handling regional Sachsen/Thüringen

Hightech kontra Arbeitslosigkeit

Die Wirtschaftsregionen Sachsen und Thüringen
Thüringen und Sachsen haben im Osten die Nase vorn: Im Automobilbau, in der IT und im Maschinenbau sind diese Bundesländer rührig, in punkto Dynamik hängt insbesondere Sachsen alle anderen ab. Ein Wermutstropfen aber bleibt: Die konstant hohe Arbeitslosigkeit.

Wer auf die Homepage der thüringischen Landes- und Entwicklungsgesellschaft klickt, bekommt die wichtigste Botschaft sofort per Animation mitgeteilt: Thüringen ist nicht nur die Mitte Deutschlands, sondern liegt auch im Herzen Europas. Das Bundesland mit rund 2,3 Millionen Einwohnern – auch das grüne Herz Deutschlands genannt – hat aber mehr zu bieten: Thüringen ist die Heimat zahlreicher Erfindungen. In Lauscha wurde das Glasauge erfunden, der erste Gartenzwerg aus Ton erblickte in Gräfenroda das Licht der Welt und – Kartenspieler aufgepasst – die Altenburger erfanden 1900 den Skat.

Nun gehören Gartenzwerge und Glasaugen vielleicht nicht zu den Schlüsseltechnologien der Zukunft, doch das Engagement in neue Produkte und Dienstleistungen hält bis heute an: Thüringen gehört mit den meisten Patentanmeldungen zu den ideenreichsten und erfindungsfreudigen Bundesländern. Zusammen mit dem benachbarten Sachsen schaffen es beide Länder, auch in der Gegenwart interessante Industrien und Dienstleistungen anzulocken: Automobilindustrie, IT, Logistik – um nur einige zu nennen. Die positive wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere Sachsens, belegt auch ein Dynamikranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Wirtschaftswoche.

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Dieses Ranking zeichnet die Bundesländer aus, die sich in den vergangenen Jahren am besten entwickelten. Der Sieger 2004 heißt Sachsen. Thüringen landete zwar nur auf Platz zehn, liegt aber immerhin vor den Ländern Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Im sogenannten Bestandsranking liegt Thüringen sogar einen Platz vor Sachsen. Das Bestandsranking bezieht sich – im Unterschied zu der dynamischen Entwicklung – auf das, was ein Land bereits erreicht hat. Fazit: Sachsen und Thüringen stehen in Ostdeutschland an der Spitze und konnten schon einige westliche Bundesländer in punkto Entwicklung in die Schranken weisen. Nach Angaben der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen liegen viele Unternehmen der Automobil- und Zuliefererbranche bei der Produktivität über dem deutschen und sogar über dem europäischen Durchschnitt.

Autoindustrie ist wichtiger Arbeitgeber

Der Automobil- und Zulieferbereich zählt für beide Bundesländer zu den wichtigsten Arbeitgebern. In der sächsischen Wirtschaft sind in dieser Branche etwa 60.000 Menschen in circa 450 Unternehmen beschäftigt. Mit einem Umsatzanteil von mehr als 20 Prozent und einer Exportquote von rund 40 Prozent ist dieser Wirtschaftszweig der Motor des verarbeitenden Gewerbes in Sachsen. Volkswagen, Porsche und BMW zählen dort zu den klangvollen Namen. Im BMW-Werk Leipzig wird seit März die 3er-Limousine produziert. Zur Zeit arbeiten auf dem Werksgelände etwa 2.500 Beschäftigte. Erreicht das Werk mit 650 Fahrzeugen pro Tag die volle Produktionskapazität, sollen dort etwa 5.500 Menschen Arbeit finden.

In Thüringen stellt die Automobil- und Kfz-Zulieferindustrie sogar die meisten Arbeitsplätze; etwa 24 Prozent der Arbeitnehmer in der Industrie sind in der Branche tätig, Tendenz steigend. Insgesamt produzieren dort rund 300 Unternehmen für die Fahrzeugindustrie. Unter ihnen finden sich so bekannte Namen wie BMW, Benteler, Bosch, Donelly-Hohe, Magna, Mann + Hummel, Phoenix, Muhr und Bender, Aktec, Hirschvogel und Emitec. Die Palette der Thüringer Unternehmen reicht von Großbetrieben mit circa 2.000 Beschäftigten bis hin zu flexiblen, kleinen Zulieferern mit maximal zehn Arbeitskräften. Eine Reihe von Unternehmen arbeitet in den Bereichen Fein- und Mikromechanik, Präzisionsteile oder Mechatronik und Automation. Zu den immer wieder genannten Erfolgsgeschichten zählen das Motorenwerk von Mitsubishi Motors und DaimlerChrysler in Kölleda. Beide Unternehmen bauten ein gemeinsames Werk für die Benzinmotoren-Produktion von Kleinwagen der Marken Mitsubishi und Smart. Die Investitionssumme belief sich auf insgesamt 244 Millionen Euro; entstanden sind über 500 Arbeitsplätze.

