Kommissionieren mit Robotertechnik bei Engelbert Strauss

Ein Regal macht mobil

Rote Roboter flitzen im Frankfurter Logistikcenter der BLG Logistics hin und her. Auf 800 mobilen Regalen transportieren sie die Ware vollautomatisch in den Kommissionierbereich von Arbeitskleidungshändler Engelbert Strauss.

Die dynamische und flexible Lösung mit ihrem „Ware-zur-Person“-Prinzip hat die gesamte Intralogistik im Frankfurter Logistikcenter der BLG revolutioniert. Das bestätigt auch Klaus Gottwalt, Leiter des Logistikcenters in Frankfurt: „Unsere Mitarbeiter im Kommissionierbereich für retournierte Ware müssen nicht mehr zur Ware hingehen, sondern die Ware kommt zu ihnen.“ Die Grundidee des mobilen Kommissionierlagers: Vollautomatisch werden die Regale zu einer Pick-Station gebracht. Die dafür eingesetzten Transportfahrzeuge („Carrys“) mit niedriger Bauhöhe unterfahren die mobilen Warenträger, heben diese an und transportieren sie auf einem festgelegten Weg zum Pick-Platz. Geplant wird die Route von der IT-Lösung „Flottenmanager“. „Stargate“ nennen die Frankfurter BLG-Mitarbeiter die Kommissionierstationen. Denn Pick-by-Light- und Put-to-Light-Techniken führen sie durch den Kommissionierprozess. Die Funktionsweise dieses Systems schließt die Lücke von automatisierter Paletten-Lagerung (HRL) und automatisierter Kollo-Lagerung (AKL) hin zur automatisierten Einzelteillagerung.

An der Hanauer Landstraße wird mit insgesamt 800 Regalen und 75 Carrys an fünf „Stargates“ kommissioniert. „Das robotergestützte System lässt sich dynamisch an wechselnde Marktbedingungen und Kundenanforderungen anpassen“, erklärt Julius Krahl den Vorteil des neuen Konzepts. Er hat die Installation in Frankfurt als Projektverantwortlicher von Anfang bis Ende begleitet. „Wir hatten einen wirklich ambitionierten Zeitplan: Zwischen der Vertragsunterzeichnung mit dem Kunden Engelbert Strauss und der technischen Umsetzung lagen nur sechs Monate.“ Seit Anfang 2015 läuft alles und die roten G-Com-Carrys sind Julius Krahl und dem Projektteam richtig ans Herz gewachsen. „Schließlich waren wir zusammen mit Engelbert Strauss in Frankfurt die Ersten, die diese komplett neue Technologie im europäischen Raum in der Praxis umgesetzt haben“, fügt er stolz hinzu.

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Das würdigte auch die Jury des Deutschen Logistik-Preises, der im Oktober 2015 an die BLG und Engelbert Strauss verliehen wurde: „Die Innovation steckt im bahnbrechenden Einsatz des technischen Systems G-Com von Grenzebach“, so Wirtschaftsjournalist und Publizist sowie Vorsitzender der Logistik-Preis-Jury Roland Tichy, in seiner Laudatio. Für die Preisvergabe war das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entscheidend – Technologie und Kundenorientierung, Effizienz durch Minimierung der Wege im Lager, Ergonomie durch diese verkürzten Wege und eine geringere Zahl von Hebevorgängen sowie Mobilität, Skalierbarkeit und Flexibilität des Systems, das seinerseits umziehen kann.

Effizient und zukunftsträchtig

Für die BLG ruhen große Hoffnungen auf der Schnittstelle zwischen Mensch und Roboter: Denn das moderne Lager- und Kommissioniersystem ist, im Vergleich zur herkömmlichen Person-zur-Ware-Abwicklung, deutlich effizienter. Es ist nicht starr und saisonale Spitzen sind gut abbildbar. Mithilfe von G-Com lassen sich auch als nicht automatisierbar geltende Logistikflächen schnell, wirtschaftlich flexibel und skalierbar erschließen. Diese Situation traf im Logistikcenter Frankfurt zu, einer denkmalgeschützten Immobilie, die nicht optimal geschnitten und beschaffen ist. Bereits 2013 hatte die BLG Handelslogistik dort ein Multi-Channel-Fulfillment-Center in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von 41.000 Quadratmetern, die schon bald um 16.000 Quadratmeter erweitert wurden, wird seit dem 1. Oktober 2014 das Versandgeschäft für Engelbert Strauss, Marktführer im Bereich Workwear, übernommen. Nur wenige Monate später kam die Anfrage für das Retouren-Geschäft. „Wir brauchten dafür eine Lösung, die uns hilft, auf die schnellen Veränderungen entsprechend zu reagieren“, sagt Klaus Gottwalt. Gemeinsam entschieden sich BLG und Engelbert Strauss für das Grenzebach-System. G-Com bot die wirtschaftlichste, flexibelste und zukunftssicherste Lösung für die Aufgabenstellung. Hinzu kommt der demografische Wandel, der auch in Frankfurt spürbar ist. Er führt dazu, dass das Durchschnittsalter der Mitarbeiter steigt, bei gleichzeitig höheren Anforderungen. G-Com bietet hier Entlastung für die Bediener, indem es ortsfeste, ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze schafft. Es unterstützt die Mitarbeiter in unterschiedlichen Ausprägungen; Tätigkeiten wie das Suchen oder Zurücklegen langer Wege fallen weg.

Im Frankfurter Logistikcenter der BLG dient G-Com auf einer Fläche von 4.500 Quadratmetern als Lager für retournierte Waren und ist je nach Saison auf Ein- und Auslagermengen in fünfstelliger Höhe täglich ausgelegt. Das Retourenmanagement ist in die bestehenden Prozesse eingebunden: Im ersten Obergeschoss des Gebäudes übernimmt die BLG die Kommissionierung der Neuware. Im Erdgeschoss befindet sich die Retourenabwicklung. Die beiden Stockwerke wurden, nach der Übernahme der Retourenabwicklung, fördertechnisch miteinander verbunden. Diese Verbindung stellt sicher, dass auch Aufträge, die sowohl Waren aus dem Retourenlager als auch aus dem Neuwarenlager enthalten, bearbeitet werden können.

Zusammen mit Engelbert Strauss und dem Consulting- und Softwareunternehmen Inconso mussten neue Applikationen für das bestehende Lagerverwaltungssystem im Frankfurter Logistikcenter geschaffen werden. Das WMS X ist bestandsführend, es kennt also alle Regale und weiß, welche Warenstücke darin enthalten sind. Zusätzlich nahm Engelbert Strauss im hauseigenen Warenwirtschafts- und Logistiksystem die notwendigen Anpassungen und Veränderungen, sowohl in der Prozesssteuerung als auch an den Schnittstellen, vor. Daneben führt der Fleetmanager von Grenzebach die Anforderungen des Inconso WMS X aus.

Fit für die Zukunft

Mit dem modularen robotergestützten Lager- und Kommissioniersystem stellt sich die BLG auf die Herausforderungen der Zukunft ein: Das Thema E-Commerce gewinnt weiterhin an Bedeutung. Bestehende Lösungen sind oft nicht direkt auf neue Rahmenbedingungen anwendbar, führende E-Commerce-Unternehmen setzen auf innovative Konzepte. Die Frankfurter Lösung ist so eine Innovation, die der BLG auch zukünftig ermöglicht, kurzfristig auf die unterschiedlichsten Kundenanforderungen zu reagieren. Der Einsatz an anderen Standorten im Geschäftsbereich ‚Contract‘ wird intensiv geprüft. bw

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