Intelligente Roboter

Der Schlüssel zu intelligentem Verhalten

Die intelligenten Roboter von Magazino arbeiten bei Lagerbetreibern Seite an Seite mit dem Menschen. Über Software können sie ihre Umgebung interpretieren, Entscheidungen treffen und ihr Verhalten anpassen. Warum es aber keine menschenleeren Lagerhallen geben wird, erläutert Frederik Brantner, CEO des Start-ups, im Interview mit handling-Redakteurin Annina Schopen.

Frederik Brantner, Gründer und CEO von Magazino. (Bild: Magazino)

Herr Brantner, auf Ihrer Homepage schreiben Sie, Ihre Vision sei „das erste selbstdenkende und selbsthandelnde Warenlager der Welt“. Wie weit ist es noch bis dahin?
Brantner: Unsere intelligenten Roboter arbeiten bereits heute bei verschiedenen Lagerbetreibern Seite an Seite mit dem Menschen und kommissionieren beispielsweise online bestellte Schuhe. Viele Aspekte sind also schon umgesetzt. Der Einsatz von mobilen und autonom agierenden Robotern wird in wenigen Jahren keine Ausnahme mehr sein, sondern der Standard. Die menschenleere Lagerhalle wird es deswegen aber trotzdem nicht geben. Zumindest nicht in den nächsten Jahren.

Sie haben auf der Logimat den neuen Roboter Soto vorgestellt. Wie unterscheidet er sich von dem bisherigen Kommissionierroboter Toru?
Brantner: Soto kann deutlich größere und schwerere Objekte handhaben als Toru. Das ist vor allem wichtig, wenn es um den Einsatz in der Industrie geht. Im Gegensatz zu einem E-Commerce-Lager müssen hier oftmals Kleinladungsträger bis zu einer Größe von 600 mal 400 mal 400 Millimeter und einem Gewicht von 15 Kilogramm bewegt werden. Für diese Aufgabe ist Soto perfekt ausgestattet – die grundsätzlichen Funktionen sind aber die gleichen wie bei Toru.

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Haben Sie in der nächsten Zeit weitere Innovationen geplant?
Brantner: Wir arbeiten jetzt vor allem daran, die Roboter Toru und Soto noch robuster für den Dauereinsatz zu machen. Weiterhin evaluieren wir zurzeit, ob und wie wir den Softwarestack Acros (Advanced Cooperative Robot Operating System), welcher die Roboter zu intelligenten und selbsthandelnden Maschinen macht, anderen Roboterherstellern als Produkt zur Verfügung stellen werden.

Soto kann autonom Kartons auf einer Föderstrecke lokalisieren und identifizieren, diese dann zielgenau greifen, zum richtigen Regal bringen und dort einsortieren. (Bild: Magazino)

In der letzten Finanzierungsrunde haben Sie neue strategische Investoren wie Zalando, den Technologiekonzern Körber und Fiege Logistik gewonnen. Wie werden Sie die Kapitalerhöhung nutzen?
Brantner: In erster Linie, um die technische Entwicklung der Roboter voranzutreiben sowie für den Ausbau der Vertriebsstruktur im In- und Ausland.

Magazino wächst seit der Gründung 2014 konstant, und auch die Robotik und die Mensch-Roboter-Kollaboration boomen. Haben Sie vor, auch weitere Branchen zu erobern?
Brantner: Als Start-up tut man gut daran, sich zu fokussieren. Wir konzentrieren uns auf die intralogistischen Prozesse im E-Commerce und im produzierenden Gewerbe. Diese Bereiche haben unserer Einschätzung nach ein gigantisches Potenzial.

Mehr als zwei Drittel Ihrer Mitarbeiter sind Informatiker, welche Rolle spielt die Informatik speziell in der Robotik bei Ihnen?
Brantner: Die größte! Über Hardware wie 3D-Kameras und zahlreiche unterschiedliche Sensoren können die Roboter ihre Umwelt wahrnehmen. Doch die Interpretation der Umwelt und die anschließende Entscheidungsfindung – das spielt sich alles in der Software ab. Gerade wenn Roboter im selben Bereich wie Menschen unterwegs sind, müssen sie sich in einer Umgebung zurechtfinden können, die sich konstant ändert.

Was glauben Sie, wie die Zukunft der Logistik aussehen wird? Kommen wir bald ohne Menschen aus?
Brantner: Sicher nicht. Der Mensch ist mit seinen motorischen Fähigkeiten und seinem Talent zu improvisieren mit einem gigantischen Vorsprung gegenüber Robotern ausgestattet. Flexible Automatisierungslösungen wie Toru oder Soto werden in den nächsten Jahren aber massiven Zuwachs bekommen. Roboter werden zwar nicht alles können, aber bestimmte Tätigkeiten werden sich damit wirtschaftlich sinnvoll und flexibel automatisieren lassen. Roboter können beispielsweise die Aufgaben übernehmen, die für den Menschen ergonomisch eher ungünstig sind: das Greifen aus der untersten oder obersten Regalebene, Aufträge mit langen Laufwegen oder Arbeitszeiten in der Nacht oder an Feiertagen. Es kommt also viel mehr darauf an, dass die Roboter parallel zum Menschen arbeiten können. Dann machen beide das, was sie jeweils am besten können.

Wie kommt es, dass Kommissionierroboter wie Soto oder Toru von einem Start-up entwickelt werden, nicht aber von einem der großen Roboterhersteller?
Brantner: Die Herausforderungen für Roboter wie unsere sind extrem komplex. Mit bisheriger Automatisierungstechnologie ließ sich das nicht lösen. Es brauchte also radikal neue Ansätze und Wege. Für große Hersteller, die bereits existierende Produkte und funktionierende Geschäftsmodelle haben, bedeutet das aber auch immer ein Risiko. Dazu kommt, dass es für diese Komplexität viel Personal mit neuen Programmierkenntnissen braucht. Die Art und Weise, wie intelligente Roboter heute programmiert werden, unterscheidet sich fundamental von bisheriger Automatisierungstechnik. Viele Mitarbeiter in diesem Bereich haben wir direkt von der TU München oder von anderen Universitäten auf der ganzen Welt rekrutiert. Mit über 40 Softwareentwicklern haben wir europaweit mittlerweile eines der größten Teams, das an dieser Art der Robotik arbeitet.

Was unterscheidet den wahrnehmungsgesteuerten Roboter im Vergleich zu den klassischen Industrierobotern und wo liegen die Herausforderungen?
Brantner: Der klassische Industrieroboter arbeitet extrem deterministisch. Ihm wurde also ein spezifischer Bewegungsablauf einmal einprogrammiert, der dann tausende Male ausgeführt wird. Sehr wiederholgenau und präzise – allerdings ohne Bewusstsein für die Umgebung oder deren Interpretation. Im Gegensatz dazu haben wahrnehmungsgesteuerte Roboter über 3D-Kameras und Sensoren die Möglichkeit, die Welt um sie herum zu „sehen“. Über Software – und hier liegt der Schlüssel zu intelligentem Verhalten – können die Roboter die Welt dann interpretieren, zur Laufzeit Entscheidungen treffen und damit ihr Verhalten an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen.

Wenn gemeinsam mit dem Menschen in derselben Umgebung gearbeitet wird, wird es nämlich immer Abweichungen von den erwarteten Gegebenheiten geben. Die große Herausforderung liegt darin, den Robotern so intelligente Algorithmen mitzugeben, dass sie im Dauerbetrieb auch solche Situationen meistern können, über die wir heute noch gar nicht nachgedacht haben.

Herr Brantner, vielen Dank für das Gespräch!

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