Special Motek

Das falsche Signal

Wirtschaftskrisen sind Teil der kapitalistischen Welt. Das Auf und Ab der Konjunktur spiegelt individuelle Stärken und Schwächen ganzer Länder und Industriezweige. Messen leben mit diesen ups and downs, sind sie doch ein echtes Konjunkturbarometer. Teilnehmerzahlen, Standflächen Innovationsfähigkeit, Besucherandrang, Kontakttiefe und -qualität: All dies ergibt Parameter, aus denen sich auf den Zustand der Zielbranchen schließen lässt.

Wenn in wenigen Tagen die Motek zum 30. Mal startet, erlebt sie ein besonderes Jubiläum als stets im Wachstum begriffene Veranstaltung, die in diesem Jahr erneut fünf Hallen mit etwa 1.000 sich präsentierenden Unternehmen in die Ausstellung einbezieht. Die Themenfelder der Motek – Montage, Handhabung und Automation – sind heute Synonyme für zeitgemäße Produktionstechniken und stehen vornan auf der Investitionsrangreihenfolge der Industrien in Europa, Asien und Amerika.

Zum Start der Messe stecken wir aber vielleicht auch schon im Beginn der dritten Wirtschaftskrise binnen eines Jahrzehnts. Nach Dotcom-Blase 2001 und Bankenkrise 2007 kämpfen die Staatschefs der EU, der USA und anderer Staaten gegen eine überzogene Staatsverschuldung. Insbesondere die EU findet keine passenden Konzepte gegen die einhergehende Vertrauenskrise in etlichen Mitgliedsstaaten, weil die Staatschefs über das Für und Wider von Eurobonds und anderen Sanierungkonzepten zerstritten sind. Das einstweilige Rezept einer europäischen Wirtschaftsregierung unter van Rompuy ist alter Wein in neuen Schläuchen und bei den geplanten zweimaligen Konsultationen pro Jahr eher Augenwischerei und rhetorische Krisenbewältigung durch Sarkozy und Merkel.

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Die Jubiläums-Motek findet also zu einem Zeitpunkt statt, der wegen der breiten Verunsicherung der Industrie für den Investitionswillen recht ungünstig liegt. Nachdem die Messe im letzten Herbst so etwas wie ein Frühindikator für einen kurzen aber heftigen Boom war, könnte es dieses Jahr durchaus passieren, dass die Stuttgarter Veranstaltung eine Abkühlung einleitet, die für die Motek-Branchen zum falschen Zeitpunkt kommt.

Die Anbieter haben während der Bankenkrise keine Innovationspause eingelegt. Die in den letzten Jahren vorgenommenen Entwicklungen sind jetzt marktfähig. Sie zeigen: Die industrielle Produktionstechniken befinden sich noch immer gewaltig im Umbruch. Die Kreativität der Techniker lässt weiterhin jede Menge Spielraum nach oben. Die Motek wird dies erneut unter Beweis stellen. Da wäre eine konjunkturell bedingte Bremse das falsche Zeichen.

Ihr

Bernd Waßmann

Stellvertr. Chefredakteur handling

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