Robotertechnik

Wegrobotisiert – oder eher doch nicht!

Studien zum Wegfall von Arbeitsplätzen widersprechen sich. Mit einer Schreckensnachricht stießen im Frühjahr die Banker von IngDiba in die Öffentlichkeit: Roboter gefährden Unmengen von Arbeitsplätzen. Dem sei nicht so, beruhigen Andrea Nahles und der VDMA.

Mensch oder Maschine: Die Gefährdung von Arbeitsplätzen ist weit weniger umfangreich, als in einigen Studien angekündigt.

Jüngst erregte IngDiba Aufsehen mit einer Studie zum Verlust von Arbeitsplätzen durch Automatisierung, Roboter und Industrie 4.0. Die Ergebnisse waren für Arbeitnehmer alarmierend. Basierend auf einer Studie aus den USA (Frey und Osborne, 2013) über die Robotereinsätze im amerikanischen Arbeitsmarkt wurde eine analoge Studie für Deutschland angelegt. Das Ergebnis laut IngDiba: „Von rund 30,9 Millionen in dieser Studie berücksichtigten sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten sind demnach 18,3 Millionen Arbeitsplätze – das sind 59 Prozent – in ihrer jetzigen Form von der fortschreitenden Technologisierung in Deutschland bedroht.“ Der erwartete Zeithorizont beträgt zehn bis 20 Jahre. Das ist in der Menge der in Deutschland ersetzten Arbeitsplätze sogar mehr, als Frey und Osborne, ein Ökonom und ein Ingenieur, für die USA prognostizierten; dort sollen lediglich 47 Prozent einer Roboterstrategie der Unternehmen zum Opfer fallen.

Am schlimmsten trifft es demnach die Bürokräfte. Dort sind 86 Prozent gefährdet, bei den Hilfsarbeitskräften 85. Bei den Maschinen- und Anlagenbedienern und Montageberufen stünden satte 69 Prozent auf der Kippe. Die Liste ließe sich fortsetzen und endet bei jenen, deren Arbeitsplatz das IngDiba-Papier gute Überlebenschancen einräumt: Akademikern (zwölf Prozent Betroffene) und Führungskräfte (elf Prozent). Absoluter Spitzenreiter ist die Medizin; hier wird nur ein Prozent der Arztstellen wegfallen.

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„Die Ergebnisse erfordern eine vorsichtige Interpretation“, beschwichtigte umgehend das Bundesarbeitsministerium in einem Forschungsbericht: „Vor allem beziehen sich die Ergebnisse nur auf das technische Automatisierungspotenzial“, heißt es aus dem Ministerium von Andrea Nahles. Die Autoren neigen dazu, die Einsatzmöglichkeiten und praktische Relevanz neuer Technologien zu überschätzen, wiegelt die Ministerin ab. Die Behörde stellt fest, Maschinen könnten Arbeitsplätze verändern, ohne sie zu ersetzen. Es entstünden Freiräume, um Aufgaben zu übernehmen, die nur schwer zu automatisieren sind. Und die Berliner beruhigen die Arbeitnehmer: „Insgesamt gesehen bleiben größere Beschäftigungseffekte durch zukünftigen technologischen Wandel eher unwahrscheinlich.“ Die Automatisierungswahrscheinlichkeit liefere aber dennoch wichtige Hinweise darauf, in welchen Berufsgruppen der Anpassungsdruck demnächst steigt.

Ins gleiche Horn stößt Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA Robotik + Automation in Frankfurt: „Trotz des hohen Robotereinsatzes steigt die Zahl der Beschäftigten in Deutschland kontinuierlich.“ Sein Beleg: Der Roboterbestand in Deutschland stieg zwischen 2010 und 2014 um 20 Prozent auf 176.000. Parallel dazu wuchs die Zahl der Erwerbstätigen um 1,6 Millionen auf 42,58 Millionen. Für Schwarzkopf ist die „IngDiba-Studie unbrauchbar.“ Es würden Ängste geschürt – bei einer wirklichkeitsfernen Technologieeinschätzung. Der VDMA verweist auf eine eigene Einschätzung der beiden amerikanischen Studien-Autoren: „Wir unternehmen keinerlei Versuche, abzuschätzen, wie viele Arbeitsplätze tatsächlich automatisierten werden...“.

Nur zwölf Prozent der Arbeitsplätze wiesen ein Profil mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit. Schwarzkopf schließt sich deswegen dem Fazit von Ministerin Nahles an: „Der digitale Strukturwandel fordert uns neue Antworten ab. Aber er überfordert uns nicht.“ bw


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