Roboter-Integration

Das Win-win-win-Programm

Universal Robots bietet Mehrwertsysteme für Kunden, Entwickler und Systemintegratoren. Zur Automatica stellte der dänische Roboterarm-Hersteller Universal Robots ein System vor, mit dem sich auf Open-Source-Basis die Integrationszeit der Roboter in vielen Fällen verkürzen lässt. Bernd Waßmann sprach darüber mit dem neuen General Manager in Deutschland, Helmut Schmid.

Helmut Schmid führt seit diesem Jahr die deutsche Niederlassung von Universal Robots. Der Vertrieb der Roboter erfolgt weiterhin über die Systemingeratoren. (Foto: UR)

Robotik:
Universal Robots verfügt seit einigen Monaten über eine eigene Niederlassung in Deutschland, überlässt den Vertrieb aber weiter den Systemintegratoren. Welche Leistungen dürfen Kunden von der Münchener Filiale erwarten?

Helmut Schmid:
Die Nachfrage nach unseren Robotern ist auf dem deutschsprachigen Markt ungebrochen hoch. Daher ist es für uns wichtig, für unsere Kunden direkt vor Ort zu sein. Mit dem neuen Standort können wir nicht nur einen noch besseren und schnelleren technischen Support für unsere Kunden und Vertriebspartner gewährleisten. Die Niederlassung soll auch der Ausgangspunkt für den geplanten Ausbau unseres Angebots an Serviceleistungen und Produkttrainings werden.
Kurzum: Durch eine eigene Gesellschaft im deutschsprachigen Raum tragen wir der Bedeutung unseres Erfolges auf diesem Markt Rechnung. Sie gibt uns die Möglichkeit, den Austausch mit all unseren Partnern zu intensivieren und ein noch stärkeres Verständnis für die Bedürfnisse der Region zu entwickeln.

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Robotik:
Sie vertreten als General Manager die Märkte der DACH-Region und die Benelux-Staaten. Welche Bedeutung kommt den einzelnen Regionen bei Universal Robots zu?

Die Roboterarme kommen auch bei der Tabakverarbeitung, hier bei der Scandinavian Tobacco Group, zum Einsatz. (Foto: UR)

Schmid:
Der deutschsprachige Raum ist, nach den USA, der wichtigste Absatzmarkt von Universal Robots. Das liegt unter anderem auch am hohen Anteil an kleinen und mittelständischen Industrieunternehmen. Diese stellen für unsere Technologie eine der wichtigsten Zielgruppen dar, da klassische Automatisierungslösungen für sie bislang zu teuer waren. Unsere Roboter eröffnen Unternehmen jeder Größe die Möglichkeit, ihre Produktion unter völlig neuen Gesichtspunkten zu betrachten, das Potenzial für die Automatisierung monotoner, belastender bis hin zu potenziell gesundheitsschädlicher Abläufe zu erkennen und ihre Wertschöpfung durch den Einsatz kollaborierender Roboter zu optimieren.

Robotik:
UR bietet insgesamt drei Roboterarme an. Welche Bereiche können Sie damit bedienen?

Schmid:
Im Bereich Leichtbaurobotik lassen sich mit unseren Roboterarmen nahezu alle Aufgaben realisieren. Von hochpräzisen Laborarbeiten in engen Räumlichkeiten über monotone Pick&Place-Anwendungen in der Automobil- industrie bis hin zur Verpackung und Palettierung unterschiedlichster Produkte. Grenzen entstehen nur dann, wenn die Aufgaben über die Leichtbaurobotik hinausgehen oder beispielsweise sechs Achsen für eine Umsetzung zu wenig sind.

Robotik:
Inwieweit ist UR beim Verkauf eigentlich abhängig von Erfindungsreichtum seiner Systemintegratoren?

Schmid:
Es ist nicht nur der Erfindungsreichtum unserer Systemintegratoren, der für uns entscheidend ist. Wie wir mit Universal Robots+ zeigen möchten, geht es uns darum, die Robotik-Branche selbst zu einer intensiveren Kollaboration zusammenzubringen. Nur durch eine engere Zusammenarbeit und einen besseren Know-how-Transfer innerhalb der Branche, wird es uns gelingen, das volle Potenzial der kollaborierenden Robotik optimal auszuschöpfen.

Robotik:
„Mehrwertsysteme um den Roboter herum“, so Ihre Aussage auf der Automatica-Messe in München, sollen Universal Robots+ mit der +You Entwickler-Community bringen, die sie in München gelauncht haben? Was steckt dahinter?

Schmid:
Ein UR-Roboterarm ist für sich allein genommen nicht einsatzfähig. Denn wir stellen lediglich „den nackten Arm“ her. Damit jeder Arm, die ihm zugedachte Aufgabe ausführen kann, braucht es also das Plus – eine Ergänzung bestehend aus einer Hard- und Softwarelösung. Erst diese Mehrwertsysteme, die im Englischen unter dem Begriff „capabilities“ zusammengefasst werden, fördern die tatsächlichen Fähigkeiten des Roboters zutage.
Mit Universal Robots+ haben wir jetzt ein eigenes Ökosystem erschaffen, in dem alle denkbaren Applikationen rund um die Familie unserer kollaborierenden Roboterarme UR3, UR5 und UR10 entwickelt und präsentiert werden. Der Fokus liegt dabei auf einfach zu implementierenden Plug&Play-Lösungen. Über den Showroom bieten wir eine große Auswahl an bereits vorhandenen Applikationen, die schnell und unkompliziert eingesetzt werden können. Außerdem besteht auch unsere Software (Version 3.3) dank des jüngsten Software Release nun in Teilen aus einer Open Source Software. Die Integrationszeit reduziert sich durch all diese Aspekte deutlich

Robotik:
Wer profitiert davon in welcher Form?

