Michael Fraede, General Manager Business Unit Robotics bei Yaskawa, vermisst die Unternehmerpatriarchen

„Biografien sind spannender als Krimis“

Wer oder was hat Ihr Interesse an Ihrem gegenwärtigen Tätigkeitsfeld geweckt?
Im Jahr 1988 kam ich von der hochpräzisen Medizintechnik, die mich sehr erfüllt hatte, etwas ungeplant in die Robotertechnik. Da ich kein technisches Studium hatte, wollte ich mich durch besondere Lernfähigkeit und Fleiß behaupten. Das hat dazu geführt, dass mich die facettenreiche Robotertechnik über 20 Jahre intensiv geprägt und begeistert hat.

Im Ruhestand vielleicht an einen Binnensee – oder in die Berge: Michael Fraede. (Foto: privat)

Welche technischen Leistungen aus Ihrem Bereich bewundern Sie besonders?
Sinnvolle Automatisierung hat die Wettbewerbsfähigkeit und somit den Erhalt von Arbeitsplätzen in unzähligen Betrieben gesichert.

Was möchten Sie noch dringend beruflich und/oder privat erreichen?
Sehr gerne würde ich meine vergangenen 25 Ehejahre mehr als verdoppeln und meinen beiden Kindern einen gelungenen Einstieg in Berufsleben und Eigenständigkeit wünschen.

Drei Dinge, die Ihnen besonders wichtig sind…
Gesundheit, Leistungswille, Gerechtigkeit.

…und drei, auf die Sie besonders gut verzichten könnten?
Physische und psychische Gewalt in jeder Form, mangelnde Ethik, tiefe Armut.

Je ein Buch, eine CD, ein Film: Welche sind Ihnen besonders wichtig?
Ein Buch hat mein berufliches Leben nachhaltig beeinflusst: „Winning – Das ist Management“ von Jack Welch. Meine Lieblings-CD ist seit 20 Jahren „Turn back the clock“ von Johnny Hates Jazz. Bei Filmen liebe ich Humor und Entspannung, wie in „Ice Age“.

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Was lesen Sie derzeit?
Fachliteratur und Geschäftszahlen. Sonst lese ich sehr gerne Biografien großer Unternehmer unserer Zeit. Das ist spannender und realer als jeder Krimi.

Welchen Sänger, Musiker, Schauspieler, Performer oder Sportler würden Sie gern live erleben?
Ich hätte mich gerne mit Loriot unterhalten und seine Beobachtungen und Sicht der Dinge diskutiert. Keiner hat uns als Gesellschaft besser analysiert und gespiegelt als er.

Treiben Sie Sport – welchen?
Ich war über zehn Jahre konsequenter Mittelstrecken-Läufer, habe jedes Jahr vier Halbmarathons absolviert. Das musste ich gesundheitlich aufgeben und habe dafür meine Leidenschaft im Golf-Sport entdeckt.

Haben Sie ein Vorbild – oder vielleicht mehrere?
Keine Person ist vollkommen. Aber sehr viele Personen aus meinem engen privaten und beruflichen Umfeld haben große Stärken. Das fasziniert mich, und ich versuche daraus meinen eigenen Stil weiterzuentwickeln.

Welche positive Ader kennzeichnet Sie?
Ich kann mich für Dinge begeistern und diese Begeisterung weitergeben. Ich stelle hohe Ansprüche an Fairness und ethische Grundwerte, die ich selbst auch vorlebe. 

Welche Botschaft haben Sie an Ihre Mitarbeiter?
Erfolg ist selten eine Einzelleistung, in den meisten Fällen ist es eine Teamleistung.

Ein Zufall spielt Ihnen 5.000 Euro zur freien Verfügung in die Hände. Wie setzen Sie diese ein?
Keine Ahnung, ist noch nie passiert. Sollte es unerwartet eintreten, werde ich es dann mit meiner Frau besprechen.

Leben Sie gerne dort, wo Sie leben oder können Sie sich auch einen anderen Lebensmittelpunkt vorstellen. Im Ruhestand vielleicht?
Ludwigsburg ist eine sehr reizvolle und abwechslungsreiche Stadt. Wir sind gerne hier. Im Alter kann es auch etwas näher an den Bergen sein oder an einem schönen Binnensee.

Welche Fehlentwicklung in Markt, Technik und Gesellschaft finden Sie dringend änderungswürdig?
Der Geist der Unternehmenspatriarchen stirbt aus. Das schnelle Geld, die Macht der Finanz-Institute, die Anonymität zwischen Konzernleitung und Mitarbeitern, alles das unterdrückt den Wunsch nach Identität und Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber.


Michael Fraede verantwortet bei der Yaskawa Europe GmbH als General Manager Business Unit Robotics seit 1. Mai 2014 das gesamte Motoman-Roboterprogramm mit über 100 Modellen und Zubehör. Als Vertriebsexperte war der Kaufmann Michael Fraede (geb. 1962) zunächst viele Jahre in verschiedenen Robotik-Unternehmen aktiv. Zudem war er vier Jahre Mitglied im Vorstand des VDMA-Fachverbandes Robotik.

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