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HybridsteuerungDer Zwerg-Zwitter

Fiat Cinquecento mit Hybridtechnik ist bald alltagstauglich
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Hybridsteuerung: Der Zwerg-Zwitter
Mobil und emissionsfrei durch den Alltag mit dem Plug-in-Hybrid von Swisscleandrive: Herzstück des umgebauten Fiats 500 ist das X20 System von B&R. Es koordiniert die drei möglichen Antriebskonzepte des Kraftprotzes.

Die Probefahrt macht eines schnell deutlich: für einen Banküberfall taugt der Fiat 500 nicht – trotz einer Beschleunigung im Bereich von zehn Sekunden. Vor allem der Prototyp nicht. Es sei denn, der Fahrer wartet mit laufendem Motor – denn die Startzeit würde den Gangstern unweigerlich die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Dafür ist der Hybrid ein Dauerläufer. Der Cinquecento schafft spielend 700 Kilometer. Mit seinem Plug-in-Hybrid adressiert Geschäftsführer Martin Bolliger von Swisscleandrive junge Familien oder Unternehmen, die einen „grünen“ Fuhrpark aufbauen wollen. Aber auch Bolliger weiß, dass auch die nicht ausreichend Geduld dafür mitbringen, jede Fahrt zunächst mit einer Gedenkminute zu beginnen. In den Serienmodellen soll der Sparsame damit in weniger als zwei Sekunden parat sein.

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Wieso trotz dieser Wartezeit also ein scheibenbasiertes I/O System? Die Antwort ist einfach. Die Steuerung garantiert durch ihre Handhabung und Programmierung die für den Prototypenbau benötige Flexibilität. Sie sorgt dafür, dass sich dieser immer im idealen Lastbereich bewegt. Dies erreicht das X20 System durch ein geschicktes Hinzu- oder Abschalten von Verbrennungs- und Elektromotor oder eine Kombination dieser Antriebsarten. Was dabei genau passiert, verdeutlicht ein Wochenendausflug von Zürich an den Comer See. Für Bergtouren angenehm: Am St. Gotthard bringt der Elektromotor 40 zusätzliche PS auf die Hinterachse. Nach der Röhre gibt es für die ermüdeten Batterien talwärts dann eine Frischzellen-Kur – die ausgelutschten Batterien werden aufgeladen. In Como gehen sie abschließend zum kompletten Refill an die Steckdose.

Das Beispiel bildet aber die Komplexität nicht wirklich ab. Dies weiß Martin Bolliger am besten: „Die Entwicklung und der Bau der Steuerungsbox haben das Projekt um gut zwei Monate verzögert.“ Zunächst musste der richtige Mann für die komplexe Aufgabe gefunden werden. Walter Moser heißt er, ein Elektroingenieur. „Er hatte schon öfters mit Produkten von B&R gearbeitet, und anhand seiner Fragen war mir sofort klar, dass er die Steuerungsbox zum Laufen bringt“, erinnert sich Martin Bolliger.

Da sich die Steuerung problemlos auf andere Fahrzeuge adaptieren lässt, eröffnen sich Swisscleandrive vollkommen neue Vermarktungsansätze. Findet ein potenzieller Käufer nämlich Interesse an der Technik, hätte diese aber lieber in einem Seat oder einem VW, muss lediglich die Mechanik angepasst werden. „Eine Ausweitung hat im Moment nicht Priorität“, sagt Martin Bolliger. Vielmehr gehe es nun darum, die notwendigen Maßnahmen für einen Produktionsbeginn in den nächsten Monaten einzuleiten. Die ersten Bestellungen liegen vor, zudem stehen auf der Warteliste mehrere große Flottenkunden. Ab 2011 sollen dann jährlich in der Schweiz mehrere Dutzend bis zu mehreren Hundert Fiats zu Plug-in-Hybriden umgerüstet werden.

Kaum Platzverlust im Kofferraum

Die Verwandlung des Italieners dauert drei Tage und zieht kaum einen Platzverlust nach sich, da alle für den Umbau benötigten Teile im Originalfahrzeug an bisher ungenutzten Stellen verschwinden. So integrieren die Tüftler von Swisscleandrive die Batterie beispielsweise in der Reserve-Radmulde, wodurch im Kofferraum gerade einmal 50 Millimeter in der Tiefe verloren gehen. Etwas schwerer tut sich der Geschäftsleiter bei der Einschätzung der Umbaukosten. Sie hängen von den Stückzahlen und den Preisen für das Batteriepaket ab. Allerdings rechnet der 39-Jährige auf Batterie-Seite tendenziell eher mit sinkenden Kosten. Im Moment kostet ein Kraftpaket rund 4.600,– Euro, die Preise dürften aber noch sinken.

Nach dem Umbau bläst der Kleine im herkömmlichen Modus weiterhin knapp fünf Liter auf 100 Kilometer durch. Dennoch lässt sich richtig Benzin sparen. „Im Alltag deckt der Elektromotor im Durchschnitt 80 Prozent des Fahrbedarfs ab“, so Martin Bolliger. Und dieser Bedarf lässt sich bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern zum Beispiel mittels Solarzellen vom Carport ernten.

Wieso das Auto neu erfinden? Dieser Leitsatz kam bei der Entwicklung des Plug-in-Hybriden zum Tragen. „Wir haben bestehende Technologien genutzt und bei Bedarf weiter verbessert. Die Innovation beruht hauptsächlich auf unserer Steuerung“, sagt Martin Bolliger. Die Verwendung von Bestehendem war jedoch mit erheblichem Rechercheaufwand verbunden. „Schließlich wollen wir nicht gegen bestehendes Patentrecht verstoßen“, so der 39-Jährige. Doch diese Hürden sind mittlerweile genommen, weshalb einem nachhaltigen Fahrspaß fortan nichts mehr im Wege steht… bw

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