Fahrerlose Transportanlage

Nimmermüde

Fahrerlose Transportsysteme in der Klinik
Rund 20 Kilometer legt jedes automatische Fahrzeug täglich zurück. Über Aufzüge erreichen sie die verschiedenen Stationen. (Foto: MLR)
Im neuen Offenbacher Klinikum arbeiten unter anderem 15 fahrerlose Fahrzeuge, die die mit den notwendigen Waren befüllten Container überall dorthin bringen, wo sie gebraucht werden. Flink und leise – und ohne Fehler.

Das Offenbacher Klinikum (NKO) ist ein Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe mit 18 Fachkliniken, Instituten und Belegabteilungen. Mit 917 Betten nimmt es jährlich mehr als 32.300 Patienten stationär auf. Hinzu kommen 40.000 ambulante Patienten. Etwa 300 Ärzte sowie fast 900 Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst betreuen und behandeln individuell nach neuesten Methoden. Aber auch Maschinen sind zum Wohle der Patienten hier unterwegs: Den internen Materialtransport besorgen automatische Waren-Transportanlagen (AWT) und fahrerlose Transportfahrzeugen (FTF). Bei der Realisierung des sehr komplexen Transportsystems im NKO war die Erfahrung des schwäbischen Lieferanten MLR wertvoll: Angeboten waren 15 freifahrende Unterfahrschlepper vom Typ Caesar in Edelstahl mit wartungs- und gasungsfreien Batterien samt passenden Ladegeräten, 55 krankenhaustypische Edelstahlcontainer, eine Waschanlage zum Reinigen der Müllcontainer (CWA), stationäre Fördertechnik zum Speichern, Zu- und Abführen der Container, eine komplette Rohrpostanlage, die umfangreiche Verkabelung sowie der Leitstand und die Werkstatt für die FTF und die Container.

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Das ganze System ist dafür ausgelegt, Container mit Essen, Wäsche, Apothekengütern sowie medizinischem Sachbedarf, Sterilgut und Lagerware zu den richtigen Zeitpunkten zu den richtigen Zielen – auf mehreren Etagen – zu bringen und so die Ver- und Entsorgung aller Untersuchungs-, Behandlungs- und Pflegebereiche im Krankenhaus sicherzustellen. Und das an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr mit einer Verfügbarkeit nahe 100 Prozent. Fehler dürfen da nicht passieren.

Im Neubau wird als Lagerhaltung das „Cross Docking” praktiziert, auch als „Kreuzverkupplung“ bezeichnet. Dabei werden die Waren weitgehend vorkommissioniert in Containern an und direkt dem Empfänger ausgeliefert. Hierzu fahren die Lkw an die Rampe im Wirtschaftshof. Dort werden die Container manuell aus den Lkw gerollt und den FTF zum Weitertransport bereitgestellt. Da kein Raum für spezielle Lagerhaltung vor Ort vorhanden ist, wird die Ware erst zum benötigten Zeitpunkt bestellt und von außerhalb angeliefert: Apothekengüter, Wäsche, OP-Kittel, Dienstkleidung und Sterilgüter. Auch die Mahlzeiten gelangen aus der etwa 30 Kilometer entfernten Küche in gekühltem Zustand just in time zu den Stationen, wo sie fertig regeneriert werden. Das geschieht drei Mal am Tag mit speziellen Essencontainern. Jeder ist mit einem RFID-Tag versehen, in den schon vor dem Beladen der Lkw der genaue Empfängerort eingegeben wurde. Täglich geschehen hier 1.000 Containerbewegungen. Bei so vielen Start- und Zielpunkten hilft nur ein ausgefeiltes, ausfallsicheres Steuerungs- und Verwaltungssystem: die Software LogOS-Hospital von MLR, die in Offenbach auf zwei PC im Hot-Standby-Betrieb arbeitet. Sie übernimmt die Auftragsvergabe an die FTF, die Verkehrsregelung auf der 1.700 Meter langen Strecke über WLAN, gibt den SP-Steuerungen der Fördertechnik und den acht Aufzügen die notwendigen Anweisungen und verarbeitet die Ident-Informationen einschließlich die der RFID-Tags an den insgesamt 800 Containern aller beteiligten Komponenten und Gewerke.
Zum Versand NKO-interner Sendungen arbeitet auch eine Rohrpostanlage – ein rund drei Kilometer langes Röhrensystem mit 224 Transportbüchsen, die mit Geschwindigkeiten von drei bis sieben Meter pro Sekunde unterwegs sind. pb

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