Special Wirtschaftsregion Mitteldeutschland

Bewegter Osten

Wirtschaftsentwicklung in Mitteldeutschland
Der Automobilbereich zählt in Mitteldeutschland zu den wichtigsten Arbeitgebern; hier die Endfertigung des VW Passat im Werk Mosel. (Foto: Volkswagen Sachsen)
Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt konnten über die vergangenen Jahre ihre Arbeitslosenquote verringern. Alle drei Bundesländer sind im Automobilbau präsent, Sachsen und Sachsen-Anhalt im Maschinenbau stark, Thüringen bewährt sich als Logistikstandort.

Ausgediente Tagebaugeräte als Konzertkulisse, eine Zuckertour in der Magdeburger Börde, eines der ersten Ganzmetallflugzeuge der Welt („Tante Ju“) in Dessau oder das Deutsche Chemie-Museum in Merseburg – Sachsen-Anhalt bietet technikinteressierten Touristen Ausflüge in die Industriegeschichte an. Doch das Bundesland kann nicht nur mit der Industrieromantik vergangener Tage punkten, denn im fünften wissenschaftlichen Bundesländerranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) belegte Sachsen-Anhalt im Dynamikranking den zweiten Platz. Die Studie berücksichtigt für jedes einzelne Bundesland zahlreiche ökonomische und strukturelle Indikatoren wie Arbeitsproduktivität, Bruttoinlandsprodukt oder Investitionsquote und fasst diese in Länder-Rankings zusammen. Das Dynamikranking beurteilt die Entwicklung der einzelnen Bundesländer, im Unterschied dazu bewertet das Bestandsranking die absoluten Werte.

Ein schöner Erfolg: In allen drei Bundesländern, also Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, nahm demnach die Arbeitslosigkeit über den Bewertungszeitraum 2004 bis 2006 ab. Sachsen-Anhalt erzielte sogar Platz eins bei der Entwicklung der Arbeitslosenquote. Absolut betrachtet lag diese mit 18 Prozent in 2006 zwar immer noch sehr hoch, im Zeitraum von 2004 bis 2006 ging sie aber um 2,0 Prozentpunkte zurück, während sie bundesweit im Durchschnitt um 0,2 Prozentpunkte stieg. Zum Vergleich: In Sachsen nahm die Arbeitslosenquote im selben Zeitraum um 0,8 Prozent ab, die Quote betrug 2006 17 Prozent, in Thüringen ging die Arbeitslosigkeit um ebenfalls starke 1,2 Prozent zurück, bei einer absoluten Höhe von 15 Prozent in 2006.

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Nach wie vor generiert das Bundesland sein Wirtschaftswachstum vor allem in den traditionellen wirtschaftlichen Schwerpunktbereichen wie der chemischen Industrie sowie dem Maschinen- und Anlagenbau. So steigerte sich der Umsatz der chemischen Industrie in Sachsen-Anhalt 2007 um 20,6 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Die Anzahl der Beschäftigten in den knapp 200 Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau legte um mehr als 12 Prozent zu, so stark wie in keiner anderen Branche. Mit einer Exportquote von rund 33 Prozent ist der Maschinen- und Anlagenbau zudem ein wesentlicher Träger der insgesamt positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Sachsen-Anhalt. Eine ebenfalls überdurchschnittliche Umsatzentwicklung im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten der Fahrzeugbau und die Metallverarbeitung. Die Branche Sonstiger Fahrzeugbau, zu der unter anderem der Schiffbau, der Schienenfahrzeugbau, der Luft- und Raumfahrzeugbau und die Herstellung von Krafträdern und Fahrrädern zählen, ist um 34,4 Prozent gewachsen. Die Umsatzsteigerung in der Metallerzeugung und -bearbeitung beträgt 19,6 Prozent.

In Sachsen-Anhalt hat sich eine Zulieferindustrie für die Automobilbranche mit über 250 Firmen und etwa 18.000 Mitarbeitern etabliert. Ein Beispiel: Zu den Kunden des Automobilzulieferers Eldisy in Gardelegen zählen Audi, VW, Porsche und DaimlerChrysler. Das Unternehmen hat sich auf Gummi- und Kunststoffteile für Autos, vor allem auf Dichtungen für Türen spezialisiert. Seit der Eröffnung im Jahr 2001 expandiert das Werk. Betrug der Umsatz im vergangenen Jahr 17,5 Millionen Euro, sollen es in diesem Jahr 23 Millionen Euro sein.

