Fünf Jahre Transmodul – und die Entwicklung geht weiter

Dieser Einachser hat’s drauf!

2009 hat Gerhard Schubert das Transmodul als TLM-Systemkomponente vorgestellt. Dieser einachsige Roboter führt Verpackungsschachteln, Produkte und Werkzeuge durch die Maschine. Er sieht unscheinbar aus, doch er hat Schubert zu einen enormen Wachstumsschub verholfen. Über Aktuelles aus Crailsheim zur Interpack führte handling-Chefredakteurin ein Gespräch mit einem der Geschäftsführer, Gerald Schubert.

Dipl.-Ing. Gerald Schubert ist seit über zwanzig Jahren im väterlichen Unternehmen tätig. Nach seinen Jahren als Geschäftsführer des Schubert-Tochterunternehmens IPS (International Packaging Systems) wurde er Gesamt-Bereichsleiter Verkauf bei Gerhard Schubert und ist seit 2012 hier auch Geschäftsführer zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Ralf, der die Entwicklung, das technische Büro und die Montage verantwortet. (Foto: Born)

Herr Schubert, das Verpacken von Waren ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Und obendrein schnelllebig. Warum sollten Hersteller von Konsumgütern für ihre Produkte Verpackungsmaschinen von Schubert einsetzen?
Hersteller von Verpackungsmaschinen stellen die erforderlichen Maschinen-Komponenten oft von verschiedenen Anbietern zusammen, so zum Beispiel Roboter, Bilderkennungssystem, Steuerung, Handlingsystem, und integrieren diese Dinge. Uns unterscheidet von diesen Systemintegratoren, dass wir die komplette Verpackungsmaschine von Grund auf selbst entwickeln, konstruieren und fertigen. Das beinhaltet auch die Roboter, die Steuerung und die Bilderkennung. Diese Komponenten stammen alle aus unserem Haus. Wir treiben hier einen großen Entwicklungsaufwand und geben jährlich hierfür bis zu zehn Millionen Euro aus, weil wir diese Komponenten ständig verbessern und weiterentwickeln.

Eine stolze Summe. Ist das nicht ein großer Aufwand, den Sie da im Verhältnis zum Vorgehen der Systemintegratoren betreiben?
Der Entwicklungsaufwand ist hoch, das stimmt schon. Zur Interpack wird man aber beeindruckende Ergebnisse dieser Weiterentwicklungen sehen - etwa unser verbessertes Transmodul, das nun kurvenfähig wird, oder den neuen 3D-Scanner, der jetzt räumliches Sehen verwirklicht, und natürlich den Prototypen der weltweit ersten Verpackungsmaschine ohne Schaltschrank. Wir arbeiten ständig an Verbesserungen. Unsere Besonderheit bei Schubert ist die starke Standardisierung! Wir haben nur sieben Systemkomponenten! Die größte dieser Standardkomponenten ist das Maschinengestell, quasi das Gerüst einer Verpackungsmaschine und Basis einer Teilmaschine. Jede Verpackungsmaschine besteht aus unterschiedlich vielen Teilmaschinen - das können je nach Kundenauftrag eine oder zwanzig Teilmaschinen sein, aus der eine Verpackungslinie besteht. Im Jahr 2013 haben wir 550 Teilmaschinen hergestellt, wir wollen nun die Kapazität auf 1.000 im Jahr aufbohren.
Das klingt nach Wachstum in Crailsheim. Haben Sie denn am Standort Platz genug für diese Verdoppelung, und woher kommt die Nachfrage nach noch mehr Verpackungsmaschinen?
Studien ist zu entnehmen, dass der Markt bis zum Jahr 2017 insgesamt um fünf Prozent wächst. Die großen Wachstumsmärkte sind dann aber nicht mehr Europa, sondern die neuen Märkte wie China, Indien, Südostasien, Afrika, Südamerika. Wir haben hier an unserem Standort eine Fläche erworben, auf der eine neue Montagehalle gebaut wird. Und wenn die Entwicklung nach Plan verläuft, wollen wir 2016 einen weiteren Bau in Angriff nehmen.

