Sterilgut-Transporte

Alleine unterwegs im Krankenhaus

Sterilgut-Transporte mit Roboter. Um seine Patienten auch nach einer baulichen Vergrößerung optimal versorgen zu können, setzt das Universitätskrankenhaus Seeland im dänischen Køge einen mobilen Transportroboter von Mobile Industrial Robots ein. Ausgestattet mit einem Plattformaufsatz, transportiert der MiR100 sterile Güter in Rollschränken.

Die Roboter sind so konstruiert, dass sie mithilfe von eingebauten Scannern, Sensoren und Kameras sicher unter Menschen fahren. © MiR

Das Seelands Universitätskrankenhaus ist eine der jüngsten und modernsten Unikliniken Dänemarks. Jährlich werden dort rund 22.000 Patienten in den unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen behandelt. Daneben ist es eines der wichtigsten Lehrkrankenhäuser der Region. Bis zum Jahr 2022 möchten die dänischen Behörden die Klinik zu einem Leuchtturmprojekt ausbauen. Als medizinisches Kompetenzzentrum soll sie auf die dreifache Größe anwachsen und ein Vielfaches an Patienten betreuen: 400.000 ambulante und 90.000 stationäre Patienten werden dann jedes Jahr erwartet – ein enormer Zuwachs, der die Verwaltung auch mit Blick auf die Koordination der internen Versorgung vor Herausforderungen stellt.

Denn während die Zahl der zu betreuenden Patienten wächst, nehmen auch die Laufwege durch die räumliche Vergrößerung zu. Das trifft besonders die Pflegekräfte, die mit ihrer täglichen Arbeit am Menschen ohnehin schon ausgelastet sind. Den Verantwortlichen war schnell klar, dass eine Veränderung erfolgen müsste, damit die Prozesse effizienter vonstattengehen. „Wir müssen umdenken, wenn wir den aktuellen Stand der Logistik im Krankenhaus optimieren und eine zukunftsfähige Lösung entwickeln wollen“, erklärt Lilian Hansen, Projektleiterin am Seelands Krankenhaus. Vor diesem Hintergrund initiierte die Krankenhausleitung im Juni 2018 ein Pilotprojekt, im Zuge dessen der Einsatz mobiler Roboter im Krankenhausalltag getestet wird.

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Auf der Suche nach einem passenden Anbieter fiel die Entscheidung schnell auf die Technologie von Mobile Industrial Robots (MiR). „MiR bietet die für unsere Branche fortschrittlichsten Lösungen“, erklärt Johnny Lyngård Petersen, Betriebsleiter am Seelands Krankenhaus. „Die MiR-Roboter entsprechen genau unseren Bedürfnissen. Bei ihrer Implementierung waren keine speziellen Änderungen an der Infrastruktur nötig, da sie ohne Schienen oder Magnetstreifen navigieren – für uns ein großer Pluspunkt.“ Diese autonome Manövrierfähigkeit spart schließlich auch Zeit und Kosten bei der Integration. Vertrauen in Mobile Industrial Robots schenkte Lyngård Petersen ebenfalls die Tatsache, dass die Roboter von MiR in den letzten Jahren auch schon erfolgreich in anderen dänischen Krankenhäusern im Einsatz sind.

Im Zentrum des Projekts steht bei Seelands Universitätskrankenhaus ein MiR100, den die Krankenhausmitarbeiter auf den Namen „Optimus“ getauft haben. Er beliefert fünf Fachabteilungen mit sterilen Einwegartikeln wie Spritzen, Infusionsnadeln und Pflastern. Dabei legt er jede Woche zehn Kilometer Fahrweg zurück. Aufgrund seiner Sensortechnologie und Sicherheitsalgorithmen bewegt er sich autonom und zugleich sicher durch die Flure. Daher kann er auch völlig unbedenklich in unmittelbarer Umgebung von Menschen fahren.

Bei der Implementierung waren keine Änderungen an der Infrastruktur nötig,
da die Roboter ohne Schienen oder Magnetstreifen navigieren.

Im Zentrum des Projekts steht ein MiR100, der fünf Fachabteilungen mit sterilen Einwegartikeln wie Spritzen, Infusionsnadeln und Pflastern beliefert. © MiR

Hinzu kommt die zuverlässige Anpassungsfähigkeit des Roboters durch seine verschiedenen Schnittstellen, die ihm gerade im schnelllebigen Krankenhausalltag einen großen Vorteil verschaffen. So können MiR-Roboter Aufzugsysteme über WLAN bedienen und damit in diese selbstständig ein- und aussteigen oder elektrische Türen und Tore öffnen. Johnny Lyngård Petersen weiß diese Eigenschaften sehr zu schätzen: „Der Roboter kann den Aufzug nehmen, die Flure Seite an Seite mit Mitarbeitern und Patienten benutzen, Hindernisse umfahren und sogar Türen selbstständig öffnen.“

Vor dem ersten Einsatz fährt jeder Roboter sein zukünftiges Einsatzumfeld einmal ab und kartiert es. So kann er sich anschließend autonom fortbewegen und stets die schnellste Route zum Ziel berechnen. Mittels flexibler Aufsatzmodule lassen sich MiR-Roboter bestmöglich für ihre jeweiligen Aufgaben rüsten. Die in Køge eingesetzte Automatisierungslösung besteht aus vier Teilen: Als Basis fungiert der mobile Roboter mit seiner namensgebenden Traglast von 100Kilogramm. Auf seiner Ladefläche ist ein Aufsatzmodul installiert, auf dem sich ein fahrbarer Transportwagen ankuppeln lässt. Auf diesem wiederum ist ein Schrank montiert, den die Belegschaft für den Transport steriler Güter versiegeln kann.

