Robotertechnik, Bremen

Die nächste große ­Herausforderung

Roboter-Fußball
Visionen haben stets den technologischen Fortschritt beflügelt, sei es der Wille zur Landung auf dem Mond, der Wunsch nach einer Maschine, die besser Schach spielt als der beste menschliche Spieler oder das Ziel, mit einem Team aus humanoiden Robotern den amtierenden menschlichen Weltmeister schlagen zu können. Während die beiden erstgenannten Ziele bereits erreicht wurden, steht die Umsetzung des letztgenannten noch aus.

Es ist die Vision des RoboCup, einer internationalen Initiative, zu der sich Forscher und Forscherinnen zusammen gefunden haben, um dieses überaus komplexe Ziel bis zum Jahr 2050 zu erreichen. Dafür müssen Maschinen konstruiert werden, die mindestens 90 Minuten lang auf zwei Beinen laufen und mit Menschen um einen Ball kämpfen können, ohne diese zu verletzen. Das muss sowohl bei strahlendem Sonnenschein als auch bei Regen oder Schnee funktionieren, auf einem Sportplatz oder in einem Stadion. Kurz, bei vielen Fähigkeiten, die uns Menschen so selbstverständlich sind, müssen die Maschinen uns ebenbürtig sein, um eine ernsthafte Chance in einem solchen Match zu haben. Davon sind sie gegenwärtig noch sehr weit entfernt.

Die RoboCup-Initiative geht diese Herausforderung auf vielen Ebenen an: In unterschiedlichen Ligen werden jedes Jahr Wettbewerbe ausgetragen, um die Leistungsfähigkeit der Lösungen vergleichen und bewerten zu können: In der Simulationsliga (ohne Roboter) wird Taktik entwickelt, ähnlich wie in der Small Size League mit kleinen, ferngesteuerten Robotern. In der Humanoid League geht es gegenwärtig hauptsächlich um die Konstruktion humanoider Roboter, während die Middle Size League mit selbst konstruierten, fahrenden Robotern bereits seit einiger Zeit Fußball spielt. Die Sony Four-Legged Roboter League konzentriert sich auf die Entwicklung von Software für eine einheitliche, kommerzielle Plattform, den Roboterhund Aibo von Sony. Sie ist momentan die einzige Liga, in der wirklich mit Beinen Fußball gespielt wird. Vielleicht hat sie sich daher zum Publikumsliebling entwickelt.

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Die Bremen Byters sind das Team der Universität Bremen in dieser Liga. Bei den diesjährigen RoboCup German Open erreichten sie den dritten Platz. Sie sind auch Teil der deutschen Nationalmannschaft, die 2004 den Weltmeistertitel gewann. Anders als im menschlichen Fußball bildet sich eine Nationalmannschaft nicht als ein Zusammenschluss verschiedener Spieler, sondern als Kombination der Software-Komponenten, die in den einzelnen Teil-Teams entwickelt wurden. Diese Software bringt die Roboter dazu, Fußball zu spielen. Sie wertet die Sensoren aus (Kamera, Gelenkstellung), bestimmt die Position des eigenen Roboters auf dem Feld wie auch die der Mitspieler, Gegner und des Balls (die so genannte Weltmodellierung) und steuert das Verhalten des Roboters, das sich aus dem gegenwärtigen Spielzustand und seiner Rolle im Team ergibt. Das Verhalten manifestiert sich in Bewegungen (Laufen, Greifen, Schießen), die durch die Ansteuerung der 20 Motoren des Roboters umgesetzt werden.

Der RoboCup 2005 findet im Juli in Osaka, Japan statt. Im Jahr 2006 wird er in Bremen ausgetragen. Anders als beim Flug zum Mond steht hinter der RoboCup-Initiative kein milliardenschweres staatliches Forschungsprogramm. Daher sind der RoboCup und die daran beteiligten Forschungsgruppen auf kleinere staatliche Förderungen und Sponsoren angewiesen, um die beteiligten Wissenschaftler, notwendigen Investitionen und Reisen zu den Wettbewerben und wissenschaftlichen Konferenzen finanzieren zu können. Torsten Kohlmann (gm)

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