handling award für das beste Start-up

Robotik für alle Unternehmensgrößen

Mit dem „Highly Optimized Robotic Systems Technology“ abgekürzt HORST wagte ein junges Konstanzer Unternehmerteam den Sprung auf den Robotikmarkt. Die pfiffige Kombination aus Hardware und Software überzeugte die Jury, Fruitcore den Preis für das beste Start-up im Wettbewerb zu verleihen.

Die Fruitcore-Geschäftsführer Jens Riegger (CEO) und Patrick Zimmermann (CFO). © Fruitcore

Herr Riegger, Herr Zimmermann, warum gründen in Deutschland und nicht bei einem großen Hersteller anheuern?
Wir haben vor Jahren begonnen, uns mit der Automatisierungs- und Robotik-Industrie zu befassen. Dabei ist uns aufgefallen, dass besonders KMU sehr viele Hürden sehen, die sie von der Automatisierung abhalten. Innerhalb weniger Monate haben wir uns im Gründerteam zusammengefunden und festgestellt, dass wir zusammen sämtliche für die Industrieroboter-Vermarktung relevanten Fachkenntnisse mitbringen. Darum haben wir 2017 die Fruitcore GmbH gegründet.

Der Wettbewerb für Industrieroboter ist nicht ganz ohne, wie wollen Sie mit HORST zwischen den großen Spielern bestehen?
Fruitcore verfolgt das Ziel, wirtschaftliche Robotik für alle Unternehmensgrößen möglich zu machen. Mit diesem Fokus haben wir HORST entwickelt. Durch den gänzlich anderen Aufbau von HORST konnte die Leistungsfähigkeit bei gleichzeitiger Kostensenkung erhöht werden. Darüber hinaus reduziert die Software horstFX die Komplexitätsanforderungen für den Bediener auf ein Minimum. Denn für die Programmierung sind keine Fachkenntnisse notwendig. Das Robotersystem kombiniert die Vorteile kollaborativer und konventioneller Systeme mit einem einzigartigen Preis-Leistungsverhältnis und ist damit für Unternehmen aller Größen die reale Chance für den einfachen und bezahlbaren Einstieg in die Automatisierung.

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War das heutige Konzept schon die Grundidee, mit der Sie Fruitcore gegründet haben oder mussten Sie sich erst über mehrere Stationen an das heutige Konzept herantasten? Was waren die wichtigsten Änderungen von der Grundidee zum heutigen Produkt?
Ursprünglich haben wir uns mit Robotern für den Bildungsbereich befasst. Das hat gut gepasst, weil die Roboterbedienung für Auszubildende und Studenten aufgrund der Einfachheit ein dankbarer Einstieg ist. Wir haben dann festgestellt, dass der Bedarf an einfach bedienbaren Robotern in der Industrie sogar noch größer ist als im Bildungsbereich. Aus diesem Grund haben wir HORST grundlegend neu konzipiert, mit dem Fokus auf optimale Produktivität.

Die ersten Systeme sind inzwischen schon einige Zeit bei Ihren Kunden im Einsatz. Für welche Aufgaben setzen Ihre Kunden HORST ein?
Der Sechs-Achs-Industrieroboter HORST ist so konzipiert, dass er für zahlreiche Prozesse in den verschiedensten Industriebereichen wie in der Automotive-Branche, der Pharma- und Medizintechnik, der Elektrotechnik und der Prüftechnik eingesetzt werden kann. Anwendungen sind unter anderem das Be- und Entladen von Maschinen, Stapeln, Sortieren und Verpacken, das Handling von Dreh-, Fräs- und Stanzteilen aber auch die Automatisierung von Pick-&-Place-Anwendungen bei Kleinteilen. Das Robotersystem kommt zudem als Lernstation in Bildungseinrichtungen und Unternehmen zum Einsatz, um Schüler, Studierende und Auszubildende mit der Praxis von Industrie 4.0 vertraut zu machen.

(v.l.n.r.): Daniel Schilling, CFO Patrick Zimmermann und CEO Jens Riegger bei der Verleihung des handling awards. © WBM

Eine Besonderheit von HORST ist der Antrieb der beiden Hauptachsen über Viergelenkketten, eine weitere die Software horstFX: Wie sehen Sie das Verhältnis von Hardware und Software in der Robotik heute? Wo lassen sich die größten Fortschritte erzielen?
Heute spielt die Hardware eine immer geringere Rolle. Dennoch benötigt man sie, um nachhaltig Innovationen im Bereich Software oder Elektronik zu realisieren. Teilweise wird hierzu ein Retrofit durchgeführt oder Maschinen werden beispielsweise mit Edge-Devices nachgerüstet, um sie IoT-fähig zu machen. HORST verfügt bereits über die neueste mechatronische Hardware. Dadurch können leistungsfähige Softwarefunktionen umgesetzt werden.

Hat sich der Antrieb über die Viergelenkketten bewährt?
Der Antrieb über die Viergelenkketten hat sich seit dem Beginn eindeutig bewährt. Bereits mit einem der ersten Roboter konnten wir mit kleinen Antrieben mehrere hundert Gramm bewegen. Mit Hilfe intelligenter Algorithmen haben wir die Anordnung der Viergelenkketten immer weiter optimiert. Heute haben wir ein wesentlich besseres Verhältnis von Motorleistung zu Traglast als andere Knickarmroboter. Ein weiterer Vorteil ist unter anderem, dass der sich dynamisch bewegende Teil des Roboterarms bei HORST vergleichsweise leicht ist. Das liegt daran, dass sich die Motoren der Hauptachsen 2 und 3 im Sockel befinden.

Sie arbeiten bereits an einer weiteren Version von HORST, welche weiteren Entwicklungen sind zu erwarten?
Fruitcore arbeitet aktuell an HORSTs großem Bruder, der 2020 verfügbar sein wird. Er wird über eine Reichweite von rund 1.400 Millimeter und eine höhere Traglast verfügen. In der Software werden im Jahr 2020 viele verschiedene Funktionen veröffentlicht, welche die Programmierung von Anwendungen erleichtern.

Welche Bedeutung hat der Standort Konstanz für Sie? Gibt es Kooperationen mit der Universität oder vielleicht auch in die Schweiz?
Wir sind mit der Lage in Konstanz sehr zufrieden. Durch die Nähe zur Hochschule und Universität konnten wir bereits viele Top-Absolventen für uns gewinnen. Innerhalb der DACH-Märkte zentral positioniert zu sein, ist insbesondere im Vertrieb wirklich hilfreich. Im Schwarzwald sowie in Stuttgart sind sehr viele Automotive-Unternehmen, KMU und Hidden-Champions angesiedelt, mit denen wir zusammenarbeiten. Das gilt ebenfalls für die zahlreichen Unternehmen im Medizintechnik-Mekka in Tuttlingen.

Das Interview führte handling-Chefredakteur Daniel Schilling.

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