Technische Logistik

Forschen für die Industrie

Neuer Studiengang Logistik und Materialflusstechnik 2008 geplant
Professor Nendel im Forschungslabor Fördertechnik an der TU Chemnitz.
Forschen, lehren, koordinieren: Die Fördertechnik ist ein breites Aufgabenfeld. Hier heißt es zugreifen und bewegen. Ein Gespräch mit Professor Klaus Nendel, Prodekan der Fakultät Maschinenbau an der Technischen Universität Chemnitz, Direktor des Instituts IMK und Inhaber der Professur Fördertechnik über Grundlagen- und angewandte Forschung und Technische Logistik.

Herr Professor Nendel, Sie haben vielfältige Aufgaben im Rahmen Ihrer Professur für Fördertechnik. Welche grundlegenden Schwerpunkte lassen sich herausstellen?
Klaus Nendel: Ich möchte drei Schwerpunkte aufzeigen: Da ist erstens die von mir zu verantwortende Forschung zur Fördertechnik, die sehr anwendungsorientiert und industrienah angelegt ist. Wir gehören zu jenen Instituten, die Fördertechnik, Equipment entwickeln und nicht nur Logistik betreiben. Dafür stehen uns pro Jahr Drittmittel in Höhe von 1,2 bis 1,3 Millionen Euro zur Verfügung, worin sich letztendlich auch der Erfolg unserer bisherigen Forschungen spiegelt. Die Lehre, die Ausbildung der Studierenden, ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt meiner Professur. Ich lehre vor allem Grundlagen der Fördertechnik beziehungsweise zu wichtigen Spezialgebieten der Fördertechnik. Gegenwärtig bin ich dabei, einen neuen Studiengang für 2008 zum Thema Logistik und Materialflusstechnik zu entwickeln. Ein dritter Schwerpunkt meiner Tätigkeit besteht in der wirksamen Zusammenarbeit mit der regionalen Industrie. Das beinhaltet unter anderem gemeinsam zu forschen, wichtige Dienstleistungen für die Firmen auszuführen und Unternehmen bei der Lösung vielfältiger Aufgaben zusammenzubringen.

Ihre wissenschaftliche Arbeit ist thematisch breit gefächert. Grundlagenforschung und die bereits erwähnte industrienahe Forschung sind dabei als zwei zusammengehörende Säulen zu erkennen. Worauf ist Ihre Grundlagenforschung fokussiert?
Nendel: Da geht es zum einen um die Anwendung neuer Materialien für die Entwicklung und Konstruktion von Fördertechnik, um diese leichter zu machen und um damit schnellere Prozesse zu ermöglichen. Ein wichtiges Forschungsfeld dafür ist der kombinierte Einsatz von Kunststoffen und Textilien. Die Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut an der TU Chemnitz erweist sich dabei als besonders fruchtbar. Zum anderen ist die Grundlagenforschung auf die Untersuchung tribologischer Prozesse und Probleme ausgerichtet. Fördertechnik hat ja auf Grund der oftmals sehr langen Anlagen und der enorm bewegten Teile viel mit Reibung und Verschleiß zu tun. Reibung zu senken und Verschleiß zu reduzieren sind deshalb entscheidende Forschungsaufgaben. Das sind die zwei grundlegenden Themen, die meine Grundlagenforschung gegenwärtig dominieren.

Ihre angewandte beziehungsweise industrienahe Forschung ist natürlich umfassender und vielfältiger ausgerichtet.
Nendel: Ja, selbstverständlich. So entwickeln wir – um Ihnen ein Beispiel zu geben – konkrete Kettenfördersysteme im Auftrag von Unternehmen, was von systematischen Untersuchungen über 3D-Konstruktionen sowie den eigenen Prototypenaufbau mit den entsprechenden Tests in unseren Labors bis hin zu rechnergestützten Dimensionierungsprogrammen reicht. Industrienahe Forschung lässt sich eben besonders wirksam gestalten, wenn die Unternehmen mit den von ihnen zu lösenden Problemen auf uns zukommen und wir gemeinsam forschen. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die Forschungsarbeit, die wir über wissenschaftliche Förderprogramme gemeinsam mit kleinen und mittleren Industrieunternehmen, die ja in der Regel kaum in der Lage sind, umfassende Entwicklungsarbeit selbst zu leisten und zu finanzieren, erfolgreich gestalten.

Die mit der Firma Rolle Mühle in Waldkirchen entwickelte Öko-Verpackung Brantex ist dafür sicher ein gutes Beispiel.
Nendel: Ja, das ist ein treffendes Beispiel. Die Motivation für diese Forschung erwuchs zum einen daraus, wie Kleie, die bei der Mehlproduktion anfällt, weiter verwendet werden kann und zum anderen, ob und wie wertvolle Schaumkunststoffe als Verpackung ersetzt werden können. Das entwickelte Verfahren lässt sich kurz folgendermaßen beschreiben: Der Kleie werden in geringen Mengen Baumwollfasern beigemengt. Beide Rohstoffe werden dann mit Wasser vermischt. Die dabei entstehende pastöse Masse wird in Formen gepresst und die Formkörper werden mittels großer Mikrowellen getrocknet. Die so entstandene Verpackung, Brantex (bran engl. = Kleie) genannt, ist nicht nur vollständig biologisch abbaubar, sondern auch bei hohen Flächenlasten stabiler als Schaumkunststoffe. So eignet sie sich unter anderem auch für die Verpackung im Maschinenbau.

Auf den Messen SIT (Chemnitz) und INTEC (Leipzig) 2007 haben Sie ein von der Industrie mit großem Interesse aufgenommenes Forschungsergebnis vorgestellt, das Sie den „aktiven Zahnriemen“ nennen. Was verbirgt sich dahinter?

Nendel: Vereinfacht gesagt: Ein Zahnriemen, der selber zugreift. Dazu werden auf dem umlaufenden Zahnriemen die entsprechenden Greifer befestigt. Die Greifer befinden sich ständig im Umlauf, wodurch sehr kurze Taktzeiten erreicht werden. Derartige Zahnriemen sind dadurch effizienter und auch kostengünstiger als zum Beispiel konstruktiv aufwendige, lange Linearachsen, die zur Aufnahme und zum Transport einen zeitintensiven Rückhub benötigen, was Leerlauf bedeutet. Der „aktive Zahnriemen“ ist übrigens ein Forschungsprojekt, das wir gemeinsam mit dem Unternehmen Norditec Antriebstechnik in Zahrensdorf bearbeiten und das im Rahmen des Forschungsprogramms „Pro Inno“ durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wurde.

Viel Kraft und Zeit investieren Sie in die Entwicklung der Technischen Logistik als Wissenschaftsdisziplin. Sie sind Gründungsmitglied der in 2004 eigens dafür geschaffenen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Technische Logistik (WGTL). Wie geschieht das?
Nendel: Auf vielfältige Art und Weise. Da werden wissenschaftliche Arbeiten angeregt, betreut und publiziert, wofür eigens die Internetplattform logistics-journal geschaffen wurde. Die jährlich stattfindenden Fachtagungen dienen diesem Ziel, auf denen auch der wissenschaftliche Nachwuchs zu Wort kommt. Nebenbei: Die nächste Fachtagung findet 2008 in Chemnitz statt. Bedeutsam dafür sind natürlich die gemeinsamen Messeauftritte, um die Forschungsergebnisse einem breiten Fachpublikum zu präsentieren, wie zum Beispiel auf der Intralogistik-Messe CeMAT in Hannover.

Ihre konkrete Forschungsplanung für 2007 steht. Welche Aufgaben wollen Sie in diesem Jahr lösen?
Nendel: Voranzubringen ist in 2007 vor allem einerseits die Forschung zur faserverstärkten Kunststoffkette, die bereits patentiert ist und in diesem Jahr als Prototyp herzustellen sein wird. Andererseits steht die Entwicklung von Fördertechnik auf der Basis von Holzverbundwerkstoffen im Fokus.
Das Gespräch führte Dr. Bernd Bräuer.

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