Videoüberwachung in der Logistik

1.000 Augen sehen mehr

Das Unternehmen Herbert Voigt gilt als einer der Pioniere im Bereich der Videoüberwachung. Gemeinsam mit Divis entwickelte der Spediteur Lösungen für den Stückgut-Umschlag, die Lagerlogistik und die Personenzutrittskontrolle.

Grundlage für die Videoüberwachung bei Voigt bilden die mehr als 1.000 Überwachungs-Kameras, die der Spediteur im Innen- und Außenbereich an Ladetoren, Hauswänden und Masten montiert hat. Jede Kamera produziert rund um die Uhr Bilder und sendet diese an eine lokale Datenbank. Ausgewertet und strukturiert werden die gewaltigen Informationsmengen durch die Systemlösung Cargovis. (Bild: Divis)

Alles wissen, was passiert: Dieser Vision kommt Voigt schon ziemlich nah. Das gilt zumindest für die Geschehnisse auf den eigenen Betriebsgeländen einschließlich der Umschlag- und Logistikhallen. Grundlage bilden die mehr als 1.000 Überwachungs-Kameras, die der in Neumünster beheimatete Spediteur im Innen- und Außenbereich an Ladetoren, Hauswänden und Masten montiert hat.

Jede Kamera produziert rund um die Uhr Bilder und sendet diese an eine lokale Datenbank. Ausgewertet und strukturiert werden die gewaltigen Informationsmengen durch die Systemlösung Cargovis, die ebenso wie die Kameras von Divis stammt.

Eine Lösung für drei Bereiche

Cargovis wird bei Voigt im Stückgut-Umschlag, in der Lagerlogistik sowie für die Personenzutrittskontrolle eingesetzt – und zwar in unterschiedlichen Ausprägungen: In der Umschlaghalle sind die Kameras immer den Hallen-Scannern zugeordnet, die sich gerade im Sichtbereich der hochauflösenden Optiken befinden. Jeder Barcode-Scan beziehungsweise jede Sendungsnummer wird auf diese Weise mit aktuellen Videoaufnahmen der Ware verknüpft. Die Verbindung zwischen Scanner und Kamera wird durch den Scan eines am jeweiligen Hallentor befestigten Barcodes hergestellt. Dieser Handgriff muss vom Mitarbeiter nur einmal zu Beginn seiner Tätigkeiten im Arbeitsbereich ausgeführt werden. Danach werden alle gescannten Sendungen automatisch der betreffenden Kamera zugeordnet.

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Die für 2018 geplante neue Umschlaghalle von Voigt soll eine vollautomatische Ansteuerung der jeweils „richtigen“ Kameragruppe haben. Dabei wird jeder Barcode-Scanner separat geortet und der Kameragruppe im jeweiligen Hallenabschnitt zugeordnet. Ohne weiteres Zutun durch den Mitarbeiter wird damit bei jedem Scan die Kamera „mit Blick“ auf die jeweilige Ware zugeordnet, und deren Bilder mit der Sendungsnummer verknüpft. „Von der vollautomatischen Variante versprechen wir uns einen weiteren Produktivitätsgewinn“, meint Katharina Warlies, die bei Voigt die Bereiche Versicherung und Immobilienmanagement verantwortet. „Allein im Warenumschlag recherchieren wir mit Cargovis mehrmals täglich nach Sendungen“, stellt die gelernte Speditionskauffrau fest.

Such-Terminals für Fahrer

Die Fahrer bei Voigt können selbständig in Cargovis recherchieren. Dafür wurden in der Halle Such-Terminals aufgestellt, an denen lediglich die entsprechende Sendungsnummer eingegeben werden muss. (Bild: Divis)

Ein typischer Anwendungsfall sind nicht auffindbare Güter im Warenausgang. Dies passiert zum Beispiel dann, wenn statt einer exakten Sendungs-Bezeichnung im Frachtbrief nur der Begriff „Ware“ eingetragen ist. „Wenn man sich unter der Sendung nichts vorstellen kann, fällt die Suche umso schwerer“, sagt Warlies. „Mit Cargovis können sich unsere Fahrer im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von der Sendung machen.“

