Kfz-Ersatzteil-Lager

Maßgeschneiderte Kfz-Ersatzteil-Logistik

Schnell, schneller

In dem neuen Lagerhallenkomplex von Conrad in Oberhausen finden mehr als 50.000 verschiedene Kfz-Ersatzteile ihren Platz. (Foto: SSI Schäfer)

Beim Handel mit Kfz-Ersatzteilen ist Schnelligkeit das A und O. Die Werkstattkunden von Conrad Autoteile in Oberhausen erhalten ihre Ware innerhalb von nur 90 bis 120 Minuten nach Auftragseingang ¿ in einem Umkreis von 50 Kilometern und bei Bedarf auch mehrmals am Tag. Dahinter steckt nicht etwa ein automatisiertes Bereitstellungssystem, sondern ein neues Kommissionier- und Abhollager.

Die Investition in ein neues Ladenlokal sowie eine angegliederte, mit modernstem technischem Equipment ausgestattete Lagerhalle markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte eines Unternehmens, dessen Wurzeln bis zurück in das Jahr 1960 reichen. Von einem kleinen Garagenhof aus konzentrierte sich Firmengründer Werner Conrad anfänglich auf den Handel mit Stoßdämpfern und Kupplungen. Abnehmer waren ausschließlich Autohäuser und Werkstätten. Das Geschäft wuchs, das Lieferprogramm und die Räumlichkeiten wurden erweitert, und es kamen neue, auch nicht-gewerbliche Kunden hinzu. So änderten sich die Anforderungen an den gesamten Autoteile-Großhandel im Laufe der Zeit grundlegend – mehr Kfz-Hersteller, mehr Modelle, größere Ersatzteilvielfalt. Die Hersteller wollen die Austauschbarkeit der Teile möglichst gering halten, und obendrein werden die Ersatzteile immer schneller verlangt. Gleichzeitig ist der Konkurrenzdruck durch andere Großhändler und auch durch das Internet gewachsen. Als Gesellschafter von CAR, einem Zusammenschluss von Autoteile-Großhändlern, hat sich Conrad Autoteile zudem verpflichtet, neben fachmännischer Beratung sowie dem Original entsprechenden Produkten zu einem angemessenen Preis auch einen exzellenten Service zu bieten. Deshalb waren bereits 2006 Modifikationen in der Logistik und bei der Beschaffung der Ware notwendig. Nun kam es erneut zu Engpässen, denn der Umsatz passte nicht mehr zu den Räumlichkeiten: Die Lagerkapazitäten mussten nochmals erweitert werden.

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Der Kunde will flexible und schnelle Lieferung

Im Oktober 2011 wurde schließlich das neue Ladenlokal in Oberhausen eröffnet. In dem angegliederten 2.500 Quadratmeter umfassenden Lagerhallenkomplex werden seit Februar mehr als 50.000 verschiedene Kfz-Ersatzteile in Erstausrüsterqualität zentral bevorratet. Der schnelle Zugriff auf weitere 500.000 Artikelnummern ist über Kontakte zu Industrie- und Handelspartnern sichergestellt. Wann geliefert wird, bestimmt letztlich der Werkstattkunde: Alle im eigenen Lager befindlichen Teile werden – wenn nötig – innerhalb von 90 bis 120 Minuten nach Bestelleingang über die eigene Transporterflotte zugestellt. Dreh- und Angelpunkt dieser Ersatzteil-Logistik ist das Kommissionier- und Abhollager, das einen reibungslosen Materialfluss für die Werkstattkunden sowie eine hohe „Mitnahmequote“ für den Shop-Kunden sicherstellt. Die meisten Kfz-Ersatzteile finden Platz in einer selbsttragenden Fachbodenregalanlage R 3000 von SSI Schäfer. Das Regalsystem besteht samt Hallenboden aus drei Lagerebenen, die über Personenaufgänge miteinander verbunden sind. So ist der Raum quasi bis unter das Dach erschlossen, und die zur Verfügung stehende Fläche ist optimal ausgenutzt.

Aufbau und Montage dauerten nur vier Wochen. Währenddessen konnte der Warenbestand sukzessive aus den beiden ehemaligen Lagern in den Neubau verlegt und staplerunterstützt eingelagert werden. Verbaut wurden insgesamt 4.185 Fachböden. Zusätzlich sind 386 Holzbodenebenen sowie 105 Lagerwannen eingebracht worden. Daraus resultieren in Summe 4.676 laufende Meter Lagerfläche. Die Tragfähigkeiten variieren zwischen 100 und 200 Kilogramm. Derzeit kommen rund 1.000 verschiedene Regalkästen zum Einsatz. Ergänzt durch ca. 4.000 Trennwände ergeben sich an die 5.000 Kleinteilefächer mit einem durchgängigen Rastermaß von 1.000 Millimetern, von denen aktuell 85 Prozent belegt sind. Dort finden sich Scheibenbremsbeläge, Luft-, Pollen-, Öl- und Kraftstofffilter, Schalldämpfer, Bremsschläuche, Kupplungen, Scheinwerfer, Radzierblenden, Stahl- und Alufelgen und dergleichen. Schnelldreher, etwa Kerzen und Riemen, werden auf der untersten Ebene bevorratet. Der Lagerbestand ist komplett nach Artikelgruppen und innerhalb dieser Gruppen numerisch in sich sortiert. Dadurch werden Fehler vermieden, und die Ware ist auch dann auffindbar, wenn der Computer mal ausfällt. Gelagert wird unter anderem in Kunststoff-Regalkästen des Typs RK 400 und RK 421, die sich bei Bedarf in bis zu acht Fächer unterteilen lassen. Erleichterung bringen auch die variabel handhabbaren Trennwände der Regalfächer; sie sorgen für mehr Übersichtlichkeit und erleichtern den schnellen Zugriff auf die Teile.

Palettenregal mit Auffangwannen

Ergänzend zum Fachbodenregalsystem ist eine Palettenregalanlage PR 600 installiert worden. Bei einem Rastermaß von 2.700 Millimetern finden dort etwa 280 Euro-Paletten Platz. Sie dient der Lagerung von Batterien, Felgen, Öl, Streusalz, Frostschutzmitteln, Bremsflüssigkeit sowie diversen weiteren Vorräten. Diese Lösung ist zum Teil auch mit Ölauffangwannen für wassergefährdende Stoffe sowie mit Holzböden für die Lagerung von Einzelteilen versehen worden. In die Fachbodenregalanlage integriert sind zwei Warenausgangreihen, in denen jedem Kunden ein eigenes Fach zugewiesen ist. Die dort bereitgestellten Kfz-Ersatzteile haben Mitarbeiter zuvor mit Hilfe von Kommissionier-Rollwagen zusammengestellt. Unterstützt wird der Kommissioniervorgang durch konische Kunststoff-Mehrwegbehälter KMB 642 VB, die bei Bedarf auch für die Kundenbelieferung genutzt werden. pb

Halle 5, Stand 5126

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