Autoindustrie ist wichtiger Arbeitgeber

Der Automobil- und Zulieferbereich zählt für alle drei Bundesländer zu den wichtigsten Arbeitgebern. So zählt in Thüringen die Automobil- und Zulieferbranche mit 440 Unternehmen traditionell zu den größten Arbeitgebern, rund 45.000 Beschäftigte sind in der Branche tätig. Die Palette der Thüringer Unternehmen reicht von Großbetrieben mit 2.000 Beschäftigten bis hin zu flexiblen kleinen Zulieferern mit bis zu zehn Arbeitskräften. Allein das Umsatzvolumen des Bereiches Automobile und Automobilzulieferer betrug im vergangenen Jahr rund sechs Milliarden Euro. Nach Angaben der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen liegen viele Betriebe der Branche in punkto Produktivität über dem deutschen und europäischen Durchschnitt.

Die Bedeutung der Automobilindustrie resultiert in Thüringen nicht nur aus der Fahrzeugfertigung selbst, sondern auch aus den vor- und nachgelagerten Bereichen. Eine Reihe von Unternehmen arbeitet in den Bereichen Fein- und Mikromechanik, Präzisionsteile oder Mechatronik und Automation. Umsatzschwerpunkt der Thüringer Automobil- und -zulieferindustrie bilden neben der Fahrzeugfertigung auch die Herstellung von elektrischen Ausrüstungen für Fahrzeuge und Motoren, die Metallbe- und -verarbeitung sowie die Gummi- und Kunststoffverarbeitung. Der bedeutendste Automotive-Standort ist die Region Eisenach, gefolgt von Gotha. In Kölleda bei Erfurt fertigt die MDC Power GmbH Dieselmotoren.

Die Automobilindustrie in Sachsen erwirtschaftet mit 22,4 Prozent im Jahr 2006 (2005: 21,1 Prozent) den größten Umsatzanteil am Verarbeitenden Gewerbe dieses Bundeslands. Schätzungsweise arbeiten in der überwiegend klein- und mittelständisch strukturierten Branche über 500 Betriebe mit mehr als 70.000 Beschäftigten. Der Anteil der Automobilindustrie am gesamten sächsischen Export beträgt rund 36 Prozent. Aktuell plant BMW sein Werk in Leipzig zu erweitern. In Chemnitz sind im Werkzeugmaschinenbau beispielsweise die Niles-Simmons-Hegenscheidt Gruppe, StarragHeckert und Trumpf aktiv. Mit dem Werk Radebeul der Koenig & Bauer AG ist der Marktführer bei Bogenoffset-Druckmaschinen in Sachsen tätig. In Plauen stellt die MAN Roland Druckmaschinen AG Rollenoffset-Rotationsmaschinen für den Zeitungsdruck her. Sachsens Stärke ist auch die Branchenvielfalt. Nicht nur traditionelle Branchen wie Elektrotechnik, Maschinen- oder Fahrzeugbau sind stark vertreten, speziell in den Hochtechnologien Lifesciences, Mikroelektronik/IT, und Fertigungstechnik zeigt Sachsens Wirtschaft Innovationskraft. Die Vertreter des sächsischen Investorenportals „Invest in Saxony“ bezeichnen Sachsen als eine der am stärksten industrialisierten deutschen Regionen.

Die Mitte Deutschlands lockt Logistik

Die Lage Thüringens im Zentrum Europas ist prädestiniert für die Logistikbranche:

Schon im Mittelalter kreuzten sich hier die wichtigsten europäischen Handelsstraßen. Heute sind es bereits mehr als 250 Unternehmen der Logistikbranche, die von der Lagegunst des Freistaats profitieren. Etwa 10.000 Mitarbeiter beschäftigen diese Unternehmen. Darunter gibt es eine Vielzahl von Unternehmen aus den Bereichen Gütertransport, Spedition, Frachtumschlag, Postdienste und private Kurierdienste. Als Standort in der Branche ist besonders die Region entlang der A 4 und am Erfurter Kreuz gefragt, wo sich A 4 und A 71 treffen. Ob Werks- oder Auftragslogistik – das Spektrum reicht bis zur umfassenden logistischen Veredelung wie Endmontage oder Finishing. Steigende Exporte der Thüringer Industrie sorgen für wachsende Nachfrage im Land. Wichtig ist auch das Zusammenspiel von Automobilindustrie und Logistikdienstleistern. Eine Reihe von Logistikunternehmen sorgt dafür, dass Teile und Komponenten der Thüringer Zulieferer „Just-in-Time“ an Automobilhersteller in fünf Stunden nach ganz Deutschland gelangen.
Geraldine Friedrich

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