Fördertechnik

Förderbänder um die Kurve

Industrieforschung in Mitteldeutschland
Professor Dr. Klaus Nendel und seine Mitarbeiter von der TU Chemnitz haben gemeinsam mit einem Schweizer Unternehmen ein Rollelement entwickelt, das Energiebedarf und Verschleiß von Förderbändern verringert.
Die Professur Fördertechnik der TU Chemnitz entwickelt gemeinsam mit einem Unternehmen aus der Schweiz ein Rollelement, das Energiebedarf und Verschleiß von Förderbändern verringert.

Gerade gelandet, stehen die Passagiere im Flughafen am Gepäckband. Koffer für Koffer kommt um die Ecke gebogen – hoffentlich ist der eigene bald dabei, denken sich wohl die meisten Fluggäste. Keine Gedanken werden sie sich darüber machen, wie das Gepäckband eigentlich um die Kurve läuft. In Kurven sind die Belastungen, denen es ausgesetzt ist, andere als auf geraden Strecken. Das Band drückt stärker auf die Laufschiene, die es im Innenradius der Kurve führt – es entsteht Reibung, das Material erhitzt sich.

Wissenschaftler der TU Chemnitz haben nun gemeinsam mit der Walter Reist Holding in der Schweiz – basierend auf einem Patent dieses Unternehmens – eine Lösung entwickelt, mit der Förderbänder mit weniger Energieaufwand um die Kurve gelenkt werden. Die Grundidee: Die üblicherweise auftretende Gleitreibung wird durch Rollreibung ersetzt und dadurch wesentlich verringert. Dafür haben die Forscher Rollelemente entwickelt, die in die Kurven eingebaut werden. Bei kleinen Förderanlagen wird schon jetzt mit einem Bogenrad gearbeitet, das den gesamten Kurvenradius ausfüllt. Bei breiten Förderbändern ist dies aus Platzgründen nicht möglich. Stattdessen haben die Wissenschaftler ovalförmige Bauteile konstruiert, bei denen runde Körper die Last rollend abtragen können, sich dem Kurvenverlauf beliebig anpassen lassen und somit das Förderband seitlich abstützen. Durch die Rollen wird die Reibung minimiert. Das Förderband läuft leichter, und der Antriebsmotor muss weniger arbeiten.

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In Langzeitmessungen haben die Wissenschaftler nachgewiesen, dass die Rollelemente einen Bewegungswiderstand haben, der zehn bis fünfzehn Mal geringer ist als in herkömmlichen Anlagen. Die Messungen haben gezeigt, dass der Kraftaufwand beim Antrieb – je nach Anwendungsfall – um 60 bis 80 Prozent sinkt. Das ermöglicht es, auch lange Anlagen aus weniger Einzelstücken zusammenzusetzen. So verringert sich die Zahl der Übergabestellen, an denen die transportierten Güter von einem Band aufs nächste wechseln. Diese Stellen bergen immer Risiken. Außerdem verringert sich die Zahl der benötigten Antriebe. Die neuen Elemente bestehen ausschließlich aus Kunststoff und sind schmierungs- und wartungsfrei. Dadurch können sie auch unter rauen Umgebungsbedingungen sowie in der Lebensmittelverarbeitung und in Reinräumen eingesetzt werden. bb

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