Jetzt kommen die Roboter für KMU

Dr. Norbert Stein erwartet auf der Automatica das „größte Angebot an Robotern in Aktion“

Eindeutig im Vorteil sieht Dr. Norbert Stein, Vorsitzender des VDMA Fachverbands Robotik + Automation, die Münchner Ausstellung Automatica im Umfeld der diesjährigen Fachmessen. Im Interview mit dem stellvertretenden Chefredakteur von handling Bernd Waßmann erläutert er, warum Besucher vom 21. bis zum 24. Juni 2016 an die Isar kommen sollen.

Robotik:
Dieses Jahr geben sich gleich drei große Industriemessen ein Stelldichein mit den Robotern: Die HMI, die Automatica im Juni und die Motek im September. Das sieht nach stressigen Zeiten für die Besucher aus. Wer sich konzentrieren will, ist am besten wo aufgehoben?

Dr. Norbert Stein:
Ganz eindeutig auf der Automatica. Die HMI wartet mit dem amerikanischen Präsidenten auf. Die Automatica hingegen mit dem größten Aufgebot an Robotern „in Aktion“ und einem enormen Spektrum von neuen Lösungen und Innovationen.

Robotik:
Mit welchen Themen kann sich die Automatica deutlich von den, wenn man so will, konkurrierenden Messen abgrenzen?

Stein:
Die Automatica hat einen klar definierten Fokus: ‚Optimize your Production‘. Fachbesucher finden alles vor, was dafür benötigt wird – gut strukturiert und vollständig. Die wichtigen Innovationen aus allen relevanten Bereichen sind zu sehen: Industrierobotik, professionelle Servicerobotik, Integrated Assembly Solutions, Industrielle Bildverarbeitung, Robot Vision Sensorik und IT-Lösungen. Die Automatica ist in diesem Sinne vollständig, bleibt dabei aber für den Besucher „handhabbar“. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal und kommt daher, dass die Automatica von Anfang an von der Industrie konzipiert wurde.

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Robotik:
In München soll die Plattform IT2Industry die Informationslandschaft bereichern. Was erfahren wir dort, was es anderswo nicht auch gibt?

Stein:
Die IT2Industry bringt die Welt der IT und der Automation zusammen und bildet vor allem das Thema Industrie 4.0 mit allen Facetten ab. Mit zirka 50 Ausstellern und einem eigenen Seminarprogramm wird die IT2Industry das Industrie 4.0 Zentrum auf der Automatica. Dort werden die Software Anbieter im Fokus stehen. Ganz besonders freuen wir uns, dass der OPC-UA-Kongress 2016 auch dort stattfindet.

Robotik:
Industrie 4.0 ist das gegenwärtig meist zitierte Stichwort in der Automation? Sind die Roboter in diesem Sinne bereits zukunftsfähig?

Stein:
Absolut. Sie sind ein Kern- element der Industrie 4.0, weil sie ja so universell einsetzbar sind. Gerade die Roboterhersteller treiben das Thema intensiv voran.

Wenn wir die Fabrik in die digitale Ära bringen wollen, und darum geht es ja bei Industrie 4.0, dann brauchen wir die Agilität der Roboter. Neben ihrer datentechnischen Vernetzung zeigt sich diese Flexibilität auch in der Tatsache, dass Roboter zunehmend mobil werden und in alle Richtungen navigieren.

Die direkte Zusammenarbeit von Mensch und Roboter ohne trennende Schutzzäune war schon 2014 ein faszinierendes Leitmotiv der Automatica-Aussteller. Im Gegensatz zum früheren CIM-Ansatz (Computer Integrated Manufacturing) stellt Industrie 4.0 den Menschen in den Mittelpunkt. Die Automatica 2016 wird ein nie dagewesenes Spektrum an Lösungen für die Mensch-Roboter-Kollaboration zeigen. Hier bewährt sich, dass die Automatica die Messe-Plattform für Robotik, Greiftechnik und maschinelles Sehen ist.

Robotik:
Der industrielle Mittelstand bzw. KMU schauen noch immer eher zögerlich auf die Vernetzung der Produktionswelten. Kann die Messe hier zur Akzeptanz beitragen?