Tatsächlich können die Fahrer bei Voigt selbständig in Cargovis recherchieren. Dafür wurden in der Halle Such-Terminals aufgestellt, an denen lediglich die entsprechende Sendungsnummer eingegeben werden muss. Sobald auf dem Monitor das Bild der Ware erscheint, können die Fahrer ihre reale Suche fortsetzen - dann meist mit schnellem Erfolg. „Bei den Recherche-Terminals in der Halle sind die Funktionen von Cargovis aus Gründen des Datenschutzes stark eingeschränkt“, betont Warlies. So sei ein Weiterleiten oder Ausdrucken der Bilder nicht möglich. Gleiches gilt für die Live-View-Funktion, die das aktuelle Lagergeschehen zeigt. Umso einfacher sei die Bedienung der Terminals. „Die Mitarbeiter im Lager freuen sich, dass sie nun selbständig arbeiten können, während die Kollegen aus dem Büro spürbar entlastet werden“, so Warlies.

Die Technologie erleichtert aber nicht nur das Suchen, sondern auch die Beweisführung gegenüber Kunden, Empfängern und Kooperationspartnern. „Wenn irgendwo in der Lieferkette Ware fehlt, steht man als Spediteur schnell unter Verdacht“, sagt Warlies. Mit der lückenlosen Videoüberwachung könne man jetzt jederzeit nachweisen, in welchem Umfang bestimmte Sendungen das eigene Lager erreicht und wieder verlassen haben. „Mit Cargovis können die Kollegen die Qualität ihrer Arbeit jederzeit nachweisen und ungerechtfertigte Anschuldigungen schnell aus der Welt schaffen.“

Einsatz im Logistiklager

Damit jede Ausgangs-Palette bei einer späteren Suche von allen Seiten betrachtet werden kann, dreht der Mitarbeiter unmittelbar vor dem Verladen den Hubwagen samt Palette einmal um die eigene Achse, damit die am Tor montierte Kamera alle vier Seiten der Ware erfasst. (Bild: Divis)

Das klappt bei Voigt nicht nur im Umschlag-, sondern auch in den Logistiklagern, wo eine vereinfachte Variante von Cargovis zum Einsatz kommt. Dort sind die Kameras nicht mit den Hallenscannern verknüpft, zumal es in diesem Geschäftsbereich naturgemäß weniger Warenbewegungen gibt. Dennoch liefert das System auch hier schnelle Suchergebnisse, denn bei Voigt sind die Warengruppen bestimmten Regalgängen zugeordnet. So kann man sich bei der Recherche auf die Bilder der jeweiligen Kamera konzentrieren. „Die zeitliche Eingrenzung erfolgt über die Einträge auf den Packzetteln, die von den Mitarbeitern routinemäßig mit einem Zeitstempel versehen werden“, erklärt Holger Matzen, der einen der Logistikstandorte von Voigt verantwortet. Außerdem habe man sich noch einen Trick einfallen lassen, damit jede Ausgangs-Palette bei einer späteren Suche von allen Seiten betrachtet werden kann. „Unmittelbar vor dem Verladen dreht der Mitarbeiter den Hubwagen samt Palette einmal um die eigene Achse, damit die am Tor montierte Kamera alle vier Seiten der Ware erfasst“, so Matzen.

Der dritte Einsatzbereich von Cargovis betrifft die Personenzugangskontrolle. Diese ist Bestandteil der AEO-Zertifizierung, die Voigt seit 2013 hat. In diesem Zuge verlangt die Zollbehörde, dass jede Ein- und Ausfahrt beziehungsweise jeder Zutritt zum Gelände lückenlos dokumentiert und zehn Jahre archiviert wird. Für diesen Zweck hat Voigt an allen Standorten ein Zutrittskontrollsystem von Dormakaba installiert, das via Schnittstelle an Cargovis angebunden ist.

Vor dem Betreten erhält jeder Besucher eine Zugangskarte mit einem sechsstelligen Code und RFID-Chip, mit dem sich je nach Berechtigung bestimmte Türen öffnen lassen. Bei jedem Öffnen generiert die Lösung einen Datensatz mit Zeitstempel, Besuchercode und Ort, so dass später zu jedem Vorgang das zugehörige Bild der entsprechenden Kamera gefunden werden kann.“So können wir den Zollbehörden auf Anfrage nicht nur die Namen, sondern auch Fotos der Besucher liefern“, erklärt Katharina Warlies. as

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