Schmid:
Die Vorteile von Universal Robots+ und +You bezeichnen wir gerne als Win-Win-Win-Situation. Diese liegt in der Tatsache begründet, dass alle involvierten Parteien von Universal Robots+ profitieren: von der Entwickler Community, über unsere Vertriebspartner bis hin zu unseren Endkunden.

Robotik:
Wie läuft das ab?

Schmid:
Die Teilnehmer am +You Developer Program erhalten während der Entwicklung ihrer Anwendungen – seien es Endeffektoren, andere Zubehörteile oder Softwarekomponenten – kostenlosen Support von Universal Robots. Vertriebspartner und Endkunden sparen hingegen Kosten: Über den Universal Robots+ Showroom haben sie Zugriff auf alle verfügbaren Zubehörkomponenten und somit Anwendungslösungen, die sich mit unseren Roboterarmen umsetzen lassen. Diese sind in der Regel als einfache Plug&Play-Lösung einsetzbar, was die Kosten in puncto Eigenentwicklung und Testing deutlich reduziert.

Robotik:
Bestehen für die Hardware-Lösungen Vereinbarungen, die Exklusivität in irgendeiner Form beinhaltet? Zum Beispiel Einsatz nur UR-Robotern?

Schmid:
Die Kompatibilität mit unseren UR-Roboterarmen ist eine notwendige Voraussetzung, um am +You Developer Program teilzunehmen oder eine fertige Anwendung in unserem Showroom auf Universal Robots+ zu präsentieren.

Robotik:
Die Software-Lösungen sind auf der UR-Plattform für jedermann zugänglich? Immerhin soll das Ziel sein, Applikationen zum Download anzubieten.

Schmid:
Universal Robots+ ist kein App-Store im klassischen Sinne. Neue Software-Applikationen werden dort nicht zum Verkauf oder Download zur Verfügung gestellt.
Entwickler, die sich erfolgreich bei unserem +YOU Developer Program angemeldet haben, können unser URCaps Software Developer Kit kostenlos downloaden, mit dem sich Software Plug-ins für die UR-Roboter entwickeln lassen.
Fertige Software-Applikationen können hingegen zwar im Showroom von Universal Robots+ präsentiert werden. Den Vertrieb beziehungsweise die Verfügbarkeit gewährleisten wir – wie für alle Applikationen – jedoch weiterhin rein über unser weltweites Netzwerk von Vertriebspartnern.

Robotik:
Geben damit nicht die Systemintegratoren ihr Kerngeschäft aus der Hand, indem sie es bei UR platzieren?

Schmid:
Universal Robots+ ist ein Showroom, kein Onlineshop. Mit der Plattform richten wir uns in erster Linie an Entwickler und Distributoren. Der Vertrieb aller Produkte und Anwendungen rund um unsere UR-Roboter wird weiterhin vollständig über unser globales, stets wachsendes Netzwerk von mittlerweile über 300 Vertriebspartnern erfolgen. Dennoch profitieren auch Endkunden von den Vorteilen von Universal Robots+: Alle speziell für die Verwendung mit UR-Robotern entwickelten Anwendungen werden dort auf einer Plattform gebündelt. Im Ergebnis steht ein schneller Zugang zu individuellen Lösungen, die für alle Kundenwünsche passgenau zusammengestellt werden können und die somit noch schneller und einfacher zu implementieren sind als bisher.
Über Universal Robots+ sollen Entwickler künftig von einer höheren Sichtbarkeit ihrer Applikationen profitieren. Gleichzeitig schaffen wir für die Distributoren den Vorteil, dass sie nun Zugang zu einer zentralen Plattform erhalten, über die sie alle Applikationen, die speziell für die Verwendung mit UR-Robotern entwickelt wurden, einsehen können.

Robotik:
Wie sicher ist das, was auf der Webseite angeboten wird? Sind die Applikationen getestet?

Schmid:
Bevor ein neues Produkt in unserem Showroom präsentiert werden kann, stellen wir natürlich seine Qualität und seine Kompatibilität mit den UR-Robotern sicher. Nach Fertigstellung muss jeder neue Prototyp samt Installationsanleitung zur Prüfung an Universal Robots geschickt werden. In umfassenden Funktionstests prüfen wir, ob eine Applikation einfach implementiert und bedient werden kann und ob das Produkt unseren Qualitätsanforderungen entspricht.

Robotik:
Immerhin möchten Sie auch ein Zertifikat für die geprüften Lösungen anbieten. Was verspricht diese Urkunde? Software mit Garantie?

Schmid:
Bereits wenn eine neue Applikation – egal ob Software oder Hardware – für den Showroom zugelassen wird, ist dies unsere Garantie, dass sie mit unseren Produkten kompatibel ist und zuverlässig und sicher arbeitet. Die Zertifizierung ist lediglich ein zusätzliches Gütesigel: Wer seine Lösung zertifizieren lassen möchte, muss nachweisen, dass sie bereits erfolgreich bei einem Kunden im Einsatz ist.

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