Ihn beladen die Mitarbeiter der zentralen Sterilgutversorgung mit Einwegartikeln und sterilen Instrumenten. Der Roboter fährt dann nacheinander die verschiedenen Abteilungen ab, wo Service-Assistenten das benötigte Material herausnehmen. So gewährleistet die MiR-Technologie, dass die Abteilungen stets passgenau mit Sterilgut versorgt sind. Dies minimiert Wartezeiten, verhindert Engpässe und führt zu schlankeren Transportprozessen, wodurch die Klinik ihre Bestände verringern und teure Lagerfläche sparen kann.

Vom verbesserten Service profitieren sowohl Patienten als auch Mitarbeiter. Bevor Optimus seinen Einsatz in Seeland begann, lieferten diese das Sterilgut wöchentlich per Hand aus. Sie sind froh, diese körperlich anstrengende, monotone Tätigkeit jetzt abgeben zu können. „Dank der Technologie von MiR können die Service-Assistenten sich nun ‚wärmeren Aufgaben‘ wie der Patientenversorgung widmen“, erklärt Johnny Lyngård Petersen.

Der Roboter fährt nacheinander die verschiedenen Abteilungen ab,
sodass alle stets passgenau mit Sterilgut versorgt sind.

Die sozialmedizinische Assistentin legt die Artikel in den Schrank, dann schickt sie den Roboter mit einem Klick auf dem Tablet in die Abteilungen. © MiR

Diese Entlastung verschafft auch Krankenhausmitarbeitern wie Anne Rosenberg Petersen gesundheitliche Vorteile. Sie muss sich nicht mehr ständig bücken, um die teils schweren Kisten mit Sterilgütern zu tragen. Als sozialmedizinische Assistentin in der zentralen Sterilgutversorgung arbeitet sie täglich mit dem Roboter zusammen. Von seiner intuitiven Steuerung, die über Tablet, Mobiltelefon oder PC erfolgen kann, ist sie überzeugt: „Sobald ich die Artikel in den Schrank gelegt habe, schicke ich den Roboter mit nur einem Klick auf dem Tablet in die verschiedenen Abteilungen – mit allen Artikeln, die dort benötigt werden. Die gebrauchten Instrumente und Artikel sowie die leeren Transportwagen erhalte ich automatisch durch den Roboter von den Abteilungen zurück. Das erleichtert meine Arbeit ungemein.“

Die Mitarbeiter wurden von Anfang an in die Integration des Roboters einbezogen. Als es darum ging, ihm einen Namen zu geben, veranstaltete das Krankenhaus einen internen Wettbewerb. Die Frau, die ‚Optimus‘ ins Spiel brachte, erhielt einen kleinen Preis, den ihr der Roboter dann persönlich überbrachte. Dank seiner einfachen Programmierung konnte die Belegschaft Optimus ideal an bestehende Prozesse anpassen. Zum Beispiel wurde er so programmiert, dass er Patienten und Mitarbeiter höflich warnt, wenn er näherkommt – er bewegt sich nämlich nahezu lautlos. Darüber hinaus wurden an seiner Vorderseite Schilder angebracht, die den Menschen um ihn herum seine aktuellen Ziele anzeigen. Auf diese Weise haben sich sowohl Personal als auch Patienten schnell an den „neuen Kollegen“ gewöhnt. „Ich bin wirklich überrascht, wie schnell das ging. Die Mitarbeiter reden von ihm, als wäre er ein Kollege. Nach nur wenigen Wochen gehörte er schon dazu“, berichtet Hansen.

Im Rahmen des Pilotprojekts haben die Beschäftigten des Seelands Krankenhauses eine Vorstellung davon bekommen, wie solche Roboter die Abläufe sinnvoll unterstützen und die Intralogistik der Klinik merklich verbessern können. Die positiven Erfahrungen bestärken die Verantwortlichen darin, zukünftig weitere Transportabläufe zu automatisieren. So überlegen sie, auch OP-Materialien mit mobilen Robotern in die Operationssäle zu bringen – dies scheint insbesondere in Anbetracht der Tatsache sinnvoll, dass sich deren Zahl im Zuge des Umbaus vervierfachen wird. Auch die Abholung und Bereitstellung von Medikamenten wird als potenzielle Aufgabe für weitere MiR-Roboter in Erwägung gezogen. So sorgen die flexiblen Roboter dafür, dass auch im Krankenhaus der Zukunft der Fokus stets auf dem Menschen ruht. as

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