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Was genau ist Ihr Erfolgsfaktor?
Der Grund, warum wir stärker wachsen als andere Verpackungsmaschinenhersteller, ist der, dass wir sehr breit aufgestellt sind. Dank unserer Standardisierung können wir alle Branchen abdecken und alle Arten von Lebensmittel, Pharmaartikel, Kosmetikwaren oder technische Artikel verpacken. Wir sind mit unseren standardisierten Systemen auf keine Bereiche eingeschränkt. Ein zweiter wesentlicher Grund unseres Erfolgs liegt darin, dass wir Komplexität reduzieren, zum Beispiel die Mechanik. Aufwendige Mechanik ist komplex, und das hat Nachteile - es gibt Verschleiß, höhere Kosten, Mechanik ist mitunter laut, meistens sehr spezifisch ausgelegt und vor allem nicht flexibel. Außerdem ist Mechanik, auch wenn sie noch so gut ist, Quelle potenzieller Fehlfunktionen. Deshalb haben wir die Mechanik reduziert - ihr Anteil an der Gesamtlösung ist von anfänglich 95 Prozent auf jetzt weniger als die Hälfte gesunken. Der Rest ist Elektrik, Steuerung, und an deren Erweiterung arbeiten wir.

Sie eliminieren also alles, was stört. Auch auf einen Schaltschrank verzichten Sie jetzt - der Traum ihres Vaters, Gerhard Schubert, geht in Erfüllung?
Ja, er hatte sich vorgenommen, die erste Verpackungsmaschine ohne Schaltschrank zu bauen. Und nun steht sie da, allerdings noch verhüllt. Das Design ist komplett reduziert. Zur Interpack werden wir sie der Öffentlichkeit vorstellen. Sie dürfen aber schon ein Auge draufwerfen! Ein Schaltschrank an sich ist ja um Himmels willen nichts Schlimmes. Aber schon immer ist es eine Besonderheit unserer Top-Loading-Maschinen (TLM) gewesen, dass Steuerung und Verdrahtung im Kopf der Maschinengestelle untergebracht sind. Das ist nun noch einmal abgespeckt worden. Jede Teilmaschine hat eine eigene Steuerung ihres jeweiligen Prozesses, und die Teilmaschinen selbst werden künftig über einen Sercos-Bus verbunden. Die Maschine wirkt durchlässig, alles ist frei zugänglich, sie sieht klasse aus!

Neben dieser Errungenschaft, auf die die Fachwelt gespannt ist, feiern Sie auch ein kleines Jubiläum: fünf Jahre Transmodul, der einachsige Roboter, quasi der Hol- und Bringedienst in der Verpackungsmaschine. Welche Neuigkeiten gibt es hier?
Unser Transmodul wird jetzt kurvengängig. Seit der Einführung dieses Roboters 2009 haben wir weltweit rund 2.500 dieser Geräte in unseren TLM-Anlagen verbaut. Mit diesem Teil sind wir einen enormen Schritt nach vorn gekommen! Die Module befördern Produkte und Schachteln, dienen als Trägerschlitten der Tiefziehwerkzeuge oder unterstützen jetzt auch den automatischen Werkzeugwechsel. Das Transmodul ist zum Herzstück unserer Maschinen geworden. Auch die neuen TLM-Füllmaschinen konnten wir nur durch das Transmodul verwirklichen. Beim aktuellen Update haben wir den Transportschlitten verkürzt und mit einer LED-Anzeige für den Betriebszustand ausgestattet. Die Steuerungselektronik basiert nun auf einer Uni-5-Baugruppe, der aktuellen Steuerungsbaugruppe der neuesten Generation der Schubert-Verpackungsmaschinensteuerung. Kommen Sie zur Interpack und erleben die Neuheiten in Aktion!

Herr Schubert, vielen Dank für das Gespräch!

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