Stein:
Der Maschinen- und Anlagenbau ist mittelständisch geprägt und dort sind die berühmten „Hidden Champions“ zu finden. Deshalb ist es für den VDMA ein besonderes Anliegen, die Hürden für die Umsetzung von Industrie 4.0 gerade für die kleineren Unternehmen zu senken, zum Beispiel mit unserer Industry 4.0 Readiness Studie.

Robotik:
Was sagt denn der Mittelstand zum Einsatz von Robotern? Inwieweit sind die Roboter auch wirtschaftlich machbar in kleineren Betrieben?

Stein:
Ich bin davon überzeugt, dass Roboter heute wirtschaftlich in kleinen Betrieben einsetzbar sind und dass die Technologie da ist. Vor kurzem haben wir uns mit dem Fallbeispiel einer Schreinerei in Mecklenburg-Vorpommern auseinander gesetzt, die einen großen Knickarmroboter mit großem Erfolg einsetzt. Auf der Automatica 2016 feiern nun noch zahlreiche Roboter Premiere, die speziell für den flexiblen Einsatz in Kleinfirmen und Handwerksbetrieben entwickelt wurden.

Robotik:
Welche großen Themen dürfen wir in diesem Jahr im Rahmen der Robotisierung in München erwarten?

Stein: Sicherlich die oben genannte direkte Kollaboration von Mensch und Roboter in einem gemeinsamen Arbeitsbereich mit unterschiedlichen intelligenten Sicherheitsansätzen und intuitiven Bedienungskonzepten.

Immer deutlicher wird, dass die Grenzen zwischen professionellen Service- und Industrierobotern verwischen: Knick- armroboter werden auf mobilen Plattformen montiert und kommen außerhalb der Fabrik zum Einsatz. Serviceroboter übernehmen zunehmend Aufgaben auch im Produktionsumfeld. Der Service Robotics Application Park wird hierfür der große Schauplatz. Die durchgängige Vernetzung der Roboter – zum Beispiel durch Cloud Robotics – schreitet voran. Auch einfachere und preiswertere Roboterlösungen für ganz spezielle Einsatzbereiche werden sicherlich zu sehen sein.

Robotik:
Bietet die Messe einen repräsentativen Querschnitt zur Automation und Robotertechnik?

Stein:
Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: ja. Neben den nun schon viel zitierten Robotern werden auch die Hersteller von maschinellem Sehen ein Feuerwerk an Neuerungen aus den Bereichen Qualitätsprüfung und Robot Vision zünden, ebenso wie die Hersteller von Greif- und Montagetechnik (Integrated Assembly Solutions). Erst dieses vollständige Angebot an Technologien rund um die Produktion macht die Automatica zur „must see“–Messe 2016.

Robotik:
Ein Thema wird sicherlich wieder auftauchen: Die Roboter kosten Arbeitsplätze. Spätestens nach dem Weltwirtschaftsforum ist es wieder in die Schlagzeilen geraten. Wer muss um seinen Job fürchten, wer nicht?

Stein:
Das Land mit der dritthöchsten Roboterdichte der Welt – Deutschland – hat gerade einen neuen Beschäftigungsrekord aufgestellt. Trotz der gewaltigen Automatisierungswellen der Vergangenheit ist die Beschäftigung nicht gesunken, sondern gestiegen.

Dr. Norbert Stein, Vorsitzender des Fachverbands Robotik und Automation im VDMA, sieht die Notwendigkeit von Robotern in der digitalen Ära der Produktion. (Foto: VDMA)

Durch Automatisierung wegfallende Tätigkeiten sind recht einfach zu beschreiben und zu quantifizieren. Die durch die Produktivitätsgewinne neu geschaffene Nachfrage nach Arbeit hingegen, lässt sich nur sehr schwer berechnen. Auch die oben erwähnte Studie aus Davos, die methodisch auf äußerst wackeligen Beinen steht, geht von einem Nettoverlust von weniger als 0,3% Prozent der untersuchten Arbeitsplätze aus – also von einer unter dem Strich beschäftigungsneutralen Entwicklung.

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