrenzt sich jedoch von Norden herab an der Main-Linie und schließt damit die süddeutschen Maschinenbauer aus. Warum diese Abgrenzung nach Süden?
Die Bildung eines Nord-Clusters oberhalb von Frankfurt, von Aachen im Westen bis Dresden im Osten und bis zur Küste im Norden, ist eine rein pragmatische Systemdefinition. In dem genannten Wirtschaftsraum sind über 2.000 Unternehmen angesiedelt, die rund 40 Prozent der deutschen Maschinenbau-Wertschöpfung abdecken. Auch die Produktionstechnik-Forschung hat mit dem Exzellenz-Cluster „Integrative Produktionstechnik für Hochlohnländer“ in Aachen, den Spitzenclustern Logistik Ruhr und Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe sowie hervorragenden Fraunhofer-Instituten in Magdeburg und Chemnitz, das erforderliche Transferpotenzial, das man für ein nachhaltig angelegtes Innovationsnetzwerk benötigt.

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Stoßen da zwei maschinentechnische und wirtschaftliche Machtblöcke mit Vehemenz zusammen?
Ganz im Gegenteil. Unsere Erfahrung zeigt, dass es im Süden bereits seit einigen Jahren gut funktionierende, überregionale Innovationsnetzwerke für den mittelständischen Maschinenbau gibt. Dort sind die Forschungszentren Karlsruhe, Stuttgart, Nürnberg und München gut eingebunden. Wir suchen daher von Beginn an den Wissens- und Erfahrungsaustausch mit den erfolgreichen Transfernetzwerken im Süden Deutschlands. So ist für uns zum Beispiel die neue Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg, die sich im November 2014 konstituiert hat, ein wichtiger Benchmarking-Partner für unser geplantes Leitprojekt Industrie 4.0 – Relevante Technologien für die Maschinenbau-Praxis.

Die Zukunftsallianz wird verstanden als Projekt der Value Chain entlang der Systemlieferanten, dem mittelständischem Maschinenbau und den wichtigsten Leitkunden des deutschen High-Tech-Maschinenbaus. (WZL der RWTH Aachen)

Schauen Sie bei der Positionierung des Netzwerks nicht nur über die Main-Linie, sondern auch über die Grenzen oder gar die Kontinente hinweg?
Think global – act local ist im Zeitalter fortschreitender Globalisierung der Absatz- und Beschaffungsmärkte für ein Innovationsnetzwerk, das eine exportorientierte Branche adressiert, die richtige Grundhaltung. Wir sehen den deutschen Maschinenbau als Teil eines europäischen und weltweiten Marktes für Produktionstechnik. Und dieser Markt unterliegt derzeit einem rasanten Wandel, dem wir uns stellen müssen.

Wen finden wir auf Ihrer Mitgliederliste?
Unternehmen wie Harting, Kienbaum oder als europäischen Digital Engineering-Partner Dassault Systèmes aus Frankreich. VW ist indirekt über den Geschäftsführer der Robotation Academy, die ein Kooperationsprojekt der Hannover Messe mit VW ist, in unserem Vorstand vertreten. Die Ansprache der Maschinenbauer beginnt mit der Kickoff-Veranstaltung am 3. September bei Miele. Als nächsten Schritt werden wir im Oktober kleine „Dialog-Workshops“ anbieten, um gemeinsam mit der Zielgruppe die Herausforderungen für die Zukunftssicherung und mögliche Lösungsstrategien herauszuarbeiten.

Zu Ihrem Netzwerk gehören auch Anwender der Maschinentechnik. Wie passt das zusammen?
Wir verstehen die Zukunftsallianz als ein gemeinsames Projekt entlang der Value Chain von innovativen Systemlieferanten, mittelständischem Maschinenbau und den wichtigsten Leitkunden des deutschen High-Tech-Maschinenbaus. Die Produktionstechnik-Forschung sowie Engineering- und Consulting-Partner haben die Rolle der Kompetenzgeber. Dabei geht es neben technischen Kompetenzen auch um Markt- und Organisationskompetenz. Welche Trends am Weltmarkt zu erwarten sind, können wir in unserem Netzwerk schon frühzeitig von den Experten der deutschen Anwender von Maschinentechnik, zum Beispiel von VW, erfahren.

Das Logo der neu gegründeten Allianz findet sich auf dem Firmenschild mitten auf dem Messegelände in Hannover.

Industrie 4.0 ist ein Schlüsselbegriff auch für die Zukunftsallianz Maschinenbau. Wie können Sie hier für die mittelständischen Maschinenbauer von Nutzen sein?
Industrie-4.0-Technologien sind ein wichtiger Innovationstreiber für den Maschinenbau. Wenn wir unsere Innovationsführerschaft am Weltmarkt behaupten wollen, müssen alle Unternehmen ein intelligentes Technologie-Monitoring organisieren. Dabei wollen wir vor allem die kleinen und mittelgroßen Unternehmen unterstützen, die nicht über Stabsabteilungen für diese Aufgabe verfügen.

Welchen praktischen Nutzen können die Mitglieder erwarten? Welche Serviceleistungen stecken im Netzwerk?
Das geplante Leistungsangebot wird im engen Dialog mit der Zielgruppe entwickelt. Die ersten Veranstaltungsformate sind der Innovationsdialog und die Dialog-Workshops, um Wissensangebot und -nachfrage abzustimmen. Nach der Devise „Von den Besten lernen“ wird es vor allem um einen regelmäßigen Wissens- und Erfahrungsaustausch über Good Practices zwischen Praktikern aus den Unternehmen und der Forschung gehen. Wo haben sich schon Lösungsansätze bewährt?

Das klingt nach Lebens- und Überlebenshilfe für den Mittelstand. Der ist nicht aus eigener Kraft in der Lage, sich in den Anforderungen von Gegenwart und Zukunft zurechtzufinden?
Survival of the fittest – über die erforderlichen Trainingsmethoden dazu wird es in unserem Innovationsnetzwerk gehen. Natürlich muss jedes Unternehmen in seiner Sportart beziehungsweise in seinem Marktsegment die geeignete Erfolgsstrategie entwickeln. Aber gewisse Muskelpartien und Kernkompetenzen müssen wir alle trainieren und optimieren.

Die Mitgliederliste weist bis dato überwiegend Consulter und Forschungseinrichtungen auf. Welche Mitgliedsstruktur erwarten Sie von Seiten der Maschinen- und Anlagenbauer?
Nach der Gründung im April 2015 haben wir uns zuerst darauf konzentriert, weitere Enabler aus dem Kreis der Systemlieferanten und Forschungspartner für das Netzwerk zu gewinnen. Mit der Kickoff-Veranstaltung im September beginnt jetzt die Ansprache der Geschäftsführer und Führungskräfte aus Maschinenbau und Industrial Automation. Bis Herbst 2016 wollen wir mindestens 20 Mitglieder aus der Zielgruppe gewinnen.

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