Digitalisierung in der Sensorik

Drei Fragen an… Philip Bellm

Philip Bellm, Geschäftsführer von Captron Electronic, sieht die Herausforderung, neben der Entwicklung neuer Produkte auch die neu entwickelten Technologien auf bestehende Produkte anzuwenden.

Philip Bellm, Geschäftsführer, Captron Electronic. © CAPTRON Electronic

Die Digitalisierung, Big Data und das Internet der Dinge spielen inzwischen auch für die Sensorik eine große Rolle. Welche Trends sehen Sie in diesem Bereich?
Hersteller und Dienstleister sämtlicher Branchen, die langfristig erfolgreich sein wollen, können sich diesen Themen nicht entziehen. Dazu gehören auch Sensorhersteller wie wir. Asien zum Beispiel ist in vielen Bereichen der Industrie und Technik Vorreiter. Deshalb können sich Unternehmen aus Europa und den USA an den dortigen Maßstäben orientieren und diese für das eigene Unternehmen zum Vorbild nehmen, gerade wenn sie selbst vorhaben, im asiatischen Raum Fuß zu fassen. Heute wollen Kunden möglichst einfach und schnell an Informationen gelangen. Das ist nur durch die Digitalisierung von Prozessen und Produkten möglich. Grund dafür sind Veränderungen in der Customer Experience: Entscheidungsprozesse nehmen weniger Zeit in Anspruch, und es gibt weniger Touchpoints zwischen Herstellern und Kunden. Digitale Produktkonfiguratoren und Online Content werden mittelfristig die technische Beratung per Telefon zum Großteil ersetzen. Deshalb verfolgen wir das Ziel, dem Kunden durch CTO-Prozesse (Configute to Order) die Möglichkeit zu geben, unsere Produkte digital konfigurieren und anfragen zu können. Das ist problemlos möglich, weil die Konfiguration größtenteils aus Parametersätzen besteht. Ferner bedeutet das, dass Daten wie Temperatur, Verschmutzungsgrad, und Helligkeit, die vom Sensor gemessen werden, auch dem Kunden ungefiltert zur Verfügung gestellt werden können. Diese Datensammlung (Big Data) kann das Unternehmen entweder selber verarbeiten, oder wir schaffen gemeinsam eine digitale Infrastruktur, die ihm mithilfe von Datenanalyse (Smart Data) wertvolle Ergebnisse liefert.

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Wie hat Captron sein Portfolio darauf eingestellt?
Die Entwicklung der Sensorik begleiten wir nun schon seit über 35 Jahren und haben in dieser Zeit viele verschiedene Varianten auf den Markt gebracht. Unser Portfolio und unsere Produktserien sind entsprechend groß. Das Portfolio an Varianten und Produktserien ist sehr gewachsen, insbesondere dann, wenn verschiedenen Hardwareanforderungen bestehen oder Anforderungen, die zu dieser Zeit nur mit Hardwareänderungen umsetzbar waren. Die Herausforderung ist es nun, neben der Entwicklung neuer Produkte auch die neu entwickelten Technologien auf bestehende Produkte anzuwenden. Das geschieht bereits Stück für Stück, bis alle Produkte den digitalen Standard erreicht haben.

Mit der Vernetzung kommen auch neue Geschäftsmodelle auf. Welche Möglichkeiten sehen Sie hier für die Sensor- und Messtechnik?
In der Tat sehen wir sehr große Möglichkeiten: Aktuell befindet sich Captron in einer Transformationsphase vom alleinigen Komponentenanbieter zum zusätzlichen Partner für Integrationslösungen. Die Digitalisierung von Prozessen und Produkten erfordert mehr als nur den Verkauf von Sensoren, der Markt fordert Lösungsansätze, die darüber hinausgehen. Dazu zählt auch die Schnittstellenprogrammierung zur Kommunikation zwischen Sensor und beispielsweise MES (Manufacturing Execution System) – insbesondere dann, wenn spezielle Anwendungen gegeben sind, die nicht mit standardisierten Protokollen wie zum Beispiel I/O Link abgedeckt sind.

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