Jeder zweite PC aus Thüringen

Der Thüringer Professor Karlheinz Brandenburg erfand das Datenformat MP3, mit dem sich heute weltweit Menschen Musik aus dem Internet herunterladen. Der Freistaat gehört mittlerweile zu den bedeutendsten Computerherstellern Europas. Über die Hälfte aller in Europa gefertigten Computer werden rund um die 25.000-Seelen-Stadt Sömmerda zusammengeschraubt. Weitere Vertreter der insgesamt 500 Thüringer Unternehmen der Branche sind Bluechip Computer, Mücom Systeme (Mühlhausen) Logatec in Kölleda, die für Medion die Aldi-PCs zusammenbaut oder der Thüringer Branchenführer Fujitsu Siemens Computers in Sömmerda. Insgesamt verließen dort 2003 etwa 1,5 Millionen PCs die Europazentrale. In Sachsen sind international operierende Konzerne wie AMD, Infineon Technologies und Siltronic präsent. Mit circa 200 Unternehmen und mehr als 20.000 Beschäftigten ist die Halbleiterbranche ein wichtiger Wirtschaftsmotor für den Freistaat.

MaschinenbauIndustrie mit Tradition

Der sächsische Maschinenbau kann auf eine Tradition von über 175 Jahren zurückblicken und zählt heute zu den Schlüsselbranchen. 2003 erzielten rund 34.000 Beschäftigte in den 430 überwiegend kleinen und mittleren Maschinenbauunternehmen einen Gesamtumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Mit einer Exportquote von 42 Prozent bewähren sich die sächsischen Maschinenbauprodukte auch im Ausland. Der Maschinenbau im Freistaat weist nach Angaben der Wirtschaftsförderung Sachsen die höchste Produktivität in Ostdeutschland auf und erwirtschaftet die Hälfte des Branchen­umsatzes der neuen Bundesländer. Zu den namhaften Unternehmen des Werkzeug-, Druck- und Textilmaschinen- sowie des Anlagenbaus zählen Trumpf, StarragHeckert, Niles-Simmons, Union, Hörmann-Rawena, Barmag Spinnzwirn, Karl Mayer Malimo, Schönherr Textilmaschinenbau, Koenig & Bauer, MAN Roland, Linde. Sie alle produzieren in Sachsen. Von den international tätigen Unternehmen abgesehen prägen kleine und mittlere Unternehmen die Branche. Nur wenige Firmen haben mehr als 500 Beschäftigte.

Auch das Gros der Thüringer Maschinenbauunternehmen beschäftigt zwischen 50 und 250 Arbeitskräfte. Dieser Industriezweig ist aus der Produktion von Kleineisenteilen, Werkzeugen und dem Bau von Maschinen – beispielsweise für die Keramik-, Bau- und Nahrungsgüterindustrie – hervorgegangen. Wichtige Standorte sind Suhl, Erfurt, Schmalkalden, Weimar, Apolda und Gera. Neben den Produzenten von komplexen Maschinen und Anlagen etablierte sich eine Reihe Zulieferer von Aggregaten und Maschinenbauteilen. Viele kleine und mittelständische Betriebe behaupten sich erfolgreich im Sondermaschinenbau, in der Automatisierungstechnik sowie im modernen Werkzeugbau.

Die Mitte Deutschlands lockt Logistik

Zahlreiche Unternehmen haben sich bereits für den Standort Thüringen entschieden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands – ganz exakt ist es das Örtchen Niederdorla (Landkreis Mühlhausen). So hat der schwedische Ikea-Konzern im Güterverkehrszentrum nahe der Landeshauptstadt Erfurt ein 350.000 Quadratmeter großes Warenverteilzentrum errichtet. Von hier beliefert Ikea seine Möbelmärkte in ganz Deutschland. Der Logistikanbieter Wincanton Trans European hat sich mit seiner Niederlassung in Eisenach zum logistischen Knotenpunkt der Automobilindustrie Thüringens entwickelt.

Ein großes Problem aber bleibt – die konstant hohe Arbeitslosigkeit. Die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren war zwar auch bundesweit nicht erfreulich, doch mit Arbeitslosenquoten von 17,8 Prozent in Sachsen und 16,7 Prozent in Thüringen können auch die als Musterländle des Ostens angesehenen Freistaaten nicht zufrieden sein. Beim Dynamikranking liegt Thüringen in der Rubrik Arbeitsmarkt sogar einen Platz hinter Brandenburg.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und die Wirtschaftswoche veröffentlichen 2004 zum zweiten Mal eine Vergleichsstudie zwischen den 16 Bundesländern. Sieger des daraus ermittelten Dynamik-Rankings ist Sachsen. Es stellt auf die sogenannte „Performance“ in definierten Einzelindikatoren ab, in dem Fall die Entwicklung in den Jahren 2001 bis 2003. Es ist also nicht entscheidend, wie hoch zum Beispiel die aktuelle Arbeitslosenquote ist, sondern wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Somit haben gerade Länder mit einer schwächeren Ausgangslage eine Chance, hier einen Spitzenplatz zu erreichen. Geraldine Friedrich

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