Bei den Dänen stößt sprachgesteuerte Kommissionierung auf offene Ohren

Entspannt durchs Bettenlager

Der Einrichtungsfachmarkt-Filialist "Dänisches Bettenlager" setzt in Deutschland seit 2011 auf die sprachgesteuerte Kommissionierung. Pick-by-Voice setzt den vorläufigen Schlusspunkt eines ständigen Verbesserungsprozesses, der seit dem Jahr 2000 durch den Systemintegrator Zetes begleitet wird.

Pick-by-Voice im Dänischen Bettenlager: Die Kenntnisse wurden von den eigenen Mitarbeitern weitergegeben. (Fotos: Zetes)

Bis zu 3,5 Meter lang und 60 Kilogramm schwer: Die Packstücke im norddeutschen Logistikzentrum der Bettenwelt in Zarrentin sind zum Teil sehr sperrig. In der Versandabwicklung des 1997 eröffneten Logistikstandorts müssen die Mitarbeiter zupacken können - und das am besten mit beiden Händen. Seit 2011 arbeiten die rund 35 pro Schicht eingesetzten Kommissionierer deshalb sprachgesteuert mit Headsets und mobilen Sprachterminals.

Lieferant der "Pick by Voice"-Lösung ist der Systemintegrator Zetes, der das Unternehmen bereits seit dem Jahr 2000 im Bereich der Auto-ID- und Netzwerklösungen betreut. So stammen die im Warenein- und -ausgang eingesetzten Handterminals vom Typ Motorola MC 9010-S sowie MC9190-G ebenso von Zetes wie die 28 IND-Staplerterminals, die 28 Motorola-Handscanner sowie das Funknetz, mit dem das 180.000 Quadratmeter große Lager komplett ausgeleuchtet wird. Allein das WLAN umfasst 169 Access- Points und bietet die Infrastruktur für den gesamten Datenverkehr der mobilen Endgeräte am Standort Zarrentin. Transportiert werden dabei nicht nur die Kommissionierbefehle, sondern auch große Mengen an Bilddaten. Diese stammen von 28 Überwachungskameras, die an den 14 Regalbediengeräten im Hochregallager montiert sind und ihre Bilder zum Lagerleitstand senden.

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Akzeptanz durch Mitsprache

"Meine Ansprechpartner von Zetes kennen unsere beiden Lagerstandorte in Zarrentin und Homberg Efze sehr gut, was bei neuen Projekten zu kurzen Laufzeiten führt", bestätigt Abteilungsleiter EDV Michael Beer. Das zeigte sich auch bei der Umstellung der Kommissionierung von Handterminals auf Pick-by-Voice. "Nach nur zwei Pflichtenheftgesprächen waren wir startklar", erinnert sich Beer. Zuvor war das Projekt ausgeschrieben worden. Im direkten Vergleich überzeugte Zetes im Bereich Pick-by-Voice auch durch eine breite Auswahl an verschiedenen Kopfhörermodellen. "Wir haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang an einbezogen und die Pick-by-Voice-Technik testen lassen", erklärt Abteilungsleiter Verwaltung Logistikzentrum Zarrentin Bernd Koska. Dabei ging es um dauerhaften Tragekomfort sowie freie Hände und Augen. Das ist ein echter Vorteil bei sperrigen Gegenständen. Die Bedienerfreundlichkeit des Headset SR20 in Kombination mit dem Talkman T5 von Vocollect fanden dabei die Zustimmung. Im Hinblick auf ein möglichst niedriges Gewicht der Kopfhörer verzichtete Bettenwelt dabei auf eine Bluetooth-Anbindung und wählte die schnurgebundene Variante. "Das Wunschmodell konnte uns nur Zetes bieten", stellt Koska fest.

In 20 Minuten angelernt

Bettenwelt investierte allein am Standort Zarrentin in 54 Voice-Terminals von Vocollect, die über eine ebenfalls von Zetes gelieferte Software angesteuert werden. Der so genannte "3i Voice Connector" ist ein Kommunikations-Tool, das in Java entwickelt wurde, um die Installation in jedes Host-System zu ermöglichen und die direkte Integration zwischen Lagerverwaltungssystem sowie den mobilen Voice-Applikationen zu vereinfachen. Bei Bettenwelt ist der Connector direkt an das Lagerverwaltungssystem Siloc angebunden, wandelt die Hostdaten und -protokolle in die Standards der Zetes Voice Clients um und leitet sie via WLAN an das entsprechende Gerät weiter.

Gartensaison bildet den Auftakt

Mit der Gartensaison beginnt auch das Saisongeschäft für Bettenwelt. Um Auftragsspitzen für die Auslieferung der Outdoor-Ware an die Filialen abzufangen, werden Aushilfskräfte in der Kommissionierung eingesetzt. Um alle mit entsprechendem Equipment auszustatten, werden dank der besonderen Hostanbindung verschiedene Kommissioniertechniken parallel eingesetzt. So ist neben dem Arbeiten mit Pick by Voice weiterhin der Einsatz von Handterminals in der Kommissionierung möglich. "Flexibilität in der Kommissionierung ist oberstes Gebot", erklärt Koska.

Mit Pick-by-Voice kommen auch absolute Anfänger schnell zurecht. Die Anlernzeit beträgt nur wenige Minuten. In dieser Zeit lernen die neuen Kollegen bereits die meisten der insgesamt 38 Steuerbefehle, mit denen die Mensch-Maschine-Kommunikation reibungslos funktioniert.

Entspannte Einführung

Die Einführungsphase der Sprachsteuerung verlief entsprechend entspannt. "Wir haben an beiden Standorten zunächst nur zwei Kommissionierer für Pick-by-Voice angelernt, die ihr Wissen dann im Schneeballverfahren an die Kollegen weitergeben konnten", erinnert sich Beer. Nur während der ersten beiden Tage wurde die Umstellung durch einen Zetes-Mitarbeiter begleitet. "Danach war Pick-by-Voice ein Selbstläufer", so Koska. In den Echtbetrieb sei man dann mit einer Zehnergruppe gestartet, während die übrigen 60 Mitarbeiter sukzessive innerhalb von zwei Monaten in die Pick by Voice Kommissionierung integriert wurden.

Seitdem nutzt Bettenwelt die Vorteile der sprachgesteuerten Kommissionierung im vollen Umfang: Bei einer extrem geringen Fehlerquote haben die Mitarbeiter jetzt beide Hände frei und können jede Entnahme, parallel zum Picken, per Sprachbefehl bestätigen. "Das geht eindeutig schneller als das manuelle Quittieren an der Tastatur", stellt Beer fest. Ein weiterer Pluspunkt gegenüber den Handterminals ist die geringe Schadensanfälligkeit der Vocollect-Geräte: Denn "im Gegensatz zu den Handterminals sind die Talkman-Sprachcomputer am Körper befestigt und können nicht herunterfallen", sagt Koska. bw

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