Das sagen Branchenkenner

Mal eine Frage, welche Faktoren beeinflussen Industrieroboter demnächst?

Die Betrachtungsweise ist unterschiedlich, das Ergebnis in vielen Fällen übereinstimmend: mehr Automation in der zukünftigen Fertigungstechnik. Dabei wird es auch darum gehen, den Mittelstand stärker in die Robotertechnologie einzubinden und die Kooperation von Mensch und Maschine Realität werden zu lassen. Wir haben einige Branchenprominente zu ihrer Meinung über Einflussfaktoren in der Robotertechnik gefragt. Hier ist der Fächer der Antworten:

Olaf Kramm, Geschäftsführer FANUC Deutschland GmbH

Olaf Kramm, Geschäftsführer FANUC Deutschland GmbH
Die Art und Weise, wie heute und auch morgen produziert wird, setzt stärker denn je auf Robotertechnik und flexible Automatisierungslösungen. Gerade kleinere Losgrößen müssen effektiv mit standardisiertem Equipment gefertigt werden. Die Flexibilität wird durch den Einsatz von Sensorik gewonnen, wie wir es seit vielen Jahren und mit hoher Integrationsdichte praktizieren. Es ist eine spannende Zeit mit herausfordernden Themen wie beispielsweise der Mensch-Roboter Kooperation. Mitbestimmend über den Erfolg der Roboter wird wie bisher auch die Leistungsfähigkeit der Steuerung sein und wie zuverlässig das Paket „Roboter/Steuerung“ auf Dauer ist.

Per Vegard Nerseth, Head of ABB Robotics

Per Vegard Nerseth, Head of ABB Robotics
Die drei Schlüsselfaktoren, die den Robotermarkt in den kommenden Jahren prägen und verändern werden, lassen sich mit den Begriffen Vereinfachung, Mensch-Maschine-Kollaboration und integrierte Lösungen zusammenfassen. Unter Vereinfachung verstehen wir bei ABB intuitive Lösungen für die Roboterprogrammierung, Inbetriebnahme, Bedienung und Überwachung, auch über mobile Endgeräte. Im Bereich Mensch-Maschine-Kollaboration werden inhärent sichere Roboter wie YuMi zahllose neue Einsatzmöglichkeiten in der Kleinteilfertigung bieten. Und letztlich werden auch integrierte und standardisierte Lösungen in den Bereichen Vision und Kraft-Momentensensorik die Interaktion der Roboter mit ihrer Umwelt vereinfachen und so den Weg für die Fabrik 4.0 ebnen.

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Stefan Lampa, Vorsitzender der Geschäftsführung KUKA Roboter GmbH

Stefan Lampa, Vorsitzender der Geschäftsführung KUKA Roboter GmbH
„Weltweit steigt die Bedeutung roboterbasierter Automatisierungslösungen – und das nicht nur in großen Konzernen, sondern auch in kleinen und mittelständischen Betrieben aller Industriebranchen. Dafür ist es wichtig, dass sich Roboter flexibel neuen Anforderungen anpassen, einfach in Anlagen integrieren und ohne großen Aufwand programmieren lassen. Die Vernetzung und Interoperabilität verschiedenster Produktionssysteme gemäß der Idee der „Smart Factory“ sind dabei zentrale Anforderungen. Der Mensch wird in seiner Arbeit von intelligenten Systemen unterstützt und setzt den Roboter als ideale Ergänzung im Produktionsumfeld ein. Grundlage für eine solche sensitive und sichere Automatisierungstechnik sind intelligente und feinfühlige Roboter. KUKA bietet mit dem LBR iiwa, dem ersten sensitiven und nachgiebigen Leichtbauroboter in sicherer Technik ein Produkt, das schon heute die Anforderungen der Produktion der Zukunft erfüllt.“

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Bernd Kuhlenkötter - Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Montage, Handhabung und Industrierobotik (MHI), Leiter Lehrstuhl für Produktionssysteme / Fakultät für Maschinenbau Ruhr-Universität Bochum

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Bernd Kuhlenkötter, Institut für Produktionssysteme (IPS)
Der derzeitige Industrieroboter ist ein technisch ausgereiftes Produkt, das seine Leistungsfähigkeit in einer Vielzahl von Anwendungen jeden Tag eindrucksvoll beweist. Der Erfolg in den kommenden Jahren wird insbesondere durch neue Möglichkeiten zur einfachen Programmierung, die Ausweitung der Virtuellen Inbetriebnahme sowie die Unterstützung der Mensch-Roboter-Kollaboration bestimmt. Für diese Themenfelder entwickelt die Forschung Lösungen, von denen einige schon erfolgreich in industrielle Applikationen transferiert wurden. Zu nennen sind beispielsweise automatisierte und prozessoptimierte Roboterbahnplanungen und durchgängige Datenformate wie AutomationML sowie die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter ohne trennende Schutzeinrichtungen. Der enge Schulterschluss zwischen Forschung und Industrie ist der entscheidende Faktor, um der Industrierobotik weiterhin Wachstum und Erfolg zu sichern.

Gerald Vogt, Geschäftsführer Stäubli Robotics

Gerald Vogt, Geschäftsführer Stäubli Robotics
Es ist eine ganze Reihe von Faktoren, die den Markterfolg von Robotern in Zukunft maßgeblich beeinflussen wird. Das fängt bei der Bedienung und Programmierung an, die immer intuitiver werden muss, um komplexe Funktionen und Möglichkeiten auch im Bereich der Mensch-Roboter-Kollaboration einfach anwenden zu können. Erweiterte Simulationstools sowie zukunftsweisende Möglichkeiten wie health monitoring von Robotern dank Webtechnologie gehören ebenfalls zu den Zukunftsaspekten, die in das zentrale Thema Industrie 4.0 münden. In wirtschaftlicher Hinsicht wird uns der übergeordnete Themenkreis Total Cost of Ownership dauerhaft begleiten. Darunter fallen Aspekte wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, aber auch Zuverlässigkeit und Lebensdauer. Hierbei werden sicherlich leichtere und steifere Materialien eine entscheidende Rolle spielen. Grundsätzlich wird es entscheidend darauf ankommen, wie schnell wir als Hersteller Innovationen in den Markt bringen und wie zeitnah die Adaption neuer Roboterprodukte in neuen Segmenten gelingt.

Jürgen Küch, Senior Manager Europe bei Denso Robotics

Jürgen Küch, Senior Manager Europe bei Denso Robotics
„Industrieroboter sind längst eine Erfolgsgeschichte. Gerade die Finanz- und Eurokrise haben gezeigt, dass Unternehmen wirtschaftlich schwächere Zeiten für die Automatisierung nutzen. Die Programmierung eines Roboters muss heute einfach sein. Roboter müssen platzsparend und verlässlich arbeiten. Zudem ist es wichtig, dass sie mit einer Vielzahl an Applikationen und Komponenten kooperieren können – dafür steht DENSO Robotics. Neben der Autoindustrie gilt es, mit innovativen Modellen wie unseren Kompaktrobotern neue Branchen zu erschließen. Beispielsweise bieten die Lebensmittel-, Elektro- und Pharmaindustrie sowie die Medizintechnik ein enormes Potenzial – unter anderem, weil hier hohe Verlässlichkeit und eine gleichbleibende Produktqualität absolut notwendig sind.“

Enrico Krog Iversen, Geschäftsführer Universal Robots

Enrico Krog Iversen, Geschäftsführer Universal Robots
Meiner Meinung nach werden Industrieroboter in den kommenden Jahren zu selbstverständlichen Werkzeugen, die die Menschen von monotonen und körperlich belastenden Tätigkeiten entlasten. Dafür ist vor allem die Akzeptanz der Endanwender entscheidend. Wir bei Universal Robots sehen es als unsere Aufgabe besonders KMUs von den Vorteilen moderner Industrieroboter zu überzeugen, denn hier schlummert großes Automatisierungspotenzial. Gleichzeitig wird die technische Entwicklung v.a. durch eine Vielzahl internationaler Forschungsprojekte vorangetrieben. Ein gutes Beispiel ist das EU-Projekt „Factory-in-a-Day“, das eine Richtung aufzeigt, in die sich Industrieroboter zukünftig entwickeln könnten.

Prof. Dr. Peter Post, Leiter Corporate Research and Technology Festo

Prof. Dr. Peter Post, Leiter Corporate Research and Technology Festo
Mittelfristig geht es darum, Robotersysteme und deren Steuerungen so weiterzuentwickeln, dass die Inbetriebnahme kein ausgeprägtes Spezialistenwissen für die Programmierung mehr voraussetzt, sondern für jeden Mitarbeiter smart und intuitiv möglich ist. Langfristig wird es Robotersysteme mit einer ausgeprägten Sensorik und einer gewissen Intelligenz geben, die durch nachgiebige pneumatische Antriebe oder elektrische Antriebe mit Nachgiebigkeitsregelung gefahrlos in der Mensch-Maschine-Kooperation eingesetzt werden können. Gerade für die Fabrik der Zukunft mit ihrer großen Flexibilität bei Stückzahlen und Variantenvielfalt ist es notwendig, dass sie Menschen in der Fabrik bei ihrer Arbeit unterstützen und mit den Menschen Hand in Hand ohne Schutzzäune zusammenarbeiten können. Zahlreiche Forschungsprojekte, an denen auch Festo beteiligt ist, arbeiten an solchen intelligenten Lösungen.

Renate Pilz, Geschäftsführende Gesellschafterin Pilz

Renate Pilz, Geschäftsführende Gesellschafterin Pilz
Ein Roboter ist primär ein komplexes Mehrachssystem, das zunehmend barrierefrei mit Menschen zusammenarbeiten soll. Das große Ziel ist es, Schutzzäune überflüssig zu machen und trotzdem die Sicherheitsfunktionen aufrecht zu erhalten. Wir setzen da an, wo Roboter und Mensch Hand in Hand arbeiten. Und hier hat Pilz die Lösungskompetenz, nach dem Prinzip „Gestern, Heute und Morgen“. Gestern die räumlich Separierung der Arbeitsräume von Mensch und Maschine durch trennende Schutzeinrichtungen, heute haben wir Lösungen wie unser Safety Eye, dank derer Mensch und Maschine in einem gemeinsamen Arbeitsraum sicher zusammenarbeiten können, und schließlich der Ausblick auf morgen mit der Frage, wie könnte eine taktile Sensorik in Zukunft aussehen, um eine ganz enge Kooperation zwischen Mensch und Maschine möglich zu machen.

Dr. Klaus Kluger, Geschäftsführer Adept Technology

Dr. Klaus Kluger, Geschäftsführer Adept Technology
Mehr Automatisierung, intelligente Verkettung der Prozesse und eine höhere Softwaredurchdringung werden die Entwicklung der kommenden Jahre prägen (Industrie 4.0 als Stichwort). Dies erfordert innovative Applikationen in der Automatisierung, die nachhaltiger, energieeffizienter, modularisier- und skalierbar sein müssen. Frei navigierende Transporteinheiten wie der Adept Lynx beispielsweise können sowohl mit ERP-Software als auch mit Bedienern gleichermaßen interagieren und schaffen so neben flexiblen, durch autonome Navigation realisierten Transportwegen ein modulares und offen skalierbares System, das individuell in die Automatisierungslösung integriert werden kann.

Hartmut Pütz, Präsident Factory Automation European Business Group

Hartmut Pütz, Präsident Factory Automation European Business Group
Industrie 4.0 wird hier ein Thema sein, denn es kann zum Beispiel helfen, komplexe Systeme mit Assistenz-Systemen beherrschbar zu machen. So können Roboter schwere oder hochgenaue Füge- und Montage-Abläufe unterstützen bzw. diese selbst ausführen. Dabei werden dann direkt die benötigten Informationen für die Nachverfolgbarkeit, vorbeugende Wartung, Qualitätssicherung und Energie-Management vom Roboter erfasst und über die diversen Produktionsnetzwerke an das MES/ERP Umfeld weitergegeben, um diese dort der gesamten Verarbeitungskette bereitzustellen. Aus diesen Möglichkeiten werden vielfältige neue Möglichkeiten im Umfeld des Internets der Dinge und der Dienstleistungen hervorgehen. Die Roboter sind dafür prädestiniert personalisierte Produkte zu erstellen und im Bereich der kleinen Stückzahlen effektiv und wirtschaftlich zu arbeiten.

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