Einleitungstext Sonderteil Sachsen-Thüringen

Hightech aus Mitteldeutschland

Wirtschaftsregionen Sachsen und Thüringen
Die Bundesländer Sachsen und Thüringen liegen geographisch betrachtet im Mittelpunkt Deutschlands – und damit exakt im Schnittpunkt der etablierten Märkte Westeuropas und der neuen Wirtschaftslandschaft Osteuropas. Beide Standorte haben in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung einen starken Strukturwandel erlebt, zählen inzwischen jedoch zu den wachstumsstarken Regionen Deutschlands: 16 Jahre nach dem Mauerfall sind nichtwettbewerbsfähige Wirtschaftszweige geschlossen, unrentable Arbeitsplätze abgebaut, stillgelegte Braunkohlewerke befinden sich in der Rekultivierung. Heute überzeugen die Länder durch ihre Innovationskraft und ihren unternehmerischen Geist. Einziger Wehrmutstropfen bleibt die hohe Arbeitslosigkeit, die noch immer nicht gelöst ist.

Zahlreiche Vorteile bietet die hochentwickelte Infrastruktur beider Länder: Sachsen und Thüringen verfügen über ein gutausgebautes Straßennetz, ihr Telekommunikationsnetz gehört zu den modernsten in Europa. Sachsen hat mit dem Industriedreieck Dresden-Leipzig-Chemnitz und dem nahe gelegenen internationalen Flughafen Leipzig eine direkte Anbindung an internationale Märkte; Thüringen hält mit dem Technologiedreieck Erfurt- Ilmenau-Jena und dem Flughafen Erfurt dagegen. Wichtigste Branchen sind der Maschinenbau, die Automobilindustrie, Feinmechanik, Biotechnologie, Optik und Mikroelektronik. Heute liegt Sachsen (Landeshauptstadt Dresden) vor Thüringen (Landeshauptstadt Erfurt) auf einem Spitzenplatz der ostdeutschen Wirtschaft.

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Wachstumsstark und innovativ

Das verarbeitende Gewerbe stellt in Sachsen und Thüringen neben dem Dienstleitungssektor den wichtigsten Arbeitgeber dar. Neben internationalen, global agierenden Unternehmen wie BMW, Bosch, Opel, Mann + Hummel in Thüringen oder Heidelberg, Koenig & Bauer, MAN Roland sowie Linde in Sachsen charakterisieren inzwischen auch wieder viele mittelständische Betriebe die Wirtschaftstandorte. Sie haben sich aus ehemals staatseigenen Betrieben oder mit innovativen Ideen neugegründet – und bezeugen wachstumsstark die Kraft der Regionen. Dabei sind unternehmerisches Denken und Handeln keine neuen Werte in den Bundesländern: Das Dreieck Dresden-Leipzig-Chemnitz gehörte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg zu den ertragsreichsten Wirtschaftsstandorten Deutschlands. Und die gesamte Region Mitteldeutschland bildete mit vielen Eigentümer geführten Betrieben eines der wichtigsten industriellen Zentren Deutschlands.

Schneller Wissenstransfer

Neben traditionellen Kompetenzen werden in Sachsen und Thüringen heute verstärkt die Chancen neuer Technologien genutzt: Hightech-Produkte gehören zu den wichtigsten Exportgütern. Viele der Unternehmen sind in sich schnell ändernden Wachstumsbranchen tätig, zu deren wichtigsten Flexibilität, Marktnähe und Schnelligkeit zählen. Um das sicherzustellen, stehen auch kleineren und mittelständischen Betrieben nah gelegene Universitäten, Hochschulen und wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen kompetent zur Seite. Sie treiben Grundlagenforschung und entwickeln produktnahe Lösungen, liefern notwendige Informationen und sichern so den Wissens- und Technologietransfer. Gemeinsam mit den Ausbildungseinrichtungen der Länder Sachsen und Thüringen bilden sie das wissenschaftliche Rückgrat, um den technischen Anforderungen anspruchsvoller Märkte und der modernen Informationsgesellschaft zu begegnen.

Gabriele Bräunling

Sachsen und Thüringen: Bundesländer mit Zukunft

Welche Chancen und besonderen Vorteile bieten die Wirtschaftstandorte Sachsen und Thüringen? Zwei Institutionen, die um die Vorzüge der Bundesländer wissen, sind die Wirtschaftsförderung (WFS) Sachen und die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen. Ihre Aufgabe ist es, Investoren und Firmengründer in Standortfragen zu beraten. Im Interview erklären Markus Lötzsch, Geschäftsführer der WFS, und Andreas Krey, Sprecher der Geschäftsführung der LEG, wo sie die Zukunft der Bundesländer sehen.

Handling: Herr Lötzsch, wie hat sich der Wirtschaftsstandort Sachsen während der letzten Jahre verändert?

Lötzsch: Sachsen hat seit jeher eine reichhaltige Industrielandschaft. Darauf konnte nach der Wende aufgebaut werden. Wir sprechen heute vom „Autoland Sachsen“ mit Werken von Volkswagen, BMW, Porsche und Neoplan sowie 450 Zulieferern. Das „Silicon Saxony“ mit den Leuchttürmen AMD, Infineon, Siltronic und ZMD hat sich im Raum Dresden und Freiberg entwickelt. Westsachsen knüpft erfolgreich an seinen Ruhm als Maschinenbaustandort an. Ein aufstrebender Wirtschaftszweig sind die Live-Sciences in Dresden und Leipzig. Wohl in Sachsen fühlen sich die Branchen Logistik (DHL!), Oberflächen und Beschichtung, Nanotechnologie, Communication Center und erneuerbare Energien.

Handling: Die Unternehmen in den neuen­ Bundesländern mussten nach der Wende oftmals neu anfangen und haben eine ganz andere Geschichte als Betriebe in den „alten“ Ländern. Sehen Sie wesentliche Unterschiede?

Lötzsch: Ein Hauptunterschied ist, dass das Gros unserer Betriebe einfach kleiner ist als im Westen und die Eigenkapitaldecke – noch – nicht ausreicht für große Sprünge. Das wird aber durch andere Eigenschaften ausgeglichen. In der DDR waren die Betriebe gezwungen, aus „nichts“ etwas zu machen. Nach der Wende wurden sie kräftig durcheinander geschüttelt. Das gilt noch viel mehr für die Menschen mit heute – für westliche Verhältnisse – ganz erstaunlichen Arbeitsbiographien. Das ist insgesamt mit einem Aufbruch- und Veränderungswillen, einer Zähigkeit, sich nicht unterkriegen zu lassen und einer ständigen Innovationsbereitschaft verbunden. Darin sehe ich eindeutige Standortvorteile.

Handling: Wo liegen die Stärken Sachsens? Wo sehen sie neue Chancen?

Lötzsch: Politisch: Dass hier klare Verhältnisse herrschen, dass zum Beispiel das Solidarpaktgeld investiert und nicht konsumiert wurde. So wurde hier eine für die Zukunft tragfähige Infrastruktur aufgebaut. Wirtschaftlich: Dass tragfähige Cluster entwickelt wurden, die sich aus eigener Kraft weiter entwickeln – beispielsweise von der Mikro- zur Nanotechnologie, vom Maschinen- und Anlagenbau zu neuen Materialien. Wissenschaftlich: Dass Sachsen eine außerordentlich gut ausgebaute F&E-Landschaft besitzt – allein in Dresden ist Fraunhofer zehnmal vertreten. Kulturell: Da hat Sachsen sowieso die Nase vorn. Eine weitere Stärke ist die Nähe zu den sich neu entwickelnden Märkten Osteuropas und die Ostkompetenz. Damit sind die Chancen gleich mit umrissen.

Handling: Mit welchen Aufgaben beschäftigt sich Ihre Gesellschaft gerade? Wo sehen sie neue Chancen?

Lötzsch: Eine Daueraufgabe ist die Akquise neuer Unternehmen, die Arbeitsplätze in Sachsen schaffen und die Erforschung neuer Märkte, um den Export heimischer Firmen zu steigern und damit Arbeitsplätze zu sichern und zu mehren. Wir bearbeiten verstärkt die Märkte Russ­lands und der GUS-Staaten. In jüngster Zeit rückt Indien in den Fokus. Nord­amerika gehört zu den gehegten Stammkunden. Große Chancen sehen wir im gemeinsamen Wirtschaftsraum von Brandenburg, Sachsen, den angrenzenden Wojewodschaften (Verwaltungsbezirke) Polens und der grenznahen Landkreise Tschechiens. Für international agierende Unternehmen dürfte dieser Raum im Sinne einer Mischkalkulation für Standorte von Leitung, Entwicklung, Produktion, Vermarktung und Logistik ein brandheißer Tipp sein.

Handling: Was beschäftigt sie momentan am meisten?

Lötzsch: Die Debatte um den „Standort Deutschland“. Nicht zuletzt die jüngste DIHK-Umfrage unter den „Auswande­rern“ hat ergeben, dass viele Unternehmen in Deutschland bleiben würden, wenn einige Standortvoraussetzungen anders wären. Dabei wurden unter anderem die Löhne und die Bürokratie genannt. Leider wird der Standort dabei über einen Kamm geschoren. Der „Standort Sachsen“ weist bei einigen Bedingungen ganz wesentliche Unterschiede auf. Deshalb wollen wir Sachsen als Alternative für eine kostengetriebene Standortverlagerung ins Ausland ins Gespräch bringen. Denn die Arbeitsplätze sollen in Deutschland bleiben.

(Dazu Bild gb999_3)

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