Spindel- und Lagerungstechnik

Es dreht sich

Spindeln und Lager aus Sachsen
„Fabrikgelände“ ist eine bekannte Adresse in Fraureuth. Einst entstanden hier Wolle und Garn, dann stilvolle Tassen und Terrinen. Heute sind es modernste Lager und hochleistungsfähige Spindeln der Firma SLF, die in alle Welt gehen. Ein Besuch beim Maschinenbau-Zulieferer.

Die Mülltonnen stehen akurat Spalier am Straßenrand, gepflegte Blumenrabatte schmücken die Häuser, die Gehwege sind sauber gefegt, und die Tasse Kaffee beim Bäcker, wo man sich morgens zum ersten kleinen Tratsch trifft, kostet siebzig Cent – Fraureuth, eine Gemeinde im Westen Sachsens, ist einladend, hübsch, beschaulich. Rund fünfeinhalbtausend Einwohner leben hier, unweit von Zwickau, am Rand des Erzgebirges. Porzellanliebhaber kennen den Ort: 1865/66 haben die beiden Vettern Arwed Gustav von Römer und Georg Bruno Foedisch die Porzellanmanufaktur Römer und Foedisch in einer ehemaligen Wollkämmerei in Fraureuth gegründet. 1891 entstand hieraus die Fraureuth AG, die 1926 in Konkurs ging; die Produktion wurde eingestellt. Just auf diesem Gelände, auf dem einst kostbare Tassen, Teller und Terrinen entstanden, die heute Sammlerherzen höherschlagen lassen, werden heute Wälzlager und Werkzeugmaschinenspindeln von der Firma Spindel- und Lagerungstechnik Fraureuth GmbH, kurz SLF, entwickelt und gefertigt.

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Hier bewegt sich was

Verschlafen, wie der erste Blick glauben machten wollte, ist Fraureuth also doch nicht, denn hier bewegt sich was – im wahrsten Wortsinn. SLF steht für höchsten Standard, technischen Fortschritt und modernste Herstellung oben genannter Produkte sowie von zylindrischen Wälzkörpern, erläutert Dr. Frank Schlegel, Geschäftsführer des Unternehmens, seit 1993 eine GmbH. Die Firmenhistorie ist en detail bei Wikipedia aufgeführt. Spindeleinheiten und Kugellager aus Fraureuth gehen an viele renommierte Unternehmen sowohl im Inland als auch in 40 Ländern weltweit, in der Hauptsache für Werkzeugmaschinen und Getriebe. Die sächsischen Spindeln und Lager werden in Anlagen zu Land und zu Wasser eingesetzt. SLF ist unter anderem Q1-Lieferant der Deutschen Bahn. Ein neuer Markt, bei dem auch mit den Fraureuthern zunehmend gerechnet werden darf, sind Lager für Windkraftanlagen.

Starke Wettbewerber insbesondere in der Lagerungstechnik gibt es einige, sowohl in Deutschland als auch im Ausland, speziell Asien, aber das sieht der Chef gelassen: „Wir behaupten uns, weil wir flexibler und schneller sind und uns voll und ganz nach den Kundenwünschen richten“, erklärt Dr. Schlegel. Kleine Stückzahlen sind ebenso wenig ein Problem wie Sonderanfertigungen. SLF-Produkte entsprechen der Qualität der Mitwettbewerber und sind gekennzeichnet durch den Einsatz hochwertiger Ausgangsmaterialien, einer qualitativen Verarbeitung und ausschließlich MADE IN GERMANY.

Zylinderrollen aus Keramik

Einen Hauptanteil am Erfolg des Unternehmens tragen die Mitarbeiter, gegenwärtig 350. Sie kommen alle mehr oder weniger aus der Region. Sie haben dem größten Arbeitgeber des Ortes auch in der Krisenzeit die Treue gehalten. „2009 hatten wir einen Einbruch von 40 Prozent zu verkraften, doch wir konnten alle Mitarbeiter halten, weil die gesamte Belegschaft den Gürtel enger geschnallt hat“, freut sich Dr. Schlegel. Fluktuation gibt es fast keine, und junge Leute haben hier eine beachtenswerte Perspektive: Wer bei SLF Zerspanungsmechaniker werden möchte und während der dreieinhalbjährigen Lehrzeit zeigt, was in ihm steckt, kann bleiben. „Sogar während der Krise haben wir unsere Lehrlinge übernommen“, so der Geschäftsführer. Wissen und Kompetenz bleiben im Unternehmen, und Erfahrungen können weitergegeben werden. Das ist fruchtbarer Boden für Innovationen, zum Beispiel werden seit diesem Jahr Zylinderrollen aus Keramik in Fraureuth selbst hergestellt. Diese werden unter anderem in hochgenauen Zylinderrollenlagern verwendet, wo sie zur Drehzahlerhöhung und speziell zur Stromisolierung beitragen.

Alle Produkte von SLF entstehen hier am Standort, wo Geschichte und Zukunft zusammentreffen. Für eigene Forschungen ist der Betrieb zu klein. Doch Dr. Frank Schlegel hat ständig aktuelle Trends und Entwicklungen im Blick, etwa neue Geometrien, Schmier- und Werkstoffe. Und den Gärtner, der den Teich auf dem Fabrikgelände säubert, die Beete harkt und neue Blumen pflanzt. Der Pförtner schaut auf und winkt.

Petra Born

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