Leichtbauroboter

Es zählt der Mehrwert

handling-award-Preisträger BioRob: In der Geräteindustrie ist er bereits eine Erfolgsgeschichte. Mit dem Leichtbauroboter BioRob belegt Bionic Robotics den dritten Platz in der Kategorie „Automatisierung und Robotik“. Über Vorteile und Eigenheiten des Roboters sprach Bernd Waßmann mit dem Geschäftsführer Ralf Teichmann.

Bionic-Robotics-Geschäftsführer Ralf Teichmann mit dem Leichtbauroboter. (Foto: Yücel)

Leicht gekleidet statt in stählerner Ummantelung kommt der Bionic-Roboter daher. Was hat es mit dem luftigen Outfit auf sich?
Die Stoffhaut verleiht dem Roboterarm eine gewisse Leichtigkeit und ein elegantes Design. Das weiche Material hat darüber hinaus aber auch eine wichtige Funktion bei der Mensch-Maschine-Kollaboration: Einerseits reduziert es das Gewicht des Roboterarms und sorgt so bei Kollisionen für geringere Kräfte. Andererseits fühlt es sich gut und sicher an und nimmt dem Mitarbeiter die Angst, an in die Mechanik zu greifen.

Herausgekommen ist ein echtes Leichtgewicht, das sozusagen in die Aktentasche passt. Macht das geringe Gewicht den Roboter mobil?
Mit dem BioRob im Handgepäck können Sie locker zu einer Kundenpräsentation in die USA fliegen. Die Flexibilität im Einsatz ist seine große Stärke. Mit wenigen Handgriffen und in kürzester Zeit kann er an unterschiedlichen Stationen auf dem Boden, an der Decke oder an der Wand montiert werden.

Ist diese Leichtbauweise Teil des Sicherheitskonzepts?
Ja, auf jeden Fall. Mit seinen sechs Kilogramm hat der BioRob ein vergleichsweise geringes Gewicht. Das liegt in erster Linie daran, dass die Antriebe in der Basis des Roboterarms angesiedelt sind und ohne schwere Motoren auskommen. Das ist einzigartig im Markt der Leichtbauroboter.

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Der Roboter ist für kollaborative Arbeiten geeignet, hat aber keine eigenen, zusätzlichen Schutzkonzepte. Wie wird die Sicherheit der menschlichen Kontaktpersonen gewährleistet?
Unser passives Sicherheitskonzept beschränkt sich nicht nur auf die Leichtbauweise. Auch seine Elastizität im Antrieb, der über Seilzüge erfolgt, ist Teil dieses Konzepts. So werden im Falle einer Kollision, in Kombination mit der geringen bewegten Masse, die auftretenden Kräfte gemildert und sind für den Menschen absolut ungefährlich. Dadurch muss der BioRob, im Gegensatz zu anderen Robotern, nicht mittels Sensorik und Software abgesichert werden, sondern ist durch seine Bauart inhärent sicher. Im Übrigen hat das auch die Deutsche Berufsgenossenschaft bestätigt, die den BioRob für das direkte Umfeld des Menschen nach Maschinenrichtlinien 2006/42/EG zertifiziert hat und zwar ohne dass weitere Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Welche technischen Leistungsdaten markieren den BioRob?
Die wichtigsten Leistungsmerkmale sind eine Traglast von 500 Gramm im kollaborierenden Betrieb, eine Endeffektorgeschwindigkeit von maximal 1,2 Meter pro Sekunde sowie sein geringes Gewicht von sechs Kilogramm. Der BioRob verfügt über vier bis fünf Drehgelenke und weist mit nominalen 40 Watt einen geringen Energieverbrauch auf. Hinzu kommt eine Taktzeit von unter vier Sekunden im Inch-Foot-Inch-Zyklus.

Ist er damit wettbewerbsfähig zu den schwereren Kollegen vom Wettbewerb?
Der BioRob ist ein Leichtbauroboter für typische Pick-und-Place-Applikationen und nicht vergleichbar mit schweren Industrierobotern, wie sie in der Automobilproduktion eingesetzt werden. Unser Roboter besetzt eine Nische im Markt der Leichtbaurobotik und hat seine Stärken bei der Verarbeitung von leichtgewichtigen Bauteilen.

An welche Einsatzbereiche denken Sie?
Der BioRob ist in der industriellen Produktion überall dort ein wichtiger Helfer, wo Sicherheit, Flexibilität und Mobilität gefragt sind oder Installationen häufig wechseln. Seine einfache Installation durch intuitive Programmierung zahlt sich dabei besonders aus. Beispiele für solche Einsatzfelder sind die Unterstützung von Handarbeitsplätzen, die Übernahme von einfachen Montagevorgängen oder das Palettieren von Werkstücken.

Gibt es bereits praktische Erfahrungen im täglichen Einsatz?
In der Geräteindustrie ist unser Leichtbauroboter bereits eine Erfolgsgeschichte. So setzt der Schweizer Haushaltsgeräte-Hersteller V-ZUG den BioRob seit einigen Jahren zur Qualitätssicherung in der Produktion von Waschmaschinen ein. Außerdem nutzt ein großer deutscher Automobilzulieferer die Vorteile des Leichtbauroboters im Bereich der Endverpackung sowie für Arbeiten im Reinraum.

Wollen Sie die Leistungsfähigkeit, zum Beispiel im Bereich der Tragfähigkeit, erhöhen?
Wir sind ein technologiegetriebenes Unternehmen und beschäftigen uns permanent damit, wie wir unseren Roboter weiter optimieren – insbesondere was die Tragfähigkeit, Geschwindigkeit und Programmierbarkeit betrifft.

Wie stellt sich das materialsparende Konzept preislich dar? Ist der Roboter auch kostengünstig?
Schauen Sie, der Einsatz des Leichtbauroboters macht hohe Investitionen für Schutzzäune und Absperrungen überflüssig. Und er blockiert keine Arbeitsfläche in der Produktion. Entscheidend ist nicht, ob der Roboter kostengünstig ist, sondern welche Vorteile und welchen Mehrwert unsere Kunden mit dem Leichtbauroboter erzielen. Insofern ist die Anschaffung des BioRob von Bionic Robotics eine in hohem Maße rentable Investition.

Sie sind jüngst in neue Räume in Darmstadt umgezogen. Was verändert sich mit dem Umzug?
Nach der Aufbauphase nehmen wir als Start-up-Unternehmen den nächsten Schritt in Angriff. Dieser lautet: Expansion. Wir wollen weiter wachsen. Der Umzug setzt dazu das entsprechende Signal. Mit den neuen Räumlichkeiten haben wir nun deutlich mehr Platz für weitere Test- und Montagearbeitsplätze. Zudem können wir kleine Serien des Leichtbauroboters mittelfristig im Unternehmen selbst montieren.

Wer steht hinter Bionic Robotics?
Die Bionic Robotics GmbH ist eine Nachfolgegesellschaft der BioRob GmbH, die 2010 aus einer Ausgründung der Technischen Universität Darmstadt hervorgegangen ist. Zum Gesellschafterkreis gehören insgesamt fünf engagierte Investoren wie zum Beispiel der High-Tech-Gründerfonds oder die Hessen Kapital I GmbH.

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