Cobots

Kollaboration mit sieben Achsen

Sieben-achsige Cobots. Mit dem Robotik-Ingenieur Kristian Kassow und seinen zwei Partnern steckt hinter dem 2014 in Kopenhagen gegründeten Start-Up Kassow Robots ein erfahrenes Gründerteam. Dieter Pletscher, Vertriebschef von Kassow Robots, spricht im Interview über den Markteintritt auf der Automatica und die Vorteile von sieben-achsigen Cobots.

Dieter Pletscher, Vertriebschef von Kassow Robots. © Kassow Robots

Herr Pletscher, im Juni präsentierte sich Kassow Robots erstmals auf der Automatica – Ihr Resümee?
Pletscher: Sehr positiv. Zum einen war es uns im Juni wichtig, unsere Marke bekannt zu machen und auf der Automatica möglichst vielen Besuchern unsere Sieben-Achsen-Cobots zu präsentieren. An allen Messetagen war viel los am Stand und wir konnten mit genau so vielen internationalen wie deutschen Besucher sprechen. Zum anderen ging es uns ums Qualitative, also gute Gespräche zu führen. Auch das war der Fall. Spannende mögliche Anwendungen, die mit anderen Cobots aktuell nicht möglich sind, wurden an uns heran getragen und viele Besucher waren durchaus beeindruckt, welchen Mehrwert unsere Produkte mit ihrer Kompaktheit, Flexibilität und Stärke haben.

Ihre Cobots haben alle sieben Achsen, welchen Vorteil bietet das?
Pletscher: Die siebte Achse ermöglicht ultimative Flexibilität bei der Bewegung des Tools und man braucht weniger Platz, um bestimmte Bewegungen auszuführen. Das bedeutet, dass ich auch bei engen Platzverhältnissen gewünschte Bewegungen ausführen kann, beispielsweise bei der Bedienung von Maschinenzentren. Ein weiteres Beispiel, wo die siebte Achse einen großen Vorteil gegenüber einem sechs-achsigen Roboter hat, sind Applikationen, bei denen exakte Bahnen gefahren werden müssen. Ein Beispiel: Unser sieben-achsiger Cobot kann eine vorgegebene Bahn mit einer Wiederholgenauigkeit von plus/minus 0,1 Millimeter abfahren und dabei die vorgegebene Geschwindigkeit unabhängig von der Art der Bewegung einhalten. Dies bekommt ein Mensch so genau nicht hin. Bei Klebeapplikationen, wo zum Beispiel ein Teil auf eine Scheibe geklebt werden muss, ist das Auftragen einer exakten Menge Klebemittel eine Grundvoraussetzung, damit Fehler und Ausschuss und somit Kosten auf ein Minimum reduziert werden. Und der Roboter ist gleichzeitig auch noch schneller.

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Planen Sie weitere Modelle?
Pletscher: In der Tat, aber Details können und wollen wir noch nicht verraten. Wir sind ja gerade erst gestartet und schon sehr stolz, am Start schon drei Roboter – alle mit sieben Achsen und alle mit Gelenkgeschwindigkeiten von jeweils bis zu 225 Grad pro Sekunde – präsentiert zu haben: den KR 810 mit einer Reichweite von 850 Millimeter und Traglast von zehn Kilogramm, den KR 1205 mit einer Reichweite von 1.200 Millimeter und Traglast von fünf Kilogramm und den KR1805 mit einer Reichweite von 1.800 Millimeter und Traglast von fünf Kilogramm. Derzeit beginnt die Produktion für die ersten beiden Modelle, der KR 1805 folgt dann um den Jahreswechsel. Was mit bei dem Thema Produktfamilie aber besonders wichtig ist: unsere Cobots sind wirklich verwandt, Kristian Kassow und unsere Ingenieure haben sie modular entwickelt, so dass wir mit nur vier Gelenkgrößen das gesamte Modell-Portfolio abdecken können.

Warum sind Ihre Cobots so leicht zu bedienen?
Pletscher: Zur Programmierung und Benutzung der Roboter nutzen wir die intuitive und benutzerfreundliche Tablet-Technologie. Für unser Teach-Pendant setzen wir Standard Tablets ein mit einer leicht verständlichen grafischen Benutzeroberfläche mit dem bekannten Drag and Drop-Prinzip, so wie es jeder von der privaten Nutzung der Tablets oder Handys kennt. Dies reduziert bei den Mitarbeitern die Hemmschwelle sich ein erstes Mal mit der Bedienung eines Roboters auseinanderzusetzen beträchtlich.

Sehen Sie Chancen für Cobots, sich gegen Roboter durchzusetzen?
Pletscher: Darum geht es uns nicht. Es wird auch weiter eine Vielzahl von Anwendungen für klassische Roboter geben, wenn zum Beispiel Traglast und Geschwindigkeit besonders hoch sein sollen. Unsere Cobots hingegen eröffnen auch kleineren und mittelgroßen Unternehmen, die flexible wie sichere Roboterlösungen suchen, ganz neue Möglichkeiten in der Produktion – und das mit einem geringen finanziellen Aufwand. Dazu kommt, dass Anwendungen mit Cobots oftmals weniger Platzbedarf haben als Applikationen mit herkömmlichen Industrierobotern.

Kann jedes Unternehmen mit Cobots seine Produktion automatisieren?
Pletscher: Ich sehe da wenig Grenzen. Unsere Cobots ermöglichen Unternehmen, flexibler zu produzieren; zum einen, weil die Cobots vielfach einsetzbar sind und schnell an einen anderen Ort in der Produktion versetzt werden können, zum anderen, weil das Programmieren so einfach ist und Unternehmen nicht abhängig von Inhouse-Robotik-Ingenieuren sind. Zudem rechnet sich ein Cobot schnell, der ROI liegt durchschnittlich bei unter zwölf Monaten. Last but not least das Thema Sicherheit: Da sollten Anwender, die Cobots erstmalig einsetzen, wissen: Wird eine Abweichung gegenüber den vordefinierten Sicherheitsparametern registriert, stoppt unser Sicherheitssystem den Roboter sofort. Daher kann er – nach einer entsprechenden Risikoanalyse – auch in der Nähe von Mitarbeitern ohne oder mit begrenzten Sicherheitsmaßnahmen betrieben werden.

Herr Pletscher, vielen Dank für das Gespräch.

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