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WirtschaftsförderungForschung und Entwicklung eng verzahnt

Das Automation Valley Nordbayern
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Wirtschaftsförderung: Forschung und  Entwicklung  eng verzahnt
Auf der letztjährigen SPS/IPC/Drives in Nürnberg stellte sich ein Netzwerk nordbayerischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Öffentlichkeit vor: das „Automation Valley Nordbayern“. Es wird von den nordbayerischen IHKs unter Federführung der IHK Nürnberg für Mittelfranken koordiniert. handling-Chefredakteur Gunthart Mau sprach zu Beginn dieses Jahres mit Dr. Ronald Künneth, Referent für Innovation und Umwelt bei der IHK Nürnberg über die Ziele dieser Initiative.

Herr Dr. Künneth, wie fing alles an?
Im Jahr 2004 sind Leitunternehmen der Branche auf uns zugekommen und haben gesagt: In unserer Region gibt es zwar funktionierende Netzwerke, nicht jedoch für die Automatisierungstechnik. Hier bestand Nachholbedarf, weil die Automatisierungstechnik zu den dynamischsten und innovativsten Branchen in Nordbayern gehört und zudem als Lösungsanbieter wesentlich zum Erfolg vieler weiterer regionaler Industrieunternehmen beiträgt. Gewünscht wurde ein offenes Netzwerk in Eigenorganisation der Wirtschaft. Diesen Wunsch haben die IHKs im Rahmen der Wirtschaftsförderung aufgegriffen.

Wie hat sich dieses Netzwerk entwickelt?
Innerhalb der letzten Jahre ist das Automation Valley Nordbayern zu einem starken Branchennetzwerk mit über 100 Mitgliedern gewachsen. Die Unternehmen dieses Netzwerks stehen für über 40.000 Arbeitsplätze allein in Nordbayern. Seit Beginn letzten Jahres wirkt das „Automation Valley“ zudem als sehr aktive nordbayerische Säule im bayerischen Cluster „Mechatronik und Automation“.

Wer prägte eigentlich den Begriff „Automation Valley“?
Der Begriff „Automation Valley Nordbayern“ wurde durch den ehemaligen Siemens-Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer geprägt. Das war aber keine ausschließliche Siemens-Entscheidung, sondern wir haben uns im breiten Konsens verständigt, diesen Begriff zu übernehmen.

Der Begriff „Valley“ als Synonym für Hightech kam ja ursprünglich aus Kalifornien.

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Man kann ihn durchaus auf Nordbayern übertragen. Unser Automation Valley umfasst die drei fränkischen Regierungsbezirke und einen Teil der Oberpfalz. Auch diese Regionen befinden sich im Aufbruch, was durch eine Reihe von neuen Technologie-Clustern – wie dem Automation Valley – deutlich wird.

Wie lautet die Zielstellung der Initiative?
Wir wollen Nordbayern als führenden Standort für Automation und Produktionstechnik weiter stärken, vor allem durch die Vernetzung von Herstellern, Lieferanten, Anwendern und F&E-Einrichtungen. Es ist viel Potenzial für Kooperationen vorhanden, das sehen wir auf unseren Veranstaltungen. Weiter möchten wir das Image der Automatisierung verbessern und zeigen, dass es hier nicht um das Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen geht, sondern im Gegenteil darum, die Produktion langfristig in Deutschland zu halten und wettbewerbsfähig zu gestalten.

Wer koordiniert die Aktivitäten?

Die Koordinierung übernehmen die nordbayerischen IHKs aus Aschaffenburg, Bayreuth, Coburg, Nürnberg, Regensburg und Würzburg/Schweinfurt. Sie sind die Träger des Automation Valley. Die Federführung liegt bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken.

Lassen sich auch regionale fachliche Schwerpunkte ausmachen?
Unterfranken bzw. Mainfranken ist besonders stark im Maschinen- und Anlagenbau. In Mittelfranken bzw. der Region Nürnberg ballen sich die elektrische Automatisierungstechnik und zahlreiche Software-Spezialisten. In Oberfranken und der Oberpfalz sehe ich einen breiten Mix über die genannten Bereiche. Als Anwender moderner Automatisierungstechnik spielen in Nordbayern insbesondere Medizintechnik, Energietechnik und Automobilzulieferer eine wichtige Rolle.

Wieviele Menschen arbeiten in den Kernbranchen des Automation Valley?
Die Automatisierungstechnik lässt sich als Querschnittstechnologie nicht exakt den Branchenzweigen zuordnen, für die die Beschäftigtenzahlen erhoben werden. Die Bedeutung der Automatisierung wird aber schon allein durch den Maschinenbau verdeutlicht, der rund 100.000 Beschäftigte in Nordbayern stellt. Auch eine engere Betrachtung ist aufschlussreich: Allein die 100 Mitglieder unseres Netzwerks beschäftigen in Nordbayern rund 40.000 Mitarbeiter. Tatsächlich ist das Arbeitsplatzangebot der gesamten Branche in unserer Region noch weit höher.

Kann man einen besonders wichtigen Schwerpunkt nennen?
Einen Schwerpunkt bildet sicherlich die elektrische Antriebstechnik mit Weltmarktführern wie Siemens, Bosch Rexroth und Baumüller, aber auch vielen mittelständischen Unternehmen wie Oswald oder ABM Greiffenberger. In Nordbayern werden alle Komponenten eines Antriebs produziert, angefangen vom Elektromotor über die Leistungs- und Steuerungselektronik bis hin zum Getriebe. Eng hiermit verbunden ist der Bereich Mess,- Steuer- und Regeltechnik. Hier sind vor allem die Herstellung von Steuerungen und von kompletten Automatisierungslösungen für die Fertigungs- und Prozessindustrie, für die Distributionslogistik und für die Gebäudetechnik hervorzuheben. In den letzten Jahren besonders stark gewachsen sind IT-Unternehmen, die Software für Automatisierungslösungen entwickeln.
Welche Kooperationsprojekte im Automation Valley sind besonders wichtig?
Ein aktuelles Kooperationsprojekt beschäftigt sich mit der systematischen Softwareerstellung in Automatisierungsprojekten. Aufgrund der wachsenden Bedeutung der Software muss deren Entwicklung im Automationsprozess planbarer und effizienter gestaltet werden. Zwischenergebnis des Projekts ist ein HTML-gestützter Leitfaden, dessen Praxistauglichkeit derzeit mit verschiedenen Pilotanwendern getestet wird. Besonders aktiv bei Verbundprojekten im Technologietransfer sind das Institut für elektronische Systeme ELSYS an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg und das hieraus ausgegründete Unternehmen iSyst Intelligente Systeme GmbH. Diese befassen sich mit der Weiterentwicklung mechatronischer Testverfahren beispielsweise zur Reparatur von abgekündigten Bauelementen. Aus der Vielzahl der weiteren regionalen Verbundprojekte möchte ich hier beispielhaft die Entwicklung neuer Montageverfahren im Elektromaschinenbau am Lehrstuhl FAPS der Universität Erlangen-Nürnberg, die Entwicklung von Methoden zur virtuellen Inbetriebnahme von Anlagen an der Hochschule Amberg-Weiden sowie die Erforschung neuer Telematik-Technologien an der Universität Würzburg erwähnen.

Zur Anbahnung von Kooperationen sind auch Messen sehr geeignet.
Im Automation Valley haben wir mehrere, führende Fachmessen. Nürnberg hat einen renommierten Messeplatz für die Automatisierungstechnik und mit der SPS/IPC/Drives eine weltweit führende Messe in diesem Bereich. Weitere Messen mit starkem Bezug zur Automatisierungstechnik sind die PCIM als weltweit größte Leistungselektronik-Messe, die „Embedded World“, die Sensor sowie SMT/Hybrid/Packaging.
Wie sieht die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene aus?
Die Maschinenbauer/Automatisierungsunternehmen sind natürlich stark im Export tätig. Zur Abwicklung internationaler Aufträge brauchen sie Leute vor Ort, jemanden, der die Anlagen in Betrieb nimmt, der für Service und Wartung zuständig ist. Häufig kann sich ein Mittelständler eigene internationale Stützpunkte aber nicht leisten. Nun haben sich einige Unternehmen aus dem Automation Valley bereit erklärt, ihre Infrastruktur für Service, Wartung, und Inbetriebnahme anderen Valley-Mitgliedern zur Verfügung zu stellen. Diese Initiative möchten wir systematisch ausbauen.

Welche laufenden Aktivitäten gibt es noch?
Wir veranstalten regelmäßig überregionale Kooperationsforen, auf denen aktuelle Projekte vorgestellt werden. Bislang haben wir neun Kooperationsforen durchgeführt, jeweils mit rund 100 Teilnehmern. Im Rahmen des Besuchsprogramms „Automation Valley – Profile“ öffnen Unternehmen ihre Türen und stellen innovative Automationslösungen vor.

Können Sie schon sagen, was für dieses Jahr geplant ist?
Wir bieten auch in diesem Jahr wieder eine breite Auswahl von größeren Veranstaltungen, die wir in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Cluster Mechatronik und Automation durchführen. Hinzu kommt die Fortführung der von mir bereits erwähnten Kooperationsprojekte.

Das Gespräch führte Gunthart Mau

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