Maschinenbau Sachsen

Systemkompetenz

Seit acht Jahren unterstützt die Verbundinitiative Maschinenbau Sachsen in Chemnitz (VEMAS) regionale Unternehmen mit Netzwerkarbeit und Technologietransfer. Über die konkrete Arbeit der Initiative sprach handling-Chefredakteurin Petra Born mit dem Projektmanager, Prof. Dr.-Ing. Dieter Weidlich.

handling: Herr Professor Weidlich, die Verbundinitiative Maschinenbau Sachsen initiiert und begleitet Kooperationen zwischen Unternehmen. Wie muss man sich das vorstellen?
Prof. Weidlich: Wir bringen möglichst viele sächsische Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus zusammen mit dem Ziel, sie in ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, indem wir Innovationen fördern und Marktzugänge erleichtern. Das erreichen wir, indem wir den Firmen und Forschungseinrichtungen eine Plattform bieten, auf der sie einander kennenlernen, miteinander kooperieren können oder auch gemeinsam auftreten, etwa mit Gemeinschaftsständen auf Messen. Außerdem organisieren wir regelmäßig Anwender-Workshops zum gegenseitigen Vorstellen und zum Austausch von Erfahrungen und Technologieforen zur Präsentation der Systemkompetenz in ausgewählten Technologiebereichen. Kurzum: Wir wollen mit unserer Arbeit die Systemkompetenz der sächsischen Unternehmen sowie ihr nachhaltiges Wirtschaften herausstellen.

handling: Warum ist das nötig?
Prof. Weidlich: Der sächsische Maschinen- und Anlagenbau kann zwar auf eine lange Tradition zurückblicken, ist aber durchweg klein- und mittelständisch geprägt und hat damit vergleichsweise eingeschränkte Möglichkeiten zur Bearbeitung internationaler Märkte. Im Jahr 2003 hat das damalige Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit die Verbundinitiative Maschinenbau Sachsen ins Leben gerufen, um diese vergleichsweise kleinen Firmen in ihrer Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen und die Ausprägung von Netzwerkstrukturen zu befördern. Um die Unternehmen für die Zukunft zu stabilisieren, war insbesondere der Bereich Forschung und Entwicklung sowie der Einstieg in die Internationalität zu kräftigen.

handling: Hat diese Unterstützung seither gefruchtet?
Prof. Weidlich: Unsere Initiative ist als Projekt des Fraunhofer-Insitituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik neutral und projektoffen. Daher nehmen viele Unternehmen unser Leistungsangebot an und profitieren von der Arbeit in einem Netzwerk. Seit 2003 haben wir 50 operative Netzwerke mit gut 200 beteiligten Firmen initiiert und begleitet sowie 60 Workshops durchgeführt.

handling: Welche Kosten entstehen den beteiligten Unternehmen?
Prof. Weidlich: Keine. Unsere Informationsangebote als Verbundinitiative sind für die Unternehmen kostenlos. Unsere Arbeit trägt sich aus dem sächsischen Landeshaushalt. Insofern sind wir gegenüber dem Wirtschaftsministerium regelmäßig rechenschaftspflichtig. Natürlich sind solche Leistungen wie Teilnahmen an Workshops oder Gemeinschaftsständen auf Messen oder Unternehmerreisen kostenpflichtig.

handling: Mit welchen Projekten überzeugen Sie das Ministerium davon, dass die öffentliche Förderung nötig ist?
Prof. Weidlich: Aktuell beschäftigt uns das Projekt „Chemnitz FutureGas“. Hier arbeiten fünf Unternehmen und fünf Forschungseinrichtungen daran, biogene Reststoffe aus Kommunen, Industrie und Landwirtschaft effektiv zu verwerten. Dieses Projekt ist interessant als ressourcenschonende und dezentrale Energiegewinnung und wird auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Außerdem befassen wir uns intensiv mit den Märkten Russland und Indien – Indien hat sich als boomender Wachstumsmarkt strategisch für uns ergeben, und zu Russland hat der sächsische Maschinenbau traditionell enge und partnerschaftliche Kontakte. Der Markt, der sich hier für unsere Unternehmen auftut, ist riesig: Das Land mit seiner gewaltigen Größe hat in vielen Industrieanlagen erheblichen Nachholbedarf an Technologie und Ausstattung. Hier bekommen die Sachsen noch richtig zu tun.

handling: Wie gehen Sie mit dem Thema Fachkräftemangel um?
Prof. Weidlich: Durch unsere Unterstützung der Firmen in Sachen Technologietransfer, Kooperation und Eigenpräsentation gelingt es den Unternehmen, sich als attraktive, moderne und zukunftsfähige Arbeitgeber aufzustellen. Das ist interessant für junge Leute, die hier ihre Zukunft sehen. Wir als VEMAS kümmern uns durch die direkte Nähe zur TU Chemnitz um den akademischen Nachwuchs, also die Ingenieure.

handling: Wird die Arbeit der VEMAS, also Wirtschaftsförderung aus öffentlicher Hand, so weiterbestehen können?
Prof. Weidlich: Ja, zumindest die VEMAS wird es auch weiterhin geben. Als Marke hat sie sich längst hier im Land etabliert. Die Initiative als Projekt des Wirtschaftsministeriums ist bis 2013 angelegt. Bis dahin werden wir die Unternehmenskooperationen verstetigt und die Clusterbildung nachhaltig etabliert haben – vor allem weiterhin auf dem Gebiet der Zukunftstechnologien. Es ist denkbar, dass uns das Ministerium in zwei Jahren als Förderprojekt entlassen wird, aber unsere Arbeit wird auf jeden Fall fortgeführt.

handling: Und wie?
Prof. Weidlich: Wir denken an die Gründung eines Vereins.

handling: Herr Prof. Weidlich, vielen Dank für das Gespräch.

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