Motek-Messechefin Bettina Schall im Interview

Daniel Schilling,

Internationalisierung und Vernetzung

Brexit und Handelskonflikte auf politischer Seite - Digitalisierung, Automatisierung und der langsame Abschied vom Verbrennungsmotor auf technischer Seite: Das Umfeld der Leitmesse für Handling, Montage, Automatisierung und Robotik ist spannend wie nie. handling fragte Bettina Schall nach Ihren Erwartungen für die Veranstaltung vom 7. bis 10. Oktober 2019.

Bettina Schall blickt optimistisch auf die anstehende Motek 2019. © Schall

handling: Vor der diesjährigen Motek steht die Nummer 38. Was wird einen Besucher diesmal überraschen, der schon 37 Mal in Sinsheim oder Stuttgart war?
Bettina Schall: Nun, Sinsheim ist ja für die Motek schon seit 2007 Vergangenheit. Eine Überraschung wird in diesem Jahr sicherlich die „Arena of Integration“ sein, die wir zusammen mit dem bewährten Kooperationspartner Landesnetzwerk Mechatronik Baden-Württemberg und erstmals unter Einbindung von zirka 30 Teilnehmern aus der Industrie organisieren. Die Arena of Integration ist ein Hightech-Themenpark, in dem Unternehmen miteinander via Usecases und Musterzellen konkrete Beispiele zeigen, wie die vernetzte Produktion und Montage in Verbindung mit digitalen Applikationen ganz praktisch vonstattengeht. Der Fachbesucher soll hier industriell anwendbare Produktionsbeispiele gezeigt bekommen, die er direkt als Lösung in sein Arbeitsumfeld mitnehmen kann. Das wird einen hohen Nutzen für die Fachbesucher haben.

handling: Was hat die Aussteller diesmal im Vorfeld der Messe bewegt? Zeichnen sich Trendthemen ab?
Bettina Schall: Nur ein Trend ist es ja schon lange nicht mehr: steigende Automatisierung und durchgängige Digitalisierung ist das Themenfeld, das die industrielle Produktion derzeit intensiv bewegt und auch noch eine Weile beschäftigen wird. Robotisierung, Vernetzung, Digitalisierung, Effizienz, Datenmanagement, Sicherheit, Durchgängigkeit, Nachhaltigkeit – das alles sind auf den ersten Blick zwar nur Schlagworte, aber im praktischen Alltag sind es eben echte Treiber sowohl auf der Hersteller- als auch auf der Nutzerseite. Insoweit steht bei den Ausstellern zunächst ganz vorn, welche Produkte und Systeme sie anbieten können, um dem Anwender praxisrelevante Lösungen an die Hand zu geben, mit denen er zeitgemäß und wirtschaftlich arbeiten kann. Unser Claim lautet deshalb „Smart Solutions for Production and Assembly“ und setzt ein Zeichen dafür, dass der Kern des Motek-Produkt- und Leistungsportfolios nunmehr digitalisierte Komponenten, Baugruppen, Subsysteme und Komplettanlagen einschließt.

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handling: Wie sieht es mit den Messeteilnehmern aus dem Ausland aus? Betrachten sie die Messe als ihr eigenes Forum oder geht es eher darum, die Kontakte zum deutschsprachigen Markt zu pflegen?
Bettina Schall: Im Einzelnen ist es für uns natürlich nicht belegbar, welche Intentionen existieren und welche Ergebnisse jeweils erzielt werden. Aber der steigende Grad der Internationalisierung sowohl bei den Ausstellern als auch bei den Fachbesuchern ist ein starkes Indiz für den offenbar doch sehr hohen Stellenwert der Motek. Das Fachpublikum erhält auf dieser Branchenmesse ein weltweit einzigartiges und umfassendes Bild rund um die Wertschöpfungsketten einer sich an den Bedürfnissen der Industrie ausrichtenden informations- und prozessorientierten Produktions- und Montageautomatisierung. Die Motek ist keine Show, sondern ein Branchenhighlight für die Praktiker. Das ist natürlich ein Pluspunkt, den ausländische Gäste nutzen, sowohl was ihr eigenes Angebot betrifft, als auch für Fachbesucher, die sich ein Bild darüber machen, welche neuen Technologien sich nutzbringend transferieren lassen.

handling: Bei Firmenbesuchen begegnet mir immer wieder die Sorge um die Nachwuchsgewinnung. Welche Rolle kann eine Messe dabei spielen?
Bettina Schall: Die Motek ist als einzigartige Kommunikations- und Business-Plattform der Fachmarkt für die Realisierung aktueller und künftiger Produktionslösungen. Das muss auch dem Nachwuchs vermittelt werden. Hier trifft sich traditionell die Forschung aus unterschiedlichen Instituten, um ihre Ansätze in die Praxis zu übertragen sowie umgekehrt die Anforderungen der Praxis auf wissenschaftlichem Weg umzusetzen. Insoweit ist die Motek durchaus eine längst etablierte Plattform auch für junge Leute. Das Thema Robotik genießt ja weithin ein breites Interesse, und wenn es gelingt, Schülern, Auszubildenden und Studenten bei ihren Rundgängen über die Messe zu zeigen, was ein Roboter wirklich ist und wie komplex und faszinierend eine Fabrik funktioniert, ist ein wertvoller Beitrag für die Nachwuchsgewinnung geleistet.

handling: Parallel zur Motek findet die Bondexpo statt. Ist das ein praktisches Arrangement oder gibt es auch Synergien?
Bettina Schall: Wenn Sie so wollen: Motek und Bondexpo sind ein praktisches Arrangement, das Synergien für den Fertigungsalltag bringt! Die thematische Ausrichtung der Bondexpo liegt konsequent beim industriellen Fügen und Verbinden. Der Fokus auf diese Prozesskette durch Kleben, Vergießen, Dichten und Schäumen liefert dem Anwender nützliche Neuigkeiten hinsichtlich Materialien, Applikationen, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Zuverlässigkeit sowie effizienter Abläufe innerhalb des Montage- oder Fertigungsvorgangs. Insgesamt erwarten wir rund 1.000 Aussteller auf 63.000 Quadratmeter Hallenfläche.

handling: Alle Indikatoren deuten auf eine weltweite Phase der wirtschaftlichen Abkühlung hin. In welchen Bereichen können Investitionen sinkenden Umsätzen entgegensteuern?
Bettina Schall: Das stimmt. Wenn es „kriselt“, werden aber immer auch positive, fruchtbare Reaktionen generiert: noch effizientere Abläufe, noch sparsameres Wirtschaften, noch mehr Sicherheit und Nachhaltigkeit, um so effektiv wir nur möglich zu fertigen. Hier ist die Motek mit ihrem Themenportfolio sicher sehr nützlich. Nämlich dahingehend, dass die Fachbesucher Anregungen aufnehmen und die bisherige Fertigungspraxis kritisch auf den Prüfstand beziehungsweise weitergehend die Weichen für die Zukunft stellen, um den technologischen und wirtschaftlichen Anforderungen der unmittelbaren Zukunft zu genügen. Hier gewinnt unser Slogan „Smart Solutions for Production and Assembly“ echte Bedeutung und Inhalt. Und auch aus den Beiträgen der Arena of Integration dürfen wir Antworten auf die aktuell drängenden Fragen erwarten